Preise in den Berghotels sinken zweistellig

In einzelnen Ferienorten sind Zimmer um 20 Prozent günstiger zu haben – selbst Zermatt konnte sich dem Preisrutsch nicht entziehen.

Sogar das Matterhorn lockt nicht mehr so stark wie früher: In Zermatt sanken die Hotelpreise um 10 bis 15 Prozent. Foto: Key

Sogar das Matterhorn lockt nicht mehr so stark wie früher: In Zermatt sanken die Hotelpreise um 10 bis 15 Prozent. Foto: Key

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Die Frankenstärke und der damit verbundene Gästeschwund haben zum Preiszerfall in der Schweizer Hotellerie geführt: Seit dem ersten Frankenschock im Jahr 2011 sind die Preise in der Berghotellerie im Schnitt um 10 bis 12 Prozent zurückgegangen, wie Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid sagt. Die Marketingorganisation beruft sich unter anderem auf Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Dessen Landesindex für Konsumentenpreise weist seit 2011 für die Hotellerie schweizweit ein Minus von 6 Prozent auf. Hinzu rechnet Schmid zusätzliche Leistungen, mit denen Hoteliers in den vergangenen Jahren um die zunehmend raren Gäste buhlten. Sprich: Aktionen wie Gratis-Bergbahntickets im Sommer, kostenlose Kinderskikurse, Wellnessbehandlungen oder die Extranacht zum Nulltarif ab einer gewissen Aufenthaltsdauer.

In den Ferienorten sind die vermehrten Schnäppchenpreise ein Tabuthema. Verlässliche Daten zur Preisentwicklung in den Berg­gebieten werden nicht erhoben. Betroffen von den Rückgängen sind auch die Städte, allerdings erst seit vergangenem Jahr. In Basel und Zürich fielen die durchschnittlichen Zimmerpreise, in Zürich um fast 4 Prozent. Doch in den Berggebieten kam der Preiszerfall früher und stärker. «Preisabschläge von gut 10 Prozent in der alpinen Hotellerie dürften auf einzelbetrieblicher Ebene durchaus realistisch sein», sagt Richard Kämpf, Leiter Tourismuspolitik beim Staatssekretariat für Wirtschaft.

Orte mit vielen Betten mussten Preise stärker senken

Die Branche selbst schätzt die Lage noch dramatischer ein. Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig spricht im Schnitt von 15-prozentigen Abschlägen in den letzten fünf Jahren: «Grundsätzlich gilt die Regel: 5 Prozent weniger Logiernächte, 10 Prozent tieferer Preis.» Züllig verweist jedoch auf regionale Unterschiede. Destinationen mit einem knapperen Bettenangebot wie etwa die Lenzerheide GR hätten die Preise teilweise halten können. Orte mit einem Überangebot litten dagegen tendenziell stärker.

So etwa Davos, wo internationale Hotelkonzerne mitten in der Krise das Angebot stark ausbauten: Eine Handvoll neue Hotels öffneten in den vergangenen Jahren die Tore, darunter das Intercontinental, das Hilton Garden Inn und das Ameron-Hotel. Das vergrösserte Bettenangebot führte zu einem erbitterten Preiskampf, insbesondere zwischen den Luxushotels Intercontinental und Steigenberger. Doppelzimmer sind teilweise unter 200 Franken zu haben. Laut Ernst Wyrsch, Präsident von Hotelleriesuisse Graubünden und früher selbst Chef des Steigenbergers, sind die Umsätze in Davos seit 2011 fast um ein Viertel eingebrochen, die Preise um bis zu 20 Prozent.

Fünfsternhäuser mit Preisen von Viersternhotels

Davos gilt angesichts des jüngsten Ausbaus als besonders dramatischer Einzelfall. Doch selbst das erfolgsverwöhnte Zermatt mit grundsätzlich stattlichen Preisen blieb von Rückgängen nicht verschont. Insbesondere die Briten hielten sich von der Luxusdestination fern. «Die Fünfsternhotels rutschten zeitweise auf das Niveau der Viersternhäuser», sagt Albert Bass, Verwaltungsrat der Matterhorn Group, zu der drei Häuser in Zermatt gehören. Er geht davon aus, dass in Zermatt die Preise in den letzten Jahren um 10 bis 15 Prozent zurückgingen – Zusatzleistungen der Hoteliers miteingerechnet.

Während die Hotellerie darbt, entwickelten sich Jugendherbergen, Ferienwohnungen und andere sogenannte Parahotellerie­betriebe vergleichsweise gut. Der Landesindex der Konsumentenpreise zeigt erst für die Jahre 2015 und 2016 einen Rückgang an. Seit längerem sind dagegen die Bergbahnen betroffen. Sie konnten ihre regulären Ticketpreise über die letzten fünf Jahre hinweg zwar leicht erhöhen. Allerdings gingen auch sie vermehrt mit Spezialangeboten auf Kundenfang. Sonderaktionen inklusive, gaben die Preise im Winter 2015/2016 im Vergleich zur Saison 2010/11 um 6 Prozent nach. Die Kosten stiegen in diesem Zeitraum deutlich, was rückläufige Gewinne bedeutet.

Die Restaurants mussten laut Branchenexperten kaum mit den Preisen runter. Daniel Borner, Direktor des Verbandes Gastrosuisse, sagt: «Vergleicht man die Preissituation zwischen der Restauration und der Hotellerie, so wird deutlich, dass die Verkaufspreise in den Beherbergungsbetrieben stärker unter Druck stehen.» Hotelleriesuisse-Präsident Züllig bringt es auf den Punkt: «Der Preiskampf wird nicht über das Schnitzel mit Pommes, sondern über den Zimmerpreis geführt.» Für die Hotels hat das teilweise fatale Folgen. Viele Häuser haben wichtige Investitionen aufgeschoben. Es drohe der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit im Konkurrenzkampf mit Ländern wie Österreich, Frankreich und Italien, sagt der Bündner Hotelleriepräsident Ernst Wyrsch. Immerhin hätten einzelne Hoteliers mit einer vermehrten Zusammenarbeit beim Einkauf, der Personalsuche oder dem Marketing Einsparungen erzielt. «Das ist ein positiver Aspekt, jetzt wird umgesetzt, was wir lange gefordert haben.»

Erholung dürfte lange dauern, höhere Preise sind kein Thema

Nach Einschätzungen von Konjunkturforschern ist die Talsohle im Tourismus mittlerweile erreicht, die Übernachtungszahlen sollen dieses Jahr wieder steigen. In Zermatt hat die Erholung bei Preisen und Auslastung bereits eingesetzt. Bei manchen Destinationen dürfte sie aber deutlich länger dauern.

Richard Kämpf, Leiter der Tourismuspolitik beim Bund, geht davon aus, dass der Rückgang der Hotelpreise in den alpinen Regionen dank anziehender Nachfrage bald ein Ende finden wird. «Für die nächsten sechs bis zwölf Monate ist vor diesem Hintergrund mit stabilen Preisen zu rechnen.»

Preiserhöhungen stehen aber kaum im Raum, wie aus einer Umfrage von Gastrosuisse und der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich hervorgeht. In der Befragung schlossen 95 Prozent der Berghotels einen Aufschlag in den nächsten Monaten aus. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 22.04.2017, 22:50 Uhr

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