Alpiq stiftet Verwirrung beim Kaufpreis

Investor Martin Ebner verlangt, dass der Rückzug des Stromriesen von der Börse blockiert wird.

Der Preis, der pro Aktie bezahlt wird, liegt bei 70 Franken. Das wurde diese Woche bekannt, weitere Details sind geheim. Foto: Keystone

Der Preis, der pro Aktie bezahlt wird, liegt bei 70 Franken. Das wurde diese Woche bekannt, weitere Details sind geheim. Foto: Keystone

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Jens Alder, Präsident und CEO von Alpiq, hat mit seiner Geheimniskrämerei eine maximale Verwirrung geschaffen. Der französische Energiekonzern EDF (Électricité de France) steigt beim ehemals grössten Schweizer Energiekonzern aus und verkauft seine Beteiligung von 25 Prozent in zwei Schritten dem Credit-Suisse-Anlagefonds CSEIP.

Der Umfang des Deals ist eine knappe halbe Milliarde Franken, der Preis, der pro Aktie bezahlt wird, liegt bei 70 Franken. Das wurde diese Woche bekannt, weitere Details sind geheim – obwohl Alpiq vorwiegend in staatlicher Hand ist und «mit einem Anteil von 15 bis 20 Prozent an der gesamten Stromerzeugung eine wichtige Rolle in der Umsetzung der Energiestrategie 2050 spielt», wie das Unternehmen selber schreibt.

Unterschiedliche Interessen: Jens Alder (l.), Martin Ebner. Fotos: Derek Li Wan Po/Keystone

Mittelfristig soll Alpiq von der Börse genommen werden, denn mit nur 12 Prozent des Kapitals, das bei den Kleinaktionären liegt, lässt sich der regulatorische Aufwand angeblich nicht mehr rechtfertigen. Die grosse Frage ist nun: Wie sollen die Kleinaktionäre entschädigt werden? Gemäss offiziellen Aussagen sollen sie gleich behandelt werden wie die Franzosen.

Darum ist einige Verwirrung entstanden, denn die EDF spricht in ihrer englischen Pressemitteilung zum Deal davon, dass es eine Earn-out-Klausel gebe. Demnach hätte die EDF Anspruch auf eine Zusatzentschädigung, wenn die Alpiq in den nächsten Jahren unerwartet viel Gewinn macht. Das ist durchaus möglich, denn die Strompreise stiegen in den letzten Monaten, und Analysten sind deshalb erstaunt über den niedrigen Verkaufspreis.

Es gibt keinen «Earn-out-Mechanismus»

Martin Ebner, wahrscheinlich der Kleinaktionär mit den meisten Aktien, will für seine Aktien 140 Franken pro Aktie. Nachdem die «Finanz und Wirtschaft» letzten Dienstag über die Klausel berichtet hatte, stieg der Kurs der Alpiq-Aktien deutlich an. Fragt sich also, was die Klausel genau bedeutet. Dazu sagt Sprecherin Sabine Labonte: «Alpiq kann und darf nichts zu einem möglichen ‹Earn-out-Mechanismus› kommunizieren, weil Alpiq keine Vertragspartei ist.»

Damit heizt sie die Spekulationen weiter an. Doch offenbar handelt es sich um einen verspäteten Aprilscherz: Denn, wie im französischen Text ersichtlich, gibt es keinen «Earn-out-Mechanismus», sondern vielmehr eine Preis-Klausel, die bedeutet, dass, wenn ein anderer Aktionär von den Käufern mehr erhält als die EDF, der EDF ebenfalls eine Aufbesserung zusteht. De facto heisst das: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Kleinaktionäre von den Vertragsparteien für mehr als 70 Franken ausgekauft werden, denn das würde sehr teuer.

Eine Hintertür gibt es allerdings doch. Technisch gesehen werden beim Alpiq-Deal die von der EDF gehaltenen Aktien zu gleichen Teilen an die bisherigen Alpiq-Aktionäre Primeo Energie und EOS Holding verkauft. Finanziert wird die Transaktion vom Infrastrukturfonds der Credit Suisse, der innerhalb eines Jahres die 25-Prozent-Beteiligung übernimmt. Darum könnte Alpiq den Kleinaktionären ein Angebot machen und die Titel zu über 70 Franken pro Aktie zurückkaufen. Genau darauf spekuliert nun Ebner und mit ihm wohl bald auch einige Hedgefonds.

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Alder hat dies zwar ausgeschlossen, doch Alpiq hat in den letzten Monaten schon grössere kommunikative Spitzkehren geschafft. Letzte Woche dementierte Alpiq beispielsweise einen Bericht der «NZZ am Sonntag», wonach das Auslandsgeschäft zum Verkauf stehe.

Das wäre angesichts der Marktverhältnisse kurzfristig tatsächlich nicht möglich, weil sich kein Käufer findet. Allerdings stellte der Konzern bereits Ende Oktober seine beiden Kohlekraftwerke in der Tschechischen Republik zur Disposition, und es findet bereits eine Art Auktion statt. Vor fünf Jahren scheiterte Alpiq mit demselben Vorhaben.

Ebenfalls unklar ist, wie die künftigen Geschäftsbeziehungen zwischen Alpiq und EDF aussehen. Auf Anfrage bestätigt Alpiq, dass «mit EDF in der Vergangenheit langfristige Lieferverträge geschlossen wurden». Je nachdem wie die ausgestaltet sind, könnte es sich dabei um versteckte Verkaufspreisaufbesserungen handeln. Ebner fordert gegenüber der SonntagsZeitung Transparenz über diese Sachverhalte. «Details hierzu gibt Alpiq nicht bekannt», heisst es jedoch bei Alpiq. Ebner erhofft sich darum von der Börse, dass sie die Dekotierung blockiert, bis die offenen Fragen geklärt sind.

Erstellt: 13.04.2019, 20:18 Uhr

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