An Apéros ist nicht mehr nur der Weisswein gespritzt

Vorletzte Woche an der Eröffnung eines Ladens an der Bahnhofstrasse: Keine einzige über 50-Jährige, die auch nur ein Fältchen auf der Stirn hatte.

Macht nicht mit: Birgit Schrowange hat sich in einem Interview gegen den Verjüngungswahn ausgesprochen. (22. Februar 2018)

Macht nicht mit: Birgit Schrowange hat sich in einem Interview gegen den Verjüngungswahn ausgesprochen. (22. Februar 2018) Bild: Morris Mac Matzen/Reuters

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Berufliches Networking ist ja per se etwas Anstrengendes. Man muss zusehen, dass man sich beim Apéro an die richtigen Leute hängt und nicht bei einem Langweiler hängen bleibt. Hinzu kommt die Häppchenesserei, die einem ständig das ungute Gefühl gibt, man begegne dem nächsten Gesprächspartner mit Stangensellerie zwischen den Zähnen.

Für Frauen im mittleren Alter wie mich kommt jetzt ein neuer Stressor dazu: Sie werden zunehmend mit der Frage konfrontiert, ob sie nebst dem Kleid auch das passende Gesicht zu dem Anlass tragen. Denn die Altersgenossinnen werden auf wundersame Art rasant jünger. Ich war vorletzte Woche an der Eröffnung eines Ladens an der Bahnhofstrasse, und ich hab keine einzige über 50-Jährige entdeckt, die auch nur ein Fältchen auf der Stirn hatte. Nur die guten Gene können da kaum dahinterstecken. Vor ein paar Wochen an der Party eines Headhunters derselbe Anblick: Während sich ältere Herren immerhin noch ein paar Nachlässigkeiten wie zu grosse Anzüge oder ungepflegte Augenbrauen leisteten, fiel auch da auf, wie ­viele Frauen ab 40 längst nicht nur mit einem gespritzten Weissen herumliefen.

«Ach, du bist naiv. Alle machen doch heute was», meinte eine Kollegin. Ja, offenbar bin ich naiv. Diese Woche hat sich auch die bekannte deutsche Moderatorin Birgit Schrowange, 60, in einem «Blick»-Interview gegen den Verjüngungswahn ausgesprochen. Freut mich. Nur: Wenn eine immer grösser werdende Schar spritzender Frauen die Definitionsmacht darüber gewinnt, wie ein Frauengesicht ab 40 auszusehen hat, ist das durchaus problematisch. Wer nicht mitmacht, gerät rasch in den Verdacht, zu wenig gut auf sich zu achten. Und das wird einem in der heutigen Businesswelt, in der das Äussere auch als Spiegelbild einer disziplinierten Lebensführung angeschaut wird, tatsächlich als Malus ausgelegt.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 01.10.2018, 15:36 Uhr

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