So viel Abfall landet an Schweizer Strassen

Auf Schweizer Autobahnen werden Tonnen von Abfall wild entsorgt – gerade in der Ferienzeit.

Besonders krasses Beispiel von Littering in der Theodor Herzl-Strasse in Basel. foto: Daniel Wahl

Besonders krasses Beispiel von Littering in der Theodor Herzl-Strasse in Basel. foto: Daniel Wahl

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Über den Asphalt brettern, die Fensterscheibe nach unten gleiten lassen und die Fast-Food-Box direkt aus dem Fenster werfen, die Alu-Dose hinterher – so geht Abfallentsorgung auf den Schweizer Autobahnen. Der Siedlungsmüll landet auf der Fahrbahn, im begrünten Mittelstreifen, in Büschen und Hecken auf den Rastplätzen. Über das gesamte Schweizer Autobahnnetz ergiesst sich eine unfassbare Masse Abfall.

Jedes Jahr gibt es pro Autobahnkilometer eine Tonne illegaler Müll, schätzt das Bundesamt für Strassen (Astra). Die damit verbundenen Reinigungskosten gehen in die Millionen.

Zuständig für Betrieb und Unterhalt der Autobahnen sind die Kantone. Sie sind in elf Gebietseinheiten zusammengefasst. Dort wissen die zuständigen Stellen, wie der automobile Abfallsünder tickt. «Es wird alles aus dem Fenster geworfen, was nicht niet- und nagelfest ist, von der Bananenschale über PET-Flaschen und Verpackungsmaterial bis zum Zigarettenstummel», sagt Thomas Maag von der Baudirektion des Kantons Zürich. «Wir sammeln auch vermehrt Kartons, Lebensmittel, Kleidungsstücke und Schuhe zusammen.» Auch Autobahnraststätten seien verstärkt vom Littering betroffen. Der Aufwand für die Sauberhaltung sei «kontinuierlich gestiegen», sagt Maag. «Pro Jahr sammeln wir rund 600 Tonnen Abfall auf den Autobahnraststätten im Kanton Zürich ein – rund ein Drittel stammt von illegal Entsorgenden.»

«In der Ferienzeit nimmt das Littering noch zu», sagt Thomas Leuzinger, Leiter Betrieb bei der Firma NSNW AG (Nationalstrassen Nordwestschweiz). Das Unternehmen ist zuständig für den Unterhalt der Autobahnen in den Kantonen Aargau, Baselland und Solothurn. «Insgesamt entsorgen wir jährlich rund 300 Tonnen an illegalem Abfall, der aus dem Littering stammt», sagt Leuzinger.

Eine Million Falschgeld in einem WC in Amsteg

Wenn es um wildes Entsorgen geht, gibt es kein Halten. Neben Papier, PET und Plastik müssen Leuzingers Mitarbeiter auch Schuhwerk einsammeln, «immer einzelne Schuhe, nie Paare». Im Kanton Luzern werfen Autofahrer mit Urin gefüllte PET-Flaschen aus dem Fenster. Das Reinigungspersonal musste auch schon Sofas und Kühlschränke abtransportieren. Die Devise der Abfallverursacher: Aus dem Auto, aus dem Sinn.

Das kennt man auch im Kanton Uri. «Das meiste sind Verpackungsmaterial und Speisereste», sagt Judith Gisler von der kantonalen Baudirektion. Man habe aber auch schon Skurilleres gefunden: «Ein Sturmgewehr im Gotthardtunnel, eine amerikanische Handgranate bei einem WC in Gurtnellen und eine Million Falschgeld im WC in Amsteg.»

Es gebe Leute, die ihren ganzen Haushaltsmüll auf Autobahnraststätten entsorgten, sagt Thomas Maag von der Zürcher Baudirektion. «Sie wollen Gebühren sparen oder sind zu faul, ihren Abfall ordnungsgemäss zu entsorgen.» Besonders dreist ging ein Autofahrer vor, der seinen alten Wagen mit Hausrat füllte und auf der A1 zum Rastplatz Oberweiher bei Wiesendangen ZH fuhr. «Dort parkierte er sein Auto, entfernte die Nummernschilder und machte sich aus dem Staub», sagt Maag. «Zum Glück gelang es, den Täter ausfindig zu machen.»



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Erstellt: 13.07.2019, 21:53 Uhr

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