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10 Tipps für die richtige Wahl von Zusatzversicherungen

Wann es sich lohnt, über die obligatorische Krankenversicherung hinaus zu denken.

Mit der richtigen Versicherung können zusätzliche Risiken abgedeckt werden. Illustration: Riika Laakso
Mit der richtigen Versicherung können zusätzliche Risiken abgedeckt werden. Illustration: Riika Laakso

1. Kann ich überall Zusatzversicherungen abschliessen?

Im Gegensatz zur Grundversicherung müssen die Anbieter von Zusatzversicherungen nicht alle Antragsteller bedingungslos aufnehmen. Ein schriftlicher Gesundheitstest ist darum für die Aufnahme die Regel. Bei nicht wahrheitsgetreuem Ausfüllen des Fragebogens drohen Leistungskürzungen. Versicherte können Grund- und Zusatzversicherungen bei unterschiedlichen Anbietern abschliessen. Aber manche Anbieter geben einen Kombinationsrabatt, wenn Grund- und Zusatzversicherung am gleichen Ort abgeschlossen werden. Dieser kann bei einer Trennung der Produkte jedoch gestrichen werden.

2. Kann ich einzelne Elemente frei wählen?

Ambulante Zusatzversicherungen werden oft als Paketlösungen angeboten. Versicherte sollten vor dem Abschluss einer Police deshalb ihre Bedürfnisse genau abklären und den Anbieter mit einem am besten auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Bündel suchen.

3. Können Rettungs- oder Transportkosten zur Falle werden?

Die Kostendeckung für Rettung und Transport ist in der Grundversicherung auf ein Minimum beschränkt. Für die Transportkosten werden nur fünfzig Prozent bzw. maximal 500 Franken pro Kalenderjahr übernommen, wenn ein Transport mit dem Privatauto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus medizinischen Gründen unmöglich ist. Im Inland deckt die Grundversicherung für Rettungstransporte nur jeweils die Hälfte der Kosten bis zu einem jährlichen Maximalbetrag von 5000 Franken. Rettungen im Ausland sind nicht gedeckt. Eine Rega-Gönnerschaft heisst aber nicht, dass alle Luft-Rettungen automatisch gedeckt sind, denn die Rega ist keine Versicherung. Eine Zusatzversicherung kann darum sinnvoll sein.

4. Wie gross ist der Versicherungsschutz im Ausland?

Innerhalb von EU- und Efta-Staaten haben Schweizer Versicherte bei medizinischen Notfällen gegen Vorweisen der in diesen Ländern anerkannten Krankenversicherungskarte Anspruch auf Vergütung der gleichen Leistungen wie die im betroffenen Land versicherten Personen. Franchise und Selbstbehalt beginnen aber bei null Franken, weil die im Aufenthaltsland geltende Kostenbeteiligung massgebend ist. Diese beträgt zum Beispiel bei einem Spitalaufenthalt in Frankreich zwanzig Prozent. Ausserhalb der EU- und Efta-Staaten zahlt die obligatorische Grundversicherung nur maximal die doppelten Kosten einer Behandlung in der Schweiz. Besonders in Staaten mit hohen Behandlungskosten wie etwa in den USA, in Kanada und Japan oder in Entwicklungsländern, wo oft Behandlungen in teuren Privatkliniken notwendig sind, lohnt sich eine entsprechende Zusatzversicherung. Diese kann auch ausschliesslich für den Zeitraum der Reise abgeschlossen werden.

5. Wer braucht eine Zahnversicherung?

Zahnspangenbehandlungen können schnell so viel kosten wie ein Kleinwagen. Besonders Eltern profitieren deshalb von einer Zahn-Zusatzversicherung für den Nachwuchs. Der Haken: Die Zusatzversicherung sollte möglichst frühzeitig abgeschlossen werden. Denn die Krankenkassen beteiligen sich nur dann an den Kosten einer Zahnstellungskorrektur, wenn diese nach Versicherungsabschluss diagnostiziert wird. Zudem sind Karenzfristen von sechs Monaten bis zu drei Jahren nicht unüblich. Diese Einschränkungen gelten übrigens bei jeder Zusatzversicherung.

6. Lohnen sich Produkte für Psychotherapien oder alternative Therapien?

Die Grundversicherung deckt die Kosten für ärztliche und «delegierte Psychotherapien». Das heisst, der Therapeut muss Psychiater oder von einem Psychiater angestellt sein und in dessen Praxis arbeiten. Zusatzversicherungen decken einen Kostenanteil an Psychotherapien von frei praktizierenden «nicht-ärztlichen» Psychotherapeuten – allerdings akzeptiert nicht jede Kasse die gleichen Therapeuten. Die Anzahl der Sitzungen ist zudem teilweise eingeschränkt. Einschränkungen gibt es auch bei Angeboten für alternative Heilmethoden und komplementärmedizinische Therapien. Solche Zusatzversicherungen sollen deshalb gut überlegt sein.

7. Soll ich mir Fitness und Wellness bezahlen lassen?

Diverse Krankenkassen leisten Beiträge an Fitness-Abos und Yogakurse oder andere Entspannungsmassnahmen. Zum einen wird allerdings nicht jeder Dienstleister akzeptiert. Zum anderen werden solche Zusatzelemente oft nur in fixen Paketen mit weiteren ambulanten Leistungen angeboten, wie Zuschüssen an Kuren, Sehhilfen oder Schutz- und Reiseimpfungen. Ein sorgfältiger Vergleich von Preisen und Leistungsumfang ist deshalb sinnvoll. Neu bieten verschiedene Versicherer übrigens auch finanzielle Anreize für die Übermittlung von Vitaldaten via App.

8. Brauche ich Zuschüsse für Alternativmedizin?

Auch dieser Zusatz wird oft nur als Teil eines Bündels angeboten. Es bestehen grosse Unterschiede zwischen den Krankenkassen bezüglich Kostendeckung. Zudem übernehmen nicht alle Kassen dieselben Medikamente. Wichtig zu wissen: Auch bei einer Zusatzversicherung ist die Kostendeckung für bestimmte Präparate ausgeschlossen. Zusätzlich kann ein Selbstbehalt von zehn Prozent fällig werden.

9. Wie steht es um Hauskrankenpflege und Haushaltshilfen?

Die Grundversicherung deckt die Kosten für eine ärztlich verordnete Akut- und Übergangspflege nach einem Spitalaufenthalt. Externe Haushaltshilfen werden demgegenüber nicht finanziert. Verschiedene Zusatzversicherungen springen hier ein. Sinnvoll sind solche Produkte aber nur bei häufigem Bedarf. Die Leistungen und Kosten unterscheiden sich dabei stark. Ein sorgfältiger Vergleich ist deshalb unabdingbar.

10. Brauche ich eine Spitalzusatz-versicherung?

Im Zeitalter von Zwei- oder Einbettzimmern in Allgemeinabteilungen und zunehmend ambulant durchgeführten Operationen stellt sich die Frage nach dem Sinn einer Spitalzusatzversicherung. Der Vorteil besteht allerdings nicht in erster Linie im zusätzlichen Komfort, sondern in der freien Arztwahl. Bei Halbprivatversicherten ist in der Regel der Oberarzt, bei Privat-versicherten der Chefarzt für die Behandlung zuständig. Der Patient darf zudem bei nicht dringenden Eingriffen den Zeitpunkt selber bestimmen. Spitalzusatzversicherungen sind verhältnismässig teuer.

Eine kostengünstigere Alternative sind Flexversicherungen. Dabei entscheiden die versicherten Personen vor dem Spitalaufenthalt, wie sie sich behandeln lassen wollen, und übernehmen für eine Privat- oder Halbprivatbehandlung einen vorgängig fixierten Betrag oder Kostenanteil selbst. Der Zusatz «Allgemeine Abteilung ganze Schweiz» deckt die Kosten bei einem Spitalaufenthalt ausserhalb des Wohnkantons, die höher als die Kosten im Wohnkanton liegen. Ausgenommen sind Behandlungen, die aus medizinischen Gründen nicht in einem Spital des Wohnkantons durchgeführt werden können. Viele Anbieter führen die Versicherung als fixen Bestandteil eines Pakets von ambulanten Zusatzleistungen. Kleiner Trost: Der Zusatz kostet nur wenige Franken pro Monat.

Elisabeth Rizzi ist Leader Newsroom & Brand Governance beim Vergleichsportal Comparis

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Dieser Text stammt aus dem Extra Gesundheit vom 22. März 2020. Alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOS – App für Android – Web-App
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