Besucher meiden Badis aus Angst vor Kaiman

Der Medienhype hat negative Auswirkungen. Und die Kaiman-Sichtungen am Hallwilersee nehmen zu.

Das am Hallwilersee gesichtete Krokodil ist derzeit Gesprächsthema Nummer eins. (Foto: Reto Oeschger)

Das am Hallwilersee gesichtete Krokodil ist derzeit Gesprächsthema Nummer eins. (Foto: Reto Oeschger)

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Über kein anderes Tier hat die Schweiz diese Woche so viel gelernt wie über den Kaiman. Seit ein Fischer am vergangenen Sonntagabend im Hallwilersee gesehen haben will, wie das Reptil eine junge Ente erbeutete, ist der südamerikanische Exot Gesprächsthema Nummer eins. Überraschenderweise melden die Badeanstalten nach einer Woche Medienhype aber keinen neuen Besucherrekord – im Gegenteil.

Im Strandbad Beinwil am See, seeaufwärts vom Sichtungsort, kamen diese Woche im Schnitt nur 500 Personen pro Tag. Bei gutem Wetter seien es normalerweise doppelt so viele, sagt Leiter Silvan Suter. «Sie haben Respekt vor dem Tier.» Einige Gäste hätten nach der Meldung aufs Baden verzichtet, obwohl der Kaiman für Menschen grundsätzlich ungefährlich ist. Familien mit Kindern wollten wohl kein unnötiges Risiko eingehen. «Ich kann mir vorstellen, dass sie aufs andere Ufer ausweichen oder den See ganz meiden», sagt Suter. Aber auch auf der anderen See­seite bleiben die sommerlichen Badegäste den Badis fern.

«Ich habe den Gästen dann gesagt, dass der Kerl nur einmal alle drei Wochen frisst.»Kurt Freudemann, Pächter Strandbad Seerose

Im Strandbad Seerose versuchte Pächter Kurt Freudemann aus der Aufmerksamkeit Profit zu schlagen und kreierte eine neue Spezialität: Krokodilburger mit Pommes. Er bestellte zehn Kilogramm Krokodilfleisch, trieb einen Fleischwolf auf, der Koch kramte ein altes Geheimrezept hervor. Gebracht hat es wenig: Die Burger gingen zwar gut weg, der grosse Ansturm blieb aber aus. «Einige Gäste waren verunsichert», sagt Freudemann. «Ich habe ihnen dann gesagt, dass der Kerl nur einmal alle drei Wochen frisst.» Und eben: Er sei sowieso auf der anderen Seite des Sees.

Auch einige Gäste beim Campingplatz Seeblick hätten seit der Sichtung ein mulmiges Gefühl, sagt Wirtin Antigona Waser. Bisher sei aber niemand wegen des Reptils abgereist oder habe die Reservation storniert. Wirklich an die Geschichte glauben könne sowieso keiner der Camper. «Niemand ist so dumm, ein derartiges Tier im See auszusetzen», sagt Waser.

Koi-Karpfen und exotische Schildkröten im See gefunden

Hallwilersee-Ranger Bruno Fürst würde das aber nicht überraschen. Im See fänden die Ranger immer wieder Tiere, die dort nicht hingehörten, sagt Fürst. Vor ein paar Jahren entdeckte sein Team Koi-Karpfen. Jemand hatte die japanischen Luxusfische ausgesetzt. Und im vergangenen Juni mussten sie eine nordamerikanische Rotwangenschildkröte einfangen, die am Ufer bereits Eier gelegt hatte. «Viele Besitzer, die ihrer Haustiere überdrüssig werden, entlassen sie in die Freiheit und denken noch, sie tun dem Tier einen Gefallen.» Für Exoten sei die fremde Umgebung aber unglaublich stressig. Zudem würden sie Krankheiten einschleppen und einheimische Arten bedrohen. Wer sein Haustier vorsätzlich aussetzt, kann deshalb wegen Tierquälerei angezeigt werden.

Bisher hat die Polizei weder Kaiman noch Halter aufgespürt. Eine neue Spur hat sie aber: Wie «20 Minuten» am Samstagnachmittag schreibt, habe sich eine vierte Person gemeldet, die den Kaiman gesehen haben will. Die Polizei sagt, der Bericht sei «glaubwürdig».



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Erstellt: 21.07.2019, 09:54 Uhr

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