Banken verdienen auf Kosten der Säule-3a-Sparer

Ein grosser Teil der Vermögen in der privaten Vorsorge wird in Obligationen angelegt. Die rentieren aber nicht mehr – nur die Finanzinstitute profitieren

Vorsorgesparen ist kein Spiel: Wer mit der 3. Säule in den Himmel statt in die Hölle will, muss trotz des Risikos auf einen hohen Aktienanteil setzen. Foto: Getty Images

Vorsorgesparen ist kein Spiel: Wer mit der 3. Säule in den Himmel statt in die Hölle will, muss trotz des Risikos auf einen hohen Aktienanteil setzen. Foto: Getty Images

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die meisten Anleihen in Schweizer Franken rentieren beim Verfallsdatum um null Prozent. Für Säule-3a-Sparer ist die Lage aufgrund der hohen Kosten noch viel ungemütlicher. Nach Abzug der Gebühren notieren die Obligationen, die in den Vorsorgeprodukten stecken, fast überall im Minus. Im Fonds Vitainvest 12 der UBS beispielsweise schlummern 78 Prozent der Anlagen in Obligationen. Nach Abzug der Kosten beträgt die Minusrendite für die Kunden der Grossbank 1,36 Prozent. Auch bei anderen Schweizer Anbietern, egal ob Gross-, Genossenschafts- oder Kantonalbanken, fallen die Berechnungen ähnlich ernüchternd aus.

Anbieter von 3a-Lösungen halten aber an Obligationen fest und schmälern damit die Erfolgsaussichten ihrer Kundinnen und Kunden. Und sie setzen sie zusätzlich Zinsänderungsrisiken aus. Weshalb tun sie das? Für Banken und Versicherungen ist es einträglicher, Gelder in Fonds mit Obligationen zu investieren, als wenn sie der Kunde auf einem 3a-Konto parkieren würde. Denn innerhalb der ­aktiven Fonds können Gebühren von 1 bis 1,5 Prozent verlangt werden. Das ist für Banken einfach verdientes Geld.

Je nach Bilanzstruktur einer Bank würden die Gelder, die nicht in Anleihen oder Aktien investiert werden, sonst bei der Schweizerischen Nationalbank landen. Dort bezahlen die Banken aber Straf­zinsen von 0,75 Prozent. Zudem müssten die Finanzinstitute diese Gelder für ihre Kunden dann auch noch positiv verzinsen. Und weil UBS, Credit Suisse und die meisten weiteren Banken auf solche Bargeldanlagen keine Gebühren verlangen, lassen sie die Vorsorgegelder der Säule-3a-Sparer lieber weiterhin negativ in den Anleihen herumliegen. «Die Banken dürften ein Interesse haben, aus Ertragsüberlegungen Vorsorgegelder tendenziell eher Richtung Anlageprodukte zu steuern», sagt Florian Schubiger vom Finanzberatungsunternehmen Vermögenspartner.

Seit 2016 verlieren die Vorsorgesparer Geld

Dieses kundenunfreundliche Gebaren praktizieren die Banken bereits seit einiger Zeit. Bisher konnten die tiefen Renditen aber mit Kursgewinnen aus den sinkenden Zinsen kaschiert werden. Ende Juni 2016 hat der Wind jedoch gedreht. Auf den Anleihen konnten seit damals keine weiteren Kursgewinne erzielt werden, und auch die Zinserträge deckten die hohen Kosten der Finanzinstitute nicht mehr ab. So verlieren die Vorsorgesparer seit 2016 laufend Geld – von möglichen Kursverlusten bei steigendem Zinsniveau ganz abgesehen.

Zu ihrem Fonds Vitainvest 12 mit einem 78-prozentigen Obligationenanteil sagt die UBS, dass sie die Entwicklungen am Markt aktiv verfolge und diese Anlagelösung derzeit nicht mehr aktiv anbieten würde.

Weil Aktien auf lange Frist Anleihen eigentlich immer schlagen, sollten weitsichtige Vorsorgesparer möglichst einen grossen Anteil ihres Altersbatzens in Dividendenpapiere investieren. Nur ist das im Schweizer Vorsorgesystem gar nicht so einfach. Das höchste der Gefühle ist bei der UBS eine Anlagelösung mit einem Aktienanteil bis 75 Prozent. Die Konkurrentin Credit Suisse zieht erst nach. Am 12. Februar wird die Credit Suisse Privilegia Vorsorgestiftung 3. Säule zwei neue Anlagegruppen mit einer durchschnittlichen Aktienquote von 75 Prozent, teils sogar bis 85 Prozent ins Angebot aufnehmen. Die eine der beiden Anlagegruppen soll dann sogar über eine obere Bandbreite für Aktien von 85 Prozent verfügen.

Das VZ Vermögenszentrum bietet Standardprodukte mit 85 Prozent Aktien und 9 Prozent Anleihen. Laut Manuel Rütsche, Geschäftsführer der Tochtergesellschaft VZ Quant Portfolio Services, können Kunden aber den Obligationenteil auf null reduzieren, falls sie das wünschen. Allerdings fallen beim VZ Vermögenszentrum auf jeden Fall 0,68 Prozent Gebühren an. «Aus Risikoschutz- und Diversifikationsgründen empfehlen wir aber kein 3a-Portfolio ganz ohne Bonds», sagt Rütsche.

Geld auf einem 3a-Konto parkieren ist rentabler

Das junge Basler Finanzunternehmen Viac, bei dem man seine Säule 3a per App eröffnet, sieht das anders. Es bietet Standardlösungen mit bis zu 97 Prozent Aktienanteil an. Statt auf Obligationen setzt Viac auf verzinstes Bargeld. «Auf der Cash-Quote verlangen wir keine Gebühren», sagt Daniel Peter, Mitgründer von Viac. Dies verhelfe den Kunden zu einer positiven Rendite, und mögliche Zinsänderungsrisiken würden so umschifft. Das Jungunternehmen arbeitet mit der Vorsorgestiftung der WIR-Bank zusammen und fordert die etablierten Banken mit ­tiefen Gebühren heraus.

Florian Schubiger vom Finanzberatungsunternehmen Vermögenspartner AG in Zürich rät in der aktuellen Situation, Gelder auf einem 3a-Konto zu parkieren und diese nicht in Obligationen im Rahmen der Säule 3a zu investieren. Wer mehr Risiko will, könne ein 3a-Produkt mit möglichst hohem Aktienanteil und möglichst wenig Obligationen beimischen. Mit Blick auf die Banken empfiehlt der Experte, immer auf die Kosten zu achten. «Ein Produkt mit hohem Aktienanteil sollte in meinen Augen höchstens Gesamtkosten von rund 0,7 Prozent aufweisen, ansonsten würde ich wechseln.»

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 08.01.2018, 10:32 Uhr

Artikel zum Thema

So sicher sind Ihre Vorsorgegelder

Geldblog Freizügigkeitsgelder und 3.-Säule-Einlagen sind bei einem Bankkonkurs weniger gut gesichert, als viele glauben. Zum Blog

Mehr Spielraum mit der 3. Säule

Geldblog Wer Wohneigentum erwirbt oder sich selbstständig macht, darf vorzeitig auf das ersparte Kapital in der 3. Säule zurückgreifen. Zum Blog

3.-Säule-Gelder sinnvoll anlegen

Geldblog Besonders in der langfristig ausgerichteten 3. Säule ist der Einsatz von Fonds sinnvoll – vorausgesetzt, man will das Geld nicht früher nutzen. Zum Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Da ist der Bär los: Das peruanische Designer Edward Venero lässt seine neuste Herrenkollektion an der Fashion Week in Lima von Teddys präsentieren. (25. April 2018)
(Bild: Martin Mejia/AP) Mehr...