Kinder willkommen

Familienhotels setzen vermehrt auf Erholung mit Mehrwert: Spielerisch soll Wissen vermittelt werden.

Paradies für die kleinen Gäste: Das kürzlich eröffnete The Hide Hotel in Flims GR. Foto PD

Paradies für die kleinen Gäste: Das kürzlich eröffnete The Hide Hotel in Flims GR. Foto PD

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Was waren das für Zeiten, als der Sandkasten das Non-plus-Ultra, Dreh- und Angelpunkt unserer Windel- und Latzhosenjahre war. Doch das mit Sand gefüllte Geviert steht längst nicht mehr im Fokus bei Kindern und Erwachsenen. Gerade Familienhotels setzen auf Erholung mit Mehrwert, auf das spielerische Vermitteln von Wissen bei der Kinderbetreuung.

Und da das Wort Bildung von «Schöpfung» kommt, steht das Kreieren ganz oben auf der Agenda. Im Schweizerhof in Lenzerheide etwa sind die Kleinsten nicht nur Leseratten, über Ostern haben sie mit Nadel und Faden gleich ihre eigenen Bücher hergestellt. Das erste Kapitel und Auftakt zu einer ganz eigenen Lern-Geschichte.

Seit 2013 haben Kinder ab dem ersten Lebensjahr per Gesetz einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung – und diese möchten viele Eltern auch in den schönsten Wochen des Jahres gesichert wissen. Haben neurowissenschaftliche Studien doch bewiesen, dass sich die Nervenzellen im Gehirn, die «Datenbahnen», durch die richtigen Impulse entwickeln.

«Die Erfahrungen, die ein Kind im Spiel bewusst und auch unbewusst sammelt, wirken sich direkt auf den strukturellen Aufbau des Gehirns und damit auf die weitere geistige Entwicklung des Kindes aus», sagt Catherine Lieger, Dozentin und Expertin für frühkindliche Bildungsprozesse an der Pädagogischen Hochschule Zürich. «Das Spiel ist die wichtigste Form frühkindlicher Bildungsförderung. Es ist die Basis für jegliche Bildungsprozesse. Bei einem entwicklungsfördernden Spiel eignen sich die Kinder sprachliche und mathematische Kompetenzen und räumliches Vorstellungsvermögen an.»

Digitale Spiele können strategisches Denken fördern

Die kleinen Gäste des kürzlich eröffneten The Hide Hotel in Flims etwa können im Edutainment Center von Explorit interaktiv werden. Mit Beobachtungs- und Strategiespielen entdecken die Kinder Naturphänomene, lernen die Unterwasserwelt oder den menschlichen Körper kennen. Auch durch Rollenspiele wird Wissen spielerisch vermittelt.

Spezialisiert auf Kinder hat sich auch das Valbella Inn Resort in Lenzerheide. Es lädt ins «Kids Inn» ein, das von Lego unterstützt wird. Mit den Plastiksteinchen werden nicht nur schnöde Türme gestapelt, die Linie Lego Technics soll das Interesse an der Mechanik wecken. Und im Game-Raum werden mittels Playstation und Nintendo Rätsel gelöst.

Zwar haben Computerspiele für Kinder nicht unbedingt den besten Ruf als Spielkameraden. Doch nicht in allen Punkten ist die Kritik gerechtfertigt. Digitale Spiele können abstraktes und strategisches Denken fördern – die allgemeine Reaktionsgeschwindigkeit erhöht sich, und Informationen werden schneller verarbeitet.

Die Natur ist einer der besten Lehrmeister.

Laut der Zeitschrift «The Economist» boomt private Erziehung auf der ganzen Welt. Gleichzeitig fallen durch die Digitalisierung immer mehr unqualifizierte Jobs weg, und die Bedeutung einer guten Bildung steigt. Dass die Natur einer der besten Lehrmeister ist, haben auch die Hotels gemerkt.

So bietet die Ferienanlage Pradas in Brigels GR den Mini-Gästen neben iPad-Stationen einen Naturwissenspfad an, bei dem die Kleinen die Lebensräume der Pflanzen und Tiere entdecken können. Dieser wurde vom Spielehersteller Ravensburger für das Hotel entwickelt. Umgesetzt wurden die Inhalte in einer passenden Wald-Kulissenwand, in der sich Spielkästen mit Informationen aus der Sachbuchreihe «Wieso? Weshalb? Warum?» befinden. «Die Inhalte sind pädagogisch wertvoll aufgearbeitet», erklärt Sandra Schneckenburger, Leiterin der Agentur Ravensburger.

Das Gemüse selber ernten

Einige Hotels gehen noch weiter und laden zum Mitanpacken ein: Im Märchenhotel Braunwald zum Beispiel haben Kinder die Möglichkeit, auf dem Bauernhof einen Einblick in das Leben von Bäuerinnen und Bauern zu bekommen. Sie helfen, Tiere zu füttern, Ställe auszumisten und lernen nebenbei, Verantwortung zu übernehmen.

Das Grand Resort Bad Ragaz führt seine kleinen Gäste im Sommer in den eigenen Gemüsegarten. Hier bauen die Nachwuchsgärtner Gemüse und Früchte an, ernten und erfahren gleichzeitig etwas über Saisonalität. Zurück in der Kindervilla werden Rüebli, Äpfel und Salat gemeinsam zu einem Zvieri verarbeitet.

Wer lieber Käse isst: Das La Ginabelle in Zermatt VS zeigt in einer Schaukäserei, wie dieser hergestellt wird. Für effektives Lernen ist eine stimulierende Umgebung wichtig. Diese unterstützt den Spieltrieb und fördert so die Lernprozesse.

«Gelb fördert die Konzentration»

Für das Hotel Saratz in Pontresina hat SRF-1-Moderatorin und Kommunikationsexpertin Sandra Schiess einen Kinderparadies-Prototypen entwickelt. «Als Mutter findet man es befremdend, wenn der Raum für die Kinder vernachlässigt wird, aber der Rest des Hotels glänzt.»

Bei der Gestaltung des Raumes waren ihr bunte Möbel und viel Farbe wichtig. «Der Boden ist bewusst in Gelb gehalten, weil Gelb die Konzentration fördert und die Kreativität steigert. Es hilft auch, die Gedanken zu sortieren», erklärt Sandra Schiess.

Ins Grüne geht es dafür beim Swiss Holiday Park in Morschach SZ. Seit Sommer 2014 befindet sich auf dem Gelände des Ferienresorts der Erlebnishof Fronalp. Auf einem Infoweg erfahren die Kinder zum Beispiel, dass eine Kuh bis zu hundert Liter Wasser am Tag benötigt. Was dies wiederum für das Klima bedeutet, könnte ihnen die Jung-Aktivistin Greta Thunberg sicher erklären – kinderleicht.

Erstellt: 20.05.2019, 13:33 Uhr

Zum Verlieben: Albergo Losone

Das märchenhafte Hotel mit Karibik-Flair im grössten Palmengarten der Schweiz ist seit über zwei Jahrzehnten die Nummer eins unter den Schweizer Familienhotels. Kein anderes Haus hat eine so abenteuerliche Geschichte, und keines ist so einzigartig. Denn das Albergo mit dem wahnwitzigen Stilmix und den komplett verrückten Kuriositäten lässt sich nicht kopieren. Jahr für Jahr überrascht der kreative Querdenker Diego Glaus seine begeisterten Stammgäste – die Auslastung ist phänomenal – mit neuen tollen Ideen. Und bis die Konkurrenz es übernimmt, ist er schon wieder zwei Schritte weiter. Das Albergo ist mehr denn je das, was es immer war: ein Traumhotel zum Verlieben.

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