Wenn der Faschismus als Antifaschismus daherkommt

Der Schwarze Block gleicht denen, die er angeblich bekämpft – nicht nur farblich.

Demonstranten am G-20-Gipfel in Hamburg:

Demonstranten am G-20-Gipfel in Hamburg: Bild: Keystone

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Die Proteste gegen das Gipfeltreffen der G-20 sind in eine Zerstörungsorgie von ein paar Tausend Randalierern ausgeartet. Jetzt macht sich Hamburg ans Aufräumen. Nichts mobilisiert ­Globalisierungsgegner und Kapitalismuskritiker verlässlicher als solche Gipfel. Doch deren Verteufelung ist Unsinn. Hier tagt keine neue Welt­regierung. Die Regierenden vertreten zwei Drittel der Weltbevölkerung, weit mehr als der UNO-­Sicherheitsrat. Es macht Sinn, dass sie sich ­regelmässig treffen. Im persönlichen Kontakt ­lassen sich Spannungen leichter abbauen. So trug der erste Gipfel der G-20 im Jahr 2008 ­wesentlich zur Bewältigung der Finanzkrise bei.

Man kann sich fragen, ob es klug ist, solche Veranstaltungen in Hamburg durchzuführen. Wer sich an die Gewaltexzesse der Linksextremisten im Dezember 2013 erinnert, den konnte der erneute Gewaltausbruch nicht überraschen. Schon vor Monaten war beim ­Spaziergang durchs Schanzenviertel nicht zu übersehen, wie auf Plakaten und Fassaden Hass geschürt wurde. Der Protest richte sich vor ­allem gegen Armut, Krieg und die Ursachen von Flucht, behaupteten die Organisatoren der Protestdemo. Wie verlogen das war, zeigte schon der Name ihrer Veranstaltung: «Welcome to Hell». Verwüstung, Plünderungen, brennende Autos, 213 verletzte Polizisten – die Randalierer haben Hamburgs Einwohnern ­tatsächlich die Hölle bereitet.

 «Die Verteufelung des Gipfels ist Unsinn. Hier tagt keine Weltregierung.»

Man kann gegen Globalisierung sein und dagegen protestieren. Tausende wollten das in Hamburg friedlich tun. Sie wurden von den Randalierern als Tarnung und Vorwand missbraucht. Die friedlichen Demonstranten sollten sich dagegen wehren. Ihr Mitgefühl gehört den verletzten Polizisten. Die linken Sympathisanten, die Gewalt bagatellisieren, solange sie nur von der richtigen, der linken Seite, kommt, schaden ihrem politischen Anliegen. Ein Rechtsanwalt und Sprecher der «Autonomen» bemängelte bloss, die Randalierer hätten ihre Zerstörungswut besser in Blankenese oder Pöseldorf, bei den Reichen eben, ausgelassen. Faschismus von links. Der Schwarze Block, ob in Hamburg oder Zürich, gleicht den Faschisten, die er angeblich bekämpft, nicht nur im farblichen Auftritt.

Auch in der Schweiz häufen sich Anschläge Linksextremer. Im letzten Jahr registrierte der Nachrichtendienst des Bundes 60 linksextreme und 2 rechtsextreme Gewalttaten. Wenn der Faschismus wiederkomme, werde er als Antifaschismus daherkommen, soll der italienische Schriftsteller Ignazio Silone dem Schweizer Journalisten François Bondy prophezeit haben. Gegen Rechtsextremismus wehren sich Staat und Zivilgesellschaft bereits konsequent. Das Gleiche ist endlich auch gegen linksextreme Gewalt vonnöten.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 08.07.2017, 23:09 Uhr

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