Liebe auf den ersten Blick

Die 23-jährige Lisa Stoll ist die bekannteste Alphornspielerin der Schweiz. Im März präsentiert sie im KKL Luzern einen volkstümlichen Abend.

«Mir gefällt, dass das Instrument wahnsinnig simple ist»: Alphornspielerin Lisa Stoll. Foto: PD

«Mir gefällt, dass das Instrument wahnsinnig simple ist»: Alphornspielerin Lisa Stoll. Foto: PD

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Es ist schon erstaunlich, was bei Lisa Stoll alles zusammenkommt. Die 23-jährige Frau ist blitzgescheit, humorvoll, offen, sehr fleissig, sympathisch und attraktiv. Und bei alledem auch noch geerdet und alles andere als überheblich. Die Frage, wie gut sie denn auf dem Alphorn sei, bringt sie jedenfalls nur zum Lachen. «Ach, das kann man doch nicht selber beantworten», findet sie. Also sagen wir es für sie: Sie ist eine Meisterin auf ihrem Instrument.

Lisa Stoll wuchs mit ihrer Schwester und ihren Eltern im Wilchingen SH auf. Der Vater spielte im lokalen Musikverein das Kornett, und mit acht Jahren begann Lisa ebenfalls, Kornett zu spielen. Das Herzensinstrument des Vaters wurde dann aber doch nicht ihres, denn mit zehn Jahren kam sie erstmals mit einem Alphorn in Kontakt – und das war musikalische Liebe auf den ersten Blick. «Ich begleitete meine Eltern an ein Geburtstagsfest, an dem eine Frau mit einem Alphorn auftrat», erzählt sie. Und erinnert sich: «Der Klang berührte mich total.»

«Die Möglichkeiten sind etwas begrenzt – aber man kann trotzdem fast alles spielen.»Lisa Stoll über ihr Instrument

Kurz darauf habe ihre Mutter dem Förster in der Gemeinde erzählt, die kleine Lisa wolle unbedingt ein Alphorn haben. Und wie es der Zufall wollte, hatte der Sohn des Försters einmal aus Plausch ein Alphorn gekauft und brauchte es nicht mehr. Kaum hatte sie das begehrte Instrument erhalten, besorgte sich Lisa Stoll ein paar Alphorn-CDs und versuchte, die Melodien nachzuspielen. Sie nahm dann auch Stunden bei einem Musiklehrer, ihre Meisterschaft am Alphorn entwickelte sie letztlich aber autodidaktisch.

Meisterklassen oder ähnliche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es auf diesem Instrument nicht. Dabei ist das Alphorn eher kompliziert zu spielen, denn es kann nur Naturtöne produzieren, deren Höhe davon abhängt, wie schnell die Lippen vibrieren, wenn man ins Horn bläst. Der tiefste Ton, der sich dem Alphorn entlocken lässt, ist der Grundton, der zweittiefste liegt bereits eine Oktave höher, das nächste Intervall ist eine Quinte, gefolgt von einer Quarte und so weiter. «Die Möglichkeiten sind etwas begrenzt – aber man kann trotzdem fast alles spielen», sagt Lisa Stoll.

Alex Eugsters Tonstudio ist eine Brutstätte volkstümlicher Musik

Genau das fasziniere sie so am Alphorn: dass man nicht jeden Ton spielen könne und dass die Naturtonreihe eben auch ein paar schräg anmutende Klänge habe, an die man sich erst gewöhnen müsse. Stoll: «Mir gefällt eben auch, dass das Instrument so wahnsinnig simpel ist: Ein Mundstück und ein Rohr, das ist alles.»

Als Lisa Stoll etwa zwölf Jahre alt war, wollte sie wissen, wo sie mit ihrem Alphornspiel stand, «und was eigentlich andere mit diesem Instrument machen». Deshalb nahm sie an einem Folklore-Nachwuchswettbewerb teil. Die Finalisten erhielten die Möglichkeit, in Alex Eugsters Tonstudio in Dübendorf eine CD aufzunehmen. Wer sich in der Volksmusik auskennt, weiss: Zum einen war Alex Eugster Teil des legendären «Trio Eugster», zum anderen ist sein Tonstudio eine Brutstätte volkstümlicher Musik. «Alex Eugster und ich verstanden uns sofort sehr gut», erzählt Lisa Stoll. «Und er wollte mehr mit mir machen.»

Der Produzent holte den Volksmusik-Star Carlo Brunner ins Boot, und die beiden erfahrenen Musiker schrieben für Lisa Stoll neue, exklusive Stücke. Diese waren wesentlich für den frühen Erfolg verantwortlich. «Ich spielte halt rassigere Stücke, als man es bis anhin gewohnt war», sagt Lisa Stoll. «Es ist eben entscheidend, welche Leute man um sich herum hat.»

Mit 23 Jahren kann die Alphornsolistin Lisa Stoll bereits auf eine zehnjährige Karriere zurückblicken. Foto: Patrick Stoll

Carlo Brunner empfahl der jungen Musikerin schliesslich, am Nachwuchswettbewerb des Musikantenstadls teilzunehmen. Lisa Stoll gewann, und damit war ihr Durchbruch zum Volksmusik-Star besiegelt. Es war dann auch Carlo Brunner, der die junge Musikerin mit Obrasso Concerts in Verbindung brachte. Vor zehn Jahren trat Lisa Stoll erstmals an einem volkstümlichen Anlass der Konzertagentur im KKL Luzern auf. Seither ist sie alle zwei, drei Jahre Teil einer Obrasso-Concerts-Veranstaltung.

Heute könnte Lisa Stoll, die bereits fünf CDs veröffentlicht hat, problemlos von der Musik leben. «Doch ich habe auch ein gewisses Sicherheitsbedürfnis, deshalb wollte ich noch ein anderes Standbein aufbauen», sagt sie. Nach dem Gymnasium in Schaffhausen und zwei Zwischenjahren begann sie eine Touristikausbildung in Samedan. Ziel: künftig im Eventbereich tätig zu sein.

Obligatorischer Teil der dreijährigen Ausbildung ist ein Praktikum. «Weil ich so gute Beziehungen zu Obrasso Concerts hatte, fragte ich dort nach, ob sie mir vielleicht einen Tipp hätten», erzählt Lisa Stoll. «Und dann sagte man mir: Hey, wir haben gerade eine Stelle frei – du kannst für ein Jahr lang zu uns kommen.» So wurde die Alphornistin Praktikantin bei der Konzertagentur. Unter anderem war sie für das Programmheft zuständig: «Jetzt weiss ich genau, was es braucht, damit ein Konzert funktioniert.»

Mehr als rund 60 Auftritte pro Jahr liegen nicht drin

Während der Ausbildung, die noch bis nächsten Sommer dauert, kann Lisa Stoll nur reduziert musikalisch aktiv sein; mehr als rund sechzig Auftritte pro Jahr liegen nicht drin. Sie bekommt aber etwa dreimal mehr Anfragen, die sie alle persönlich beurteilt; ein Management hat sie nicht. Nach welchen Kriterien entscheidet sie, wo sie spielt und wo nicht? «Eigentlich nur danach, ob ich Lust auf ein bestimmtes Engagement habe und ob es zu mir passt. Denn ich spiele lieber an einer Ländlerchilbi als an einer Generalversammlung, bei der die Leute gar keine Wahl haben, ob sie mich hören wollen oder nicht.»

Aber auch die Vielfalt liebt Lisa Stoll. Sie mag neben dem Volkstümlichen auch klassische Programme und will künftig mehr konzertante Stücke auf dem Alphorn spielen. Je nach Genre seien die Herausforderungen anders – auch, was das Publikum betrifft. «An einem klassischen Konzert herrscht meistens eine kritische Atmosphäre, es ist fast, als würde das Publikum nach Fehlern suchen. An einer Stubete hingegen wollen alle einen tollen Abend haben. Diese Atmosphäre überträgt sich auch auf die Musiker.»

Übung ist der Schlüssel zum Erfolg

Wer ein Blasinstrument auf hohem Niveau spielen will, muss täglich üben – weil sich sonst die Lippenmuskeln zurückbilden. «Das ist wie beim Sport», sagt Lisa Stoll, «da braucht es eben regelmässiges Training.» Zusammen mit ihrem Freund, der ebenfalls Musiker ist, wohnt sie in einer Wohnung in Bad Ragaz. Und da packt sie täglich das Alphorn aus? «Ich habe Glück, unsere Vermieter sind richtige Fans», meint sie und lacht. Wenn immer möglich übe sie aber an anderen Orten. «Im Sommer gehe ich oft nach draussen und suche mir ein abgelegenes Plätzchen. Oder ich gehe in eine Kirche.» Auf Anmeldung? «Nein, da gehe ich einfach frech rein und übe. Rausgeworfen wurde ich noch nie!»

Erstellt: 31.10.2019, 09:34 Uhr

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Dieser Beitrag stammt aus der Sonderbeilage Musik der SonntagsZeitung in Zusammenarbeit mit Obrasso Classic Events.

Lisa Stolls Musikanten-Treff

Jede Saison veranstaltet Obrasso Concerts mindestens drei volkstümliche Anlässe: eine «Gala der Volksmusik» im Herbst, die «Volkstümliche Weihnacht» im Advent und ein Konzert im Frühjahr. «Das Format für die Veranstaltungen im Frühjahr ist noch recht neu», sagt Lisa Stoll. Obrasso Concerts wollte dem Anlass ein Gesicht geben, in der letzten Saison war Carlo Brunner dieses Gesicht. In diesem Jahr übernimmt Lisa Stoll nun die Rolle der Gastgeberin. «Ich habe wirklich völlig freie Hand, wen ich einladen will», sagt sie begeistert. Der Anlass bietet die Möglichkeit, die Künstlerin einmal in ihrer ganzen Vielfalt zu erleben – denn sie führt nicht nur durchs Programm, sondern wird auch mit allen ihren sehr unterschiedlichen Gästen musizieren. Ihre Wahl fiel auf folgende Acts:

Philharmonic Brass Zürich – Generell 5: «Mit dieser vielseitigen Brass-Formation, die den Kleinen Prix Walo gewann, habe ich auch schon gespielt. Eines der Gründungsmitglieder stammt aus Wilchingen, wo ich aufgewachsen bin.»

Felix Gubser: «Das KKL Luzern verfügt über eine fantastische Orgel, die ich natürlich nutzen will; denn ich bin es mir von Kirchenkonzerten her gewohnt, mit einer Orgel zusammenzuspielen. Und Felix Gubser ist ein toller und sehr vielseitiger Organist.»

Geschwister Küng: «Ich mag diese Familienkapelle sehr und finde ihre Appenzeller Streichmusik wunderschön. Wir treten oft an denselben Anlässen auf – und ich habe mir schon lang gewünscht, mit ihr zusammen zu spielen.»

Carlo Brunners Superländlerkapelle: «Das ist sozusagen meine Hausband. Mit Carlo Brunner trete ich seit über zehn Jahren auf, und er hat viele Stücke für mich geschrieben.»

Sonntag, 22. März 2020, 17 Uhr, KKL Luzern, Konzertsaal

Zu Gast bei Lisa Stoll: Geschwister Küng. Foto: Nancy Horowitz

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