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Auch Exit darf Inserate schalten

Werbung von Sterbehilfeorganisationen löst immer wieder heftige Kritik aus – zu Unrecht.

Mit ganzseitigen Inseraten wirbt die Sterbehilfeorganisation Exit in mehreren Schweizer Zeitungen. «Heute sagen 118'121 Exit-Mitglieder in der Schweiz Ja zur Selbstbestimmung im Leben. Aber in der Not auch im Sterben. Und Sie?» Darunter stehen die Porträts von Exit-Mitgliedern, auch von Menschen kaum über 40 Jahren.

Streng religiöse Menschen dürften die Inserate befremden. Die Bischofskonferenz verurteilt sie gar scharf. Vom christlichen Standpunkt aus sei Sterbehilfe eine «Handlung gegen die Liebe» und könne «ethisch nie gerechtfertigt» werden. Auch das SRF lehnte im letzten Jahr Exit-Werbespots ab, mit der Begründung, die Freitodbegleitung sei «nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich stark umstritten».

In der Tat passt die Werbung für eine Organisation, die Sterbewilligen dabei hilft, aus dem Leben zu scheiden, nicht in unsere Zeit. Der Tod wird in unserer Gesellschaft verdrängt. Angepriesen werden stattdessen Jugend, ewige Schönheit und ein gesunder Lebensstil.

Es ist eine Diskussion, die offen geführt werden muss.

Wer auf eine würdevolle Art sterben möchte, sollte sich frühzeitig mit dem Sterben auseinandersetzen. Dies unabhängig davon, ob man persönlich Sterbehilfe befürwortet. Auch wer Mitglied einer Sterbehilfeorganisation ist, entscheidet sich nicht automatisch dafür, selber einmal Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen.

Eine Errungenschaft der Sterbehilfeorganisationen besteht darin, dass sie eine heikle ethische Debatte angestossen haben. Etwa, ab welchem Zustand ein Leben noch lebenswert ist in einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen älter werden. Es ist eine Diskussion, die offen geführt werden muss: Kirche, Ethiker, Palliativmediziner sollen sich zu Wort melden können – genauso wie die Sterbehilfeorganisationen. Wenn sie dies wünschen, auch mit Zeitungsinseraten.

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