Die Katze beeinflusst den Menschen

Kaum jemand weiss mehr über Katzen als Dennis C. Turner. Der Tierforscher über seine Arbeit und die Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Katzen kennen ungefähr zwanzig verschiedene Vokalisationen. Foto: Shutterstock

Katzen kennen ungefähr zwanzig verschiedene Vokalisationen. Foto: Shutterstock

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Wieso erforscht man das Verhalten von Haustieren?
Etwa die Hälfte der westlichen Welt hat Interesse an Hunden und Katzen. Und das macht die Forschung so interessant. Ich forsche nicht gern ins Leere. Meine Projekte werden oft von der öffentlichen Hand finanziert – und da ist es sinnvoll, wenn diese Gelder Forschungsprojekte ermöglichen, welche die Leute auch tatsächlich interessieren.

Wie gehen Sie bei Ihren Forschungen vor?
In meinem jüngsten Projekt ging es um die Haltung von Menschen gegenüber Hunden und Katzen – in 14 verschiedenen Ländern. Über 6000 Menschen beantworteten im Rahmen des Projekts unsere Fragen. Eine davon war: «Sind Ihrer Meinung nach Katzen liebevolle Tiere?» Das Ergebnis ist überaus interessant. Frauen und Männer haben die Fragen fast gleichermassen bejaht – ganz egal, ob sie in Südamerika, Indien oder Süd-korea wohnen oder ob sie christlichen, muslimischen oder buddhistischen Glaubens sind. Das Ergebnis hilft uns also dabei, mit Klischees aufzuräumen. Unsere Studie hat viele falsche Vorstellungen aus dem Weg geräumt.

Der Katzenforscher Dennis C. Turner im Gespräch. Foto: Archiv

Dabei geht es aber eher um Menschen- als um Katzenforschung.
Ja, genau. Natürlich kann man unabhängig vom Menschen Katzen erforschen, etwa ihr Vokalisationsverhalten untereinander, also die Lauterzeugung – aber fast immer muss man auch den menschlichen Einfluss auf die einzelnen Tiere berücksichtigen.

«Für eine gute Beziehung braucht es mehr als nur Futter.»

Sie sprechen das Vokalisationsverhalten an. Stimmt es, dass Katzen nur in der Gegenwart von Menschen miauen?
Katzen kennen ungefähr zwanzig verschiedene Vokalisationen. Sie setzen diese teilweise auch untereinander ein. Aber es stimmt, dass sie viel häufiger in der Gegenwart von Menschen vokalisieren. Weil die meisten Katzen merken, dass wir Menschen darauf antworten – und sie so eine bestimmte Reaktion hervorrufen können.

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Wer beeinflusst wen mehr? Der Mensch die Katze oder die Katze den Menschen?
Da muss ich kurz überlegen. Ich glaube, die Katze hat mehr Einfluss auf den Menschen als umgekehrt. Sie ist ein sehr unabhängiges Tier – und sie erfüllt die Wünsche des Menschen nur, wenn er auch ihre Wünsche erfüllt. Die Mensch-Katze-Beziehung ist wirklich partnerschaftlich. Natürlich wird eine Katze als Jungtier sozialisiert. Aber am Schluss ist sie es, die entscheidet, ob und wie lang sie gestreichelt wird.

Also ist die Beziehung nicht nur eine Frage des Futters und damit ein Abhängigkeitsverhältnis?
Nein. Natürlich ist das Futter ein Eisbrecher. Aber eine Studie hat gezeigt, dass es für eine gute Beziehung seitens der Katze mehr braucht als nur Futter. Nämlich auch direkten Augenkontakt oder Zärtlichkeit.



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Erstellt: 13.09.2019, 10:24 Uhr

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