Beim Paaren nahmen sie es nicht so genau

Der ausgestorbene Europäische Elefant war eng verwandt mit dem noch lebenden ­Afrikanischen Waldelefanten. Bedroht sind alle noch existierenden Arten.

Afrikanische Elefanten: Jedes Jahr werden 50 000 von ihnen getötet. Foto: Minden Pictures / Getty Images

Afrikanische Elefanten: Jedes Jahr werden 50 000 von ihnen getötet. Foto: Minden Pictures / Getty Images

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Als der Homo sapiens vor rund 40'000 Jahren nach Europa einwanderte, lief ihm dort noch ab und zu ein Elefant über den Weg. Denn in Europa waren damals neben den Mammuts auch Elefanten heimisch. Der Europäische Waldelefant lebte fast 900 000 Jahre auf dem Kontinent. Und er war eng verwandt mit den noch heute in Afrika lebenden Waldelefanten, wie eine internationale Forschergruppe jetzt herausgefunden hat.

Die Wissenschaftler haben das Erbgut der Elefantenfamilie entschlüsselt und dabei interessante Entdeckungen gemacht. So ist der Stammbaum der Elefanten komplizierter als bisher vermutet, und die Tiere nahmen es bei der Fortpflanzung mit den Artengrenzen nicht allzu streng. Es gibt mehr Verwandtschaften als bisher bekannt. Die Wissenschaftler teilen die heute überlebenden Elefanten in drei verbleibende Arten auf, zwei in Afrika und der Indische Elefant in Asien.

Es gab seit längerem Diskus­sionen darüber, ob in Afrika noch zwei Arten leben würden. Die Genanalyse zeigt nun klar, dass der Afrikanische Waldelefant und der Steppenelefant zwei verschiedene Arten sind – und nicht die gleiche Art, die zwei unterschiedliche ­Lebensräume besetzt.«Da wir erstmals beweisen konnten, dass es zwei verschiedene Arten sind, muss es für beide Arten Anstrengungen geben, damit sie nicht aussterben», sagt Eleftheria Pakopoulou, Paläogenetikerin an der Harvard Medical School und Erstautorin der Studie, die im Fachmagazin PNAS erschienen ist. An dem Projekt arbeiteten Forscher verschiedener Universitäten über zehn Jahre hinweg.

US-Safaritouristen dürfen Trophäen einführen

Alle heute noch lebenden Elefantenarten sind vom Aussterben bedroht. Ein Hauptgrund dafür ist die Wilderei. Ausserdem schrumpfen die Lebensräume des grössten noch lebenden Landsäugetiers. ­Experten schätzen, dass Wilderer rund 50'000 Afrikanische Elefanten jährlich wegen des Elfenbeins in ihren Zähnen töten, sogar in Schutzgebieten.

Erst letzte Woche lockerte die Trump-Regierung ein Verbot, das Präsident Obama erlassen hatte. Nun sollen amerikanische Safaritouristen wieder Jagdtrophäen von getöteten Elefanten einführen dürfen. Obama hatte die Popula­tionen mit dem Einfuhrverbot schützen wollen.

«Die Elefantenfamilie hat eine sehr vielfältige Geschichte, heute sehen wir nur noch einen Bruchteil davon», sagt Pakopoulou. Die ersten Elefanten gab es in Afrika vor rund fünf bis zehn Millionen Jahren. Am Anfang des 20. Jahrhunderts lebten noch fünf Millionen Afrikanische Elefanten, heute schätzen Forscher ihre Zahl auf rund 400'000.Verloren haben die Elefanten auch weitgehend die Möglichkeit, sich mit benachbarten Arten zu vermischen. Das geschieht zwar noch ganz vereinzelt dort, wo sich die Lebensräume von Wald- und Steppenelefanten berühren. Doch in der Vergangenheit fand ein derartiger Austausch viel häufiger statt. Auch das zeigt die neue Studie. Und eben diese Kreuzungen verschiedener Arten, sind die Experten überzeugt, halfen den Elefanten dabei, sich an wechselnde Lebensräume anzupassen und sich auszubreiten. Das finde nun seit längerem nicht mehr statt.

Erstaunt waren die Forscher beispielsweise, als sie das Genom des ausgestorbenen Europäischen Waldelefanten analysierten. Bisher glaubte man, dass dieser Elefant eng mit dem Indischen Elefanten verwandt gewesen sei, weil sich die Tiere in der Statur ähneln. Der Europäische Elefant war allerdings viel grösser als die heute noch lebenden Indischen. Die Bullen kamen in Europa auf eine Schulterhöhe von bis zu 4,20 Meter.

Zur Verwandtschaft des Europäischen Waldelefanten gehörte auch das Wollhaarmammut. Ob der europäische Dickhäuter auch ein wolliges Fell hatte, weiss man nicht, weil nur Knochen und Zähne gefunden wurden.

Die Dickhäuter lebten auch nördlich der Alpen

Zu Anfang lebte der Europäische Waldelefant vor allem im Mittelmeerraum, wo ihn die Vorfahren des Homo sapiens auch jagten. In den Warmzeiten zog es die Elefanten aber auch gegen Norden. Es gibt Funde, die von nördlich der Alpen stammen. Einige Jahrtausend nach Ankunft des Homo sapiens starb der Europäische Waldelefant aus.

Für ihre Studie sequenzierten die Wissenschaftler die Genome von zwei Afrikanischen Steppenelefanten, zwei Afrikanischen Waldelefanten, zwei Indischen Elefanten, zwei ausgestorbenen Europäischen Waldelefanten, von vier ausgestorbenen Mammuts, zwei aus Nordamerika und zwei aus Sibirien, und von zwei ausgestorbenen Mastodons. Die Mastodons waren Rüsseltiere, die mit den Elefanten verwandt waren.

Dass sich verwandte Arten miteinander mischen, komme nicht selten vor, schreiben die Forscher. Als Beispiel nennen sie Eisbären und Braunbären, die sich im hohen Norden Kanadas manchmal paaren, oder Bonobos und Schimpansen. Auch der in Nordamerika heimische Wolf hat Vorfahren sowohl bei den Kojoten wie bei den Grauwölfen.

Sogar das Kolumbianische und das Wollhaarmammut sollen gemeinsame Nachkommen gezeugt haben, obwohl ihre Lebensräume nicht gerade nahe beieinander lagen. In Europa starb das Mammut vor rund 10'000 Jahren aus.

In weiteren Studien müsse man nun die Populationsgeschichte der drei überlebenden Arten noch ­detaillierter aufarbeiten, ist Pakopoulou überzeugt. «Das wird uns dabei helfen, diese eindrucksvollen Tiere vor dem Aussterben zu bewahren.»

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 10.03.2018, 21:26 Uhr

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