Alle drücken sich vor harten Massnahmen

Immer mehr Katastrophen, doch die Verringerung des CO?-Austosses kommt kaum voran.

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Gleich zwei Naturereignisse machen dieses Wochenende von sich reden. Bei uns der Erdrutsch von Bondo, mit mutmasslich acht Toten, international der Hurrikan Harvey, der ebenfalls mindestens einen Toten forderte. Beiden Ereignissen gemeinsam ist, dass sie in den Zusammenhang mit der Klimaerwärmung gestellt werden. Ganz sicher ist man nicht, aber immer mehr verdichten sich die Hinweise, dass dem so ist. In der Schweiz deutet die Häufung der schweren Naturkatastrophen klar in diese Richtung. Der Rückgang des Permafrosts und der Gletscher ist direkt messbar und nicht folgenlos. Bei den Hurrikanen ist man weniger sicher, auch hier gibt es Häufungen, die aber zufällig sein können. Klar scheint hingegen, dass die wärmeren Wassertemperaturen in den Weltmeeren zu einer Zunahme der Intensität dieser Stürme führen.

Dass man versuchen sollte, den weltweiten CO?-Ausstoss zu senken, bestreitet darum, mit Ausnahme von Donald Trump, eigentlich niemand, der Verantwortung trägt. Angela Merkel und Doris Leuthard haben Trump wegen seines Ausstiegs aus dem Pariser-Klimaabkommen denn auch heftig kritisiert. Wenn es allerdings um die Umsetzung von griffigen Massnahmen geht, wird rasch alles anders – auch bei uns. Dann spricht man statt von den 3 Milliarden Franken, die die Prävention vor Naturgefahren kostet, vom wirtschaftlichen Schaden, den neue Vorschriften oder Fiskalzuschläge angeblich kosten. Noch lebhaft in Erinnerung ist mir die krude Argumentation, mit der uns die Autoimporteure zu erklären versuchten, warum die Autos in der Schweiz mehr CO2 verbrauchen müssen als in der EU – vom Abgasskandal in Deutschland ganz zu schweigen.

Auch angesichts des skandalösen Umstands, dass wir 20 Milliarden Franken in die Neat investiert haben und damit der CO2-Verbrauch im Güterverkehr dank Verlagerung auf die Schiene massiv gesenkt werden soll – die Deutschen und die Italiener sich aber um die Zubringer foutierten und im Moment vor Basel alles still steht, kann man sich nur wundern. Über die Tatsache, dass in Deutschland Merkel nur von der gestoppten Immigration spricht und nicht über geschuldete Investitionen in die Bahnen, auch. Ärgern muss man sich aber darüber, dass der Protest der Schweizer Politiker dermassen leise ist. Gerade mal einen Brief an den deutschen Verkehrsminister soll es nun geben, trotz eklatanter Vertragsverletzungen durch unser Nachbarland und die EU (siehe Seite 4). Leuthard und Merkel gemeinsam scheint zu sein, dass es für beide deutlich attraktiver ist, sich bei der Tunnel­eröffnung ablichten zu lassen oder Trump zu kritisieren, als nachher den reibungslosen Betrieb der Neat durchzusetzen. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 26.08.2017, 23:47 Uhr

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