Wellness mit Zukunft

Die Zusammenführung von Entspannung und Medizin wird in der Hotellerie immer wichtiger.

Kräutertherapie: Gefragt sind Behandlungen mit hochwertigen und regionalen Produkten. Foto: Getty Images

Kräutertherapie: Gefragt sind Behandlungen mit hochwertigen und regionalen Produkten. Foto: Getty Images

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Früher bezeichnete sich jede Pension, die über eine bescheidene Sauna verfügte, gern als «Wellness-Oase». Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Gäste sind informierter, internationaler und auch anspruchsvoller geworden und lassen sich keine Chichi-Therapien mehr verkaufen. Gefragt sind handwerkliches Können der Therapeuten, spür- und sichtbare Ergebnisse sowie hochwertige Produkte und der Einbezug von regionalen, natürlichen Ingredienzien bei den Behandlungen. Neue Wellness-Trends werden sich darum in Zukunft durchsetzen.

Medical Wellness
Totalservice für Anspruchsvolle

In den letzten Jahren ist die Zusammenführung von Wellness und Medizin vor allem für die Luxushotellerie immer wichtiger geworden. Vorbildcharakter für den wohl wichtigsten Lifestyle-Trend hatten der Lanserhof mit inzwischen vier erfolgreichen Häusern in Deutschland und Österreich, der «Espace Henri Chenot» im Palace Merano in Meran und die SHA Wellness Clinic in Alicante. Diese Hotels mit ihren Medical-Wellness-Angeboten beweisen, dass eine gut betuchte Klientel bereit ist, in die Gesundheit, das Aussehen und die Leistungsfähigkeit zu investieren. Doch auch in der Schweiz ist Medical Wellness gefragt, was beispielsweise das breite Angebot auf diesem Gebiet des neu eröffneten Bürgenstock Resort zeigt. Aber auch traditionelle Luxushotels wie das Grand Resort Bad Ragaz, das La Réserve in Genf oder das Victoria-Jungfrau Grand Hotel & Spa in Interlaken setzen erfolgreich auf dieses Konzept.

Im sogenannten «Med Spa» werden die Gäste von verschiedensten Fachleuten – Präventionsmedizinern, Internisten, Körpertherapeuten, Beauty-Docs und Kosmetikerinnen – durchleuchtet, analysiert und behandelt. Und die meist gestressten Gäste schätzen es, dieses ganze Programm, das sich zu Hause über Wochen hinziehen würde, eng getaktet absolvieren zu können. Das setzt die Anbieter ziemlich unter Druck, denn der anspruchsvolle Kunde will Ergebnisse sehen. Ein individueller Terminkalender, der nach einem Eintrittsgespräch auf die Bedürfnisse und Wünsche jedes Einzelnen abgestimmt zusammengestellt wird, ermöglicht das. Viele Luxushotels verfügen auch über modernste medizinische Geräte, die verschiedene Eingriffe möglich machen. Ein anderer Service ist, Gästen, die aus dem Ausland für Eingriffe in nahen Kliniken angereist sind, eine Rehabilitation in standesgemässem Ambiente anzubieten.

Ganzheitlichkeit
Verbindung von Tradition und Moderne

Dass sich bewährte Behandlungen, Naturverbundenheit und neue medizinische Erkenntnisse nicht ausschliessen müssen, beweisen die Hotel-Spas, die auf ein ganzheitliches Konzept setzen. Ein gutes Bespiel dafür ist das Hotel Hof Weissbad im Appenzell. Hier kann der Gast zum Beispiel nach der traditionellen F. X. Mayr-Methode heilfasten, sich mit klassischer oder Komplementärmedizin behandeln lassen. Oder sich nach einer Operation oder Krankheit mit Hilfe von verschiedenen Physio- und anderen Therapien erholen.

Doch auch Gäste, die nur die wunderbare Landschaft und die Gerichte der mit 16 «Gault Millau»-Punkten ausgezeichneten Küchenchefin Käthi Fässler geniessen wollen, sind hier willkommen. Natürliche Ingredienzien aus der Region findet man nicht nur auf der Speisekarte der Hotel-Restaurants, sondern auch bei Körperbehandlungen im Spa-Bereich. Hier wird der Gast zum Beispiel mit Kräuter-packungen aus Arnika, Johannisbeerkraut, Lavendel oder Heu-blumen behandelt. Wer diskreten Luxus schätzt, wird auch den geschmackvollen Spa-Bereich des kleinen, eleganten Fünfstern-Hauses Villa Honegg in Ennetbürgen schätzen. Neben der Gastfreundschaft bleibt hier vor allem auch der Infinity-Pool, von dem aus sich die Aussicht über Berg und Tal geniessen lässt, in bester Erinnerung.

Dass ein Spa-Bereich schlicht und elegant daherkommen und dabei bestens in die Umgebung eingebettet sein kann, zeigt das Waldhaus in Flims. Der Wellness-Bereich des umfassend renovierten Hotels wurde von den Basler Architekten Miller & Maranta unter das Hotel gebaut. Hier erlebt man Entspanntheit in ihrer schönsten Form.

Wenn es darum geht, welche Spa-Angebote bei der Kundschaft gefragt sind, zeichnen sich klare Trends ab: Handwerk ist gefragt. Klassische (Sport-) Massagen, über die Jahrzehnte bewährte Ayurveda-Behandlungen oder Kräuterstempel-Massagen mit Pflanzen aus der Region haben fantasievoll klingenden Anwendungen mit wenig Effekt längst den Rang abgelaufen. Bei Gesichtsbehandlungen im Spa zeigen sich zwei gegensätzliche Tendenzen: Gewünscht sind einerseits Anti-Aging-Treatements mit Luxusprodukten und Hightech-Geräten, anderseits verlangt die anspruchsvolle Kundin zunehmend «grüne» Kosmetik ohne Zusatzstoffe oder umweltschädliche Ingredienzien.

Day Spa
Die schnelle Auszeit vom grauen Alltag

Immer mehr Frauen und Männer setzen auf eine kurze Auszeit vom grauen Alltag und wollen diese Pausen mit entspannenden und verschönernden Methoden verbinden. Neben zahlreichen Angeboten ausserhalb der Hotellerie in Städten bieten sich auch zahlreiche Hotels als sogenannten «Day Spa» an. Es gibt dabei meist verschiedenen Packages, die nicht nur Körper- und Gesichtsbehandlungen beinhalten, sondern auch den Zutritt zu allen Bereichen der Wellness-Anlage, wie den Pools, Saunas und anderen Wasserlandschaften.

Zusätzlich können auch leibliche Genüsse gebucht werden, um den Aufenthalt abzurunden. Auf diese Weise werden nicht nur die hoteleigenen Spas unter der Woche besser ausgelastet, gleichzeitig ist es auch beste Werbung, wenn der Gast das Hotel entspannt und voller Energie verlässt. Denn dann ist die Chance gross, dass er wieder kommen wird. Und vielleicht nicht nur für einen Nachmittag im Day Spa, sondern gleich für ein ganzes Wochenende.

Erstellt: 20.05.2019, 14:26 Uhr

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