Berner Verkehrsdirektor ruft SBB-Chef Meyer zur Vernunft auf

SBB sollen den Streit mit der BLS vergessen und unbenutzte Züge mieten.

«Die SBB müssen mit der BLS zusammenarbeiten», fordert Christoph Neuhaus unmissverständlich. Foto: Keystone

«Die SBB müssen mit der BLS zusammenarbeiten», fordert Christoph Neuhaus unmissverständlich. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vom Bombardier-«Pannenzug» der SBB stehen nur noch 15 von 62 bestellten Zügen im Einsatz. Mit dem Fahrplanwechsel und dem dichteren Angebot dürfte sich der Zugmangel bei den Schweizer Bundesbahnen noch verschärfen. Die BLS könnte und würde aushelfen. Denn in Bern stehen acht neue Zugkompositionen auf dem Abstellgleis. Doch SBB-Chef Andreas Meyer will partout keine Züge bei der BLS mieten.

Jetzt mischt sich der Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus ein und fordert Meyer auf, das Machtspiel zu beenden und die BLS-Züge zu übernehmen. Der Kanton Bern ist BLS-Mehrheitsaktionär. Neuhaus: «Die SBB müssten froh sein, dass sie die BLS-Züge übernehmen können. Darauf zu verzichten, wäre ein Unsinn.» Für Neuhaus ist klar: «Aus wirtschaftlichen und politischen Gründen können es sich zwei hoch subventionierte Unternehmen nicht leisten, am einen Ort teure Züge unbenutzt stehen zu lassen, während andernorts Züge fehlen.» Neuhaus fordert unmissverständlich: «Die SBB müssen mit der BLS zusammenarbeiten.»

In Bern glaubt man an eine Strafaktion

Die BLS selbst will die Weigerung der SBB, die BLS-Züge zu mieten, nicht kommentieren. Klar ist aber: In Bern sieht man das Verhalten der SBB als Strafaktion gegen die BLS. Seit sich die Berner Bahn vor zwei Jahren um Fernverkehrslinien beworben hat, befinden sich die beiden Unternehmen in einem unerbittlichen Streit. Die BLS erhielt am Ende zwar zwei kleine Linien. Zwei grosse Linien von Interlaken und Brig nach Basel wurden ihr auch wegen des Protests der SBB verwehrt. Selbst die Konzessionen für Linien von Bern nach Biel und Olten hatten die SBB angefochten. Seither ist die Sache blockiert. Und weil die BLS wegen der Zusage für die beiden kleinen Linien acht neue Doppelstockzüge des Typs Mutz beim Schweizer Hersteller Stadler Rail bestellt hat, sitzt sie jetzt auf Zügen, die nur kosten.

Neuhaus wünscht nun von den SBB, dass sie den Machtkampf gegen die BLS aufgeben: «Ich erwarte von den Bahndirektoren, dass sie jetzt über ihren Schatten springen. Die Streitigkeiten um die Konzessionsvergabe dürfen kein Hindernis sein.» Derzeit machen aber die SBB keine Anstalten, konkret auf die BLS zuzugehen. Zwar haben sich die Bahnspitzen erstmals wieder zu den seit fast zwei Jahren auf Eis liegenden Gesprächen zum Thema Fernverkehr getroffen, wie die BLS bestätigt. Ein Angebot zur Nutzung der BLS-Züge haben die SBB dort aber abgelehnt. Und gestern hat der «Tages-Anzeiger» gemeldet, dass die SBB nun doch zwei Zugkompositionen mieten werden, aber bei den Südostbahnen und nicht bei der BLS.



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 27.05.2019, 08:22 Uhr

Artikel zum Thema

SBB mieten Züge bei der Konkurrenz

Die Bundesbahnen versuchen, mit zwei zugemieteten Zügen die Lage zu entspannen. Das ist dringend nötig. Mehr...

Die BLS könnte den SBB beim Doppelstock-Debakel aushelfen

Die BLS erhält Ende Jahr acht neue Zugkompositionen geliefert, weiss aber noch nicht, wie sie eingesetzt werden sollen. Die SBB dagegen brauchen dringend neue Züge. Mehr...

Die SBB rüsten ihre Doppelstockzüge auf

Video Steckdosen direkt am Tischchen und Mobilfunk-durchlässige Fensterscheiben: So bauen die SBB ihre IC 2000 aus. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Monsunregen: Nach heftigen Regenfällen müssen die Menschen im Kurigram-Distrikt in Bangladesh auf Booten ausharren, lediglich die Hausdächer ragen aus dem Hochwasser. (17. Juli 2019)
(Bild: Zakir Hossain Chowdhury/Barcroft Media/Getty) Mehr...