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Binden für alle!

Nach Protesten von Transmenschen entfernt Always in Grossbritannien das Venus-Symbol von seinen Hygieneprodukten.

Genderneutral verpackt: Das Frauenzeichen wird auf Hygieneartikeln von Always nicht mehr zu finden sein. Foto: Imago Stock & People
Genderneutral verpackt: Das Frauenzeichen wird auf Hygieneartikeln von Always nicht mehr zu finden sein. Foto: Imago Stock & People

Es geht Merkwürdiges vonstatten in Sachen Geschlechter. Man hat längst den Überblick verloren, was es da alles an Schattierungen gibt. Und es wäre auch wurst, soll doch jede und jeder machen, wie es ihr oder ihm beliebt. Wenn bloss die Debatte darüber nicht mit einer zunehmenden Aggressivität geführt würde. Ein weiteres Beispiel dafür ereignete sich diese Woche in Grossbritannien. Da gab Always, Hersteller von Hygiene­artikeln für Frauen, bekannt, dass ab Januar sämtliche Produkte genderneutral daherkämen.

Der Schritt war eine Reaktion auf Transaktivisten, die sich auf Twitter empört hatten, das Venussymbol auf den Bindenverpackungen sei transphob und damit diskriminierend, denn es gebe «nicht binäre und Transmenschen, die diese Produkte ebenfalls verwendeten». Übersetzt: Jene, die zwar periodenbedingt zu Binden greifen müssen, sich aber dennoch nicht als Frau fühlen, fühlten sich durch das Weiblichkeitssymbol auf der Packung angegriffen oder vielmehr ausgeschlossen. Always reagierte prompt und erklärte, das als offensiv empfundene Venus-Zeichen verschwinde bereits ab Dezember von den Hüllen.

Das will bei allem Verständnis nicht recht einleuchten: Was, mit Verlaub, ist falsch am Weiblichkeitssymbol, gedruckt auf ein Produkt, das ausschliesslich für die weibliche Hälfte der Bevölkerung produziert und ausschliesslich von dieser konsumiert wird? Anders gefragt: Wo sonst soll es denn prangen? Und weshalb sollen Binden und Slipeinlagen genderneutral sein? Kondome sind es ja auch nicht. Aber vielleicht ist das bereits der nächste Stein des Anstosses.

Gibt ein Vergewaltiger an, eine Frau zu sein, wird dies so registriert

Denn die Diskussion hat die sachliche Ebene längst verlassen. Akzeptanz reicht nicht mehr, es geht darum, wer am lautesten und am schnellsten «Diskriminierung!» schreit. Und die Liste der Wörter, die aus Sicht der Transaktivisten in irgendeiner Weise diskriminierend sind, ist lang. «Stillen» gehört dazu. Oder der Begriff «schwangere Frau». Genauso wie «richtige Frau». Das erfuhr die feministische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie genauso wie die lesbische Ex-Tennisspielerin Martina Navratilova, die sich beide erlaubt hatten, Transfrauen – also gebürtige Männer – im Unterschied zu gebürtigen Frauen als «nicht richtige» Frauen zu bezeichnen. Die beiden wurden dafür in den sozialen Medien gesteinigt; dass ihre Aussagen sehr differenziert gewesen waren, kümmerte inmitten des Gekreischs niemanden mehr.

Und so passt es, dass die britische Polizei letzte Woche – aus lauter Angst vor «misgendering», also jemanden mit der falschen Identität zu betiteln – bekannt gab, das Geschlecht von Personen fortan gemäss deren Aussage zu erfassen. Wenn also ein wegen Vergewaltigung verhafteter Mann angibt, eine Frau zu sein, nehmen das die Behörden exakt so auf. Mit der grotesken Folge, dass weibliche Opfer dann eben von einer Täterin zum Sex gezwungen worden sind.

Die Mehrheit der Transmenschen, schrieb der «Telegraph»-Journalist David Thomas, der dabei ist, vom Mann zur Frau zu werden, fühle sich von den paar wenigen, die solche Forderungen stellten, nicht vertreten, sondern halte sie für verantwortungslos und kontraproduktiv.

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