Ibiza-Feeling am Vierwaldstättersee

Neue Ideen brachten dem Vitznauerhof den kaum noch erwarteten Erfolg.

Ferienstimmung pur: Der Vitznauerhof liegt direkt am Vierwaldstättersee. Foto: PD

Ferienstimmung pur: Der Vitznauerhof liegt direkt am Vierwaldstättersee. Foto: PD

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Ein idyllischer Privatstrand unter uralten Büschen und Bäumen. Tolle Wassersportangebote, überraschende Events, herzerfrischendes Ambiente, Ferienstimmung pur. Zwei wunderschöne Restaurants direkt am Wasser, das eine mit einer spektakulären Panorama-Gartenterrasse, das andere zusätzlich mit einem Inselchen im See und neuerdings mit einem «Michelin»-Stern.

Was im Vitznauerhof im vergangenen Sommer geboten wurde, begeisterte die Gäste. Und die kamen so zahlreich wie nie zuvor. Ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorsommer bedeutet Rekord in der fast 120-jährigen Geschichte des Hotels. Ein anderer Rekord sind die 55 Hochzeiten, die hier gefeiert wurden; alles deutet darauf hin, dass im kommenden Sommer noch öfter geheiratet wird. Dem Vierstern-Superior-Hotel ist es mit Erfolg gelungen, sich als romantische, naturnahe Variante des benachbarten Luxustempels Park Hotel Vitznau zu positionieren.

Wer den Sommer 2005 und die nachfolgenden wilden Zeiten in Erinnerung hatte, rieb sich angesichts dieser Entwicklung ungläubig die Augen. Nach der Hochwasserkatastrophe vor 14 Jahren hatte der Vitznauerhof nämlich ein erbärmliches Bild geboten. Hotel und Park waren weitgehend zerstört. Als einziger Bewohner im Chaos war der frühere Direktor Kurt Balmer übrig geblieben. Die Arabella-Sheraton-Kette, zu der das Haus damals gehörte, mochte nicht mehr investieren. Sie verkaufte es an die Pensionskasse Pro in Schwyz, die anfänglich auch nicht wusste, was sie mit einem Hotel anfangen sollte.

Der Vitznauerhof verkam zum Geisterhaus, der Jammer war gross. Schliesslich hatten in dem berühmten Jugendstilschlösschen Leute wie Richard Strauss, Hermann Hesse oder General Guisan verkehrt und den Luxus eines Firstclasshotels genossen.

Knapp vier Jahre nach der Hochwasserkatastrophe wimmelte es im Vitznauerhof zur allgemeinen Überraschung plötzlich von Leuten. Innert zwölf Monaten wurde das Hotel renoviert und restauriert. Im Mai 2010 wurde es wiedereröffnet – als Vitalresort mit fünf Sternen, einem schönen Spa, einer medizinischen Abteilung und dem Gourmetrestaurant Sens im ehemaligen Bootshaus. Das Konzept erwies sich als grundfalsch. Kaum jemand fuhr zum Wellnessen nach Vitznau. Das Hotel war meist so leer wie nach dem Hochwasser. Ein gutes Jahr nach der Wiedereröffnung gab der Direktor den Konkurs bekannt.

Als Ganzjahresbetrieb konnte das Hotel nicht überleben

Als Troubleshooter wurde der altgediente Dirk Jan Post geholt, der etliche Änderungen vornahm und das Projekt Vitalresort begrub. Die rettende Idee hatten dann aber Daniel Horat und der deutsche Freiherr Wolf-Eckart von Gemmingen. Horat, Besitzer mehrerer Restaurants und einer Weinhandlung in der Zentralschweiz, präsidiert die 2011 neu gegründete Betriebsgesellschaft Vitznauerhof AG. Der Freiherr hatte einst viele Millionen ins Waldhotel Davos investiert. Gemeinsam gelangten die beiden zur Überzeugung, dass ihre ganzjährig geöffneten Hotels nur als Saisonbetriebe überleben würden. Fortan führte das Hotelierpaar Bardhyl und Maria Coli im Winter das Waldhotel Davos und zog für die Sommersaison samt Team in den Vitznauerhof.

Das Konzept funktionierte. Als die Colis vor einem Jahr ins Kulm nach Arosa wechselten, wurde Raphael Herzog ihr Nachfolger. Und der erwies sich als Glücksfall. Nach dem Rekordsommer im Vitznauer-hof arbeitete Herzog im vergangenen Winter auch im Waldhotel höchst erfolgreich. Dort ist er übrigens nicht bloss Direktor, sondern auch Pächter. Der Freiherr hat das Interesse am traditionsreichen Haus am Zauberberg, das er einst vor dem Zerfall gerettet hatte, verloren. Der ruinöse Preiskampf im Ort soll ihm den Rest gegeben haben.

Herzog stammt aus der Luxushotellerie. Der Mittdreissiger arbeitete in Kapstadt und Los Angeles, war Vizedirektor im Arosa Kulm und Direktor im The Capra in Saas Fee. Nebenbei unterstützt er die Besitzerfamilie des Cas Gasi Boutique Hotel Ibiza, eine der schönsten Perlen auf der Mittelmeerinsel. Die Umstellung vom Luxussegment in den Vierstern-Bereich ist ihm leicht gefallen. «Jedes Konzept ist spannend und hat seinen Reiz», sagt er. «Der einzige Unterschied sind die Budgets.» Etwas Ibiza-Feeling will er in diesem Sommer auch an den Vierwaldstättersee holen. Ab Juni gibt es am Sonntag im Restaurant Sens direkt am und im Wasser «Asia Lunches» mit Live-DJ. Die lockeren Anlässe können einen ganzen Nachmittag füllen.

Überhaupt ist vieles neu im Vitznauerhof. So gibt es im Sens jetzt auch einen «Boots Drive», ein Take-away für Motorbootfahrer. Und aus dem Arosa Kulm wurde ein dreiköpfiges Spa-Team geholt. «Damit haben wir endlich ein Spa-Angebot, das zu unserem Haus passt und den Aufenthalt auch bei Regen unvergesslich macht», sagt Herzog. Überhaupt, das Wetter. So banal es tönt, es ist die ganz grosse Herausforderung für ein Hotel wie den Vitznauerhof. «Denn», so Herzog, «bei schlechtem Wetter kommt fast niemand, und wenn die Sonne scheint, sollten wir dreimal grösser sein.»

Erstellt: 20.05.2019, 13:27 Uhr

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