Der Vorsorgefranken in der Pensionskasse

Über 50 Milliarden Franken fliessen jährlich in die 2. Säule.

Illustration: Corinna Staffe

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In der beruflichen Vorsorge sind in der ganzen Schweiz rund fünf Millionen Erwerbstätige und Rentenbezüger versichert. Die Erwerbstätigen zahlen zusammen mit ihren Arbeitgebern jedes Jahr über fünfzig Milliarden Franken in die zweite Säule ein. Doch wohin fliessen diese riesigen Summen, und welches sind die grössten Herausforderungen?

Sparbeiträge

Der grösste Teil aller Beiträge wird dem individuellen Alterskonto der aktiven Versicherten gutgeschrieben. Das Kapital der Versicherten wird investiert, sodass mit dem Anlageertrag eine ansprechende Verzinsung bezahlt werden kann. Im Schnitt werden 82 Prozent der jährlichen Beiträge zur Bildung des Alterskapitals eingesetzt. Dieser Mittelwert bezieht sich auf den Offertenvergleich, den die SonntagsZeitung und die «Finanz und Wirtschaft» im Rahmen des Pensionskassenvergleichs zusammen mit dem Beratungsunternehmen Weibel Hess & Partner bereits zum 14. Mal in Folge durchgeführt haben.

Zu den grössten Herausforderungen der Altersfinanzierung in der beruflichen Vorsorge gehören die stetig steigende Lebenserwartung sowie die tiefen Zinsen an den Finanzmärkten. Für die Pensionskassen ist es heutzutage eine sehr grosse Herausforderung, genug Anlageerträge zu erwirtschaften, damit die Rentenverpflichtungen gedeckt und die Altersguthaben der aktiven Versicherten verzinst werden können.

Die Hauptschwierigkeit vieler Pensionskassen sind die Verpflichtungen gegenüber den Rentnern. Sie erhalten lebenslang eine garantierte Altersrente, die auch in negativen Börsenjahren vollumfänglich gedeckt werden muss. Aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung ist die Rentenphase immer länger. Das während der Erwerbszeit angesparte Kapital reicht bei weitem nicht, um die lebenslangen Altersrenten zu finanzieren. Die Kassen müssen die Fehl-beträge zulasten der Reserven der Aktivversicherten finanzieren.

Das Kapitaldeckungsverfahren der zweiten Säule ist deshalb in Schieflage. Für das Jahr 2018 bezifferte die Oberaufsichtskommission die systemfremde Umverteilung auf 5,1 Milliarden Franken. Korrigierende Massnahmen sind längst überfällig. Jedoch sind Reformen politisch blockiert und gefährden die berufliche Vorsorge als Ganzes.

Risikoprämien

Nicht jeder Vorsorgefranken wird für die Altersvorsorge eingesetzt. Rund 13 Prozent der jährlichen Einzahlungen werden zur Finanzierung von Invaliditäts- oder Todesfallleistungen aufgebracht. Bei Arbeitsunfähigkeit oder im Todesfall besteht Anspruch auf Leistungen der beruflichen Vorsorge. Besonders für junge Personen ist dieser Risikoschutz wichtig. Zur Finanzierung dieser Leistungen bilden die Pensionskassen ausreichende Reserven oder beauftragen einen Rückversicherer. Beides wird durch Risikoprämien finanziert. Die Pensionskassen verlangen unterschiedlich hohe Risikoprämien. Festgelegt werden diese aufgrund der versicherten Leistungen, der Betriebsbranche und der Mitarbeiterstruktur. Hier spielt der Markt. Werden die Prämien regelmässig neu ausgehandelt, können die Risikoprämien oft gesenkt werden.

Verwaltungskosten

Von jedem Vorsorgefranken gehen knapp vier Rappen an die Verwaltung der Pensionskasse. Trotz ihres insgesamt geringfügigen Gewichts sorgen die Verwaltungskosten der Pensionskassen immer wieder für Kritik. Mit den Verwaltungskosten sollen hauptsächlich die Kosten für die Administration und den Vertrieb gedeckt werden. Bei vielen Kassen reichen die Verwaltungskostenprämien der Arbeitgeber und Versicherten aber nicht aus, um alle Aufwendungen zu decken. Der Fehlbetrag wird von den Anlageerträgen abgezogen.

Die Höhe der Verwaltungskosten ist stark vom individuellen Pensionskassenmodell und den Mitbestimmungsbedürfnissen der angeschlossenen Arbeitgeber und ihrer Versicherten geprägt. Mit einem Pensionskassenwechsel können KMU die Verwaltungskostenprämien reduzieren. Insgesamt hält sich das Optimierungspotenzial dieser vier Rappen pro Vorsorgefranken jedoch in Grenzen.

Sicherheitsfonds

Ein Bruchteil der jährlichen Einzahlungen wird von den Pensionskassen für Teuerungsanpassungen der Risikorenten und für den Sicherheitsfonds BVG verwendet. Er ist eine nationale Einrichtung der beruflichen Vorsorge und sichert den Basisteil der Vorsorgeguthaben im Fall der Insolvenz einer Kasse ab. Die entsprechenden Kosten sind gesetzlich festgelegt und fallen bei allen Kassen gleich aus. Teuerungs-anpassungen sind für Invaliditäts- und Hinterbliebenenrenten zwingend. Pensionäre haben keinen Anspruch auf Teuerungsausgleich. Ihre Renten werden der Inflation nur angepasst, wenn die finanzielle Lage der Pensionskasse es zulässt und der Stiftungsrat gewillt ist, freiwillige Teuerungszahlungen auszurichten.

Erstellt: 05.06.2019, 15:33 Uhr

Der Pensionskassenvergleich

Das Beratungsunternehmen Weibel Hess & Partner AG führte im Auftrag der SonntagsZeitung und der «Finanz und Wirtschaft» einen umfassenden Pensionskassenvergleich unter 28 frei zugänglichen Gemeinschafts- und Sammelstiftungen durch. Nebst der Analyse der Kapitalanlagen, Zinsgutschriften, Umwandlungssätze sowie Finanzkennzahlen der Pensionskassen wurde dieses Jahr auch ein Mystery Shopping durchgeführt, bei dem verdeckt ein Angebot für ein KMU und seine Angestellten angefordert wurde. Weitergehende Informationen finden sich unter www.pensionskassenvergleich.ch

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