Credit Suisse wehrt sich gegen Klage aus Moçambique

Die Bank weist den Vorwurf zurück, sie habe das Land in die Schuldenfalle getrieben.

Auch das noch! Vor zehn Tagen hat eine US-Richterin Klagen von vier Pensionskassen aus den USA gegen die CS, ihren Chef Tidjane Thiam und andere Manager zugelassen. Foto: Keystone

Auch das noch! Vor zehn Tagen hat eine US-Richterin Klagen von vier Pensionskassen aus den USA gegen die CS, ihren Chef Tidjane Thiam und andere Manager zugelassen. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nun holt die Moçambique-Affäre die Credit Suisse doch noch ein. Am Mittwoch hat der Generalstaatsanwalt des bettelarmen südostafrikanischen Landes am Londoner High Court of Justice Klage gegen die Credit Suisse, ehemalige Mitarbeiter und weitere Verantwortliche eingereicht.

Gemäss eigenen Angaben wollen die Moçambiquer insbesondere, dass sie nicht mehr für eine Anleihe in der Höhe von 622 Millionen Dollar geradestehen müssen, welche die Credit Suisse vor ein paar Jahren für sie herausgegeben hat. Zudem verlangen sie, dass sich die Bank an der Rückzahlung eines weiteren Kredits von 535 Millionen Dollar beteiligt. Betroffen von der Klage ist auch ein Eurobond im Wert von 727 Millionen Dollar.

Insgesamt geht es also um Kredite an Moçambique in der Höhe von rund 2 Milliarden Dollar aus den Jahren 2013 und 2014. Diese wurden teilweise an den internationalen Geldgebern vorbeigeschmuggelt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) verweigerte Moçambique in der Folge jegliche Geldzahlungen. Die Rückzahlung der Kredite ist teilweise ausgesetzt.

Nelson Mandelas Witwe fordert die Bank zum Verzicht auf

Die Credit Suisse, die bislang zur Klage geschwiegen hat, äussert sich nun gegenüber der SonntagsZeitung erstmals. Sie weist jegliche Schuld von sich: «Die Credit Suisse ist über die Äusserungen des Generalstaatsanwalts von Moçambique informiert und hält fest, dass sie nicht in die erwähnte Moçambique-Asset-Management-Transaktion involviert war», sagt Sprecher Andreas Kern. Im Übrigen habe die Bank bisher keine Klageschrift erhalten. Wenn ihr eine solche zugestellt wird, werde die Credit Suisse vor Gericht darauf antworten, so Kern weiter.

Der Fall Moçambique ist für die Credit Suisse imageschädigend, weil die verarmte Bevölkerung des Landes unter den Einschränkungen des IWF leidet. Zahlreiche Persönlichkeiten forderten die Bank in einem offenen Brief dazu auf, das Geld abzuschreiben. Unter den Unterzeichnern war Graça Machel, die Witwe des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela sowie auch des ersten Präsidenten von Moçambique, Samora Machel.

Offiziell waren die 2 Milliarden dazu gedacht, in Moçambique eine Thunfischfangflotte aufzubauen, die Infrastruktur für die Erschliessung und Nutzung von Gasfeldern zu verbessern und die Küstenwache zu verstärken. Allerdings gingen mindestens 200 Millionen Dollar in Form von versteckten Zahlungen (sogenannten Kickbacks) an korrupte Beamte. Zudem wurden Waffen gekauft.

Die CS will vom Fall nicht betroffen sein

Inzwischen hat sich die US-Justiz in den Fall eingeschaltet. Drei ehemalige Credit-Suisse-Mitarbeiter, beteiligte Anleger und der ehemalige Finanzminister von Moçambique wurden angeklagt, nicht aber die Bank selber. Anfang Jahr kam es zu spektakulären Verhaftungen. Bis heute stellt sich die Credit Suisse aber auf den Standpunkt, sie sei vom Fall nicht betroffen. Die angeklagten Ex-Mitarbeiter hätten die internen Kontrollen umgangen, und man arbeite mit den Behörden zusammen.

Dass nun Moçambique gegen die Credit Suisse klagt, kommt für die Bank ungelegen. Denn vor zehn Tagen hat eine US-Richterin Klagen von vier Pensionskassen aus den USA gegen die Bank, ihren Chef Tidjane Thiam und andere Manager zugelassen. Die Credit Suisse nahm 2016 zwei Abschreibungen vor, die zu einem Verlust führten. Die Aktien der Bank gaben nach dem Bekanntwerden um 11 Prozent nach. Allerdings ging die Nachricht etwas unter, weil die UBS gleichzeitig von Frankreich zu einer Zahlung von 5,1 Milliarden Franken verurteilt wurde. Dazu sagt die CS:«Der Richter hat die überwiegende Mehrheit der gegen uns erhobenen Anschuldigungen zurückgewiesen. Wir sind weiterhin überzeugt, dass wir eine starke rechtliche und sachliche Verteidigung gegen die verbleibenden Anschuldigungen haben.» Trotzdem: Der Aktienkurs beider Schweizer Grossbanken ist, auch wegen der teuren Rechtsfälle, seit längerem im Keller.

Erstellt: 03.03.2019, 16:42 Uhr

Artikel zum Thema

Credit Suisse schreibt nach drei Jahren wieder Gewinn

Die Zeit der grossen Verluste ist vorbei: Die Grossbank hat einen Reingewinn von 2,06 Milliarden Franken gemacht. Mehr...

Das hätte der Credit Suisse kaum jemand zugetraut

Kommentar CS-Chef Tidjane Thiam hat mit der Ära von Vorgänger Brady Dougan aufgeräumt. Besonders an einem Ort legte die Grossbank zu. Doch nicht alle Ziele wurden erreicht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Die Kunst des Überlebens: In der Royal Academy of Arts in London schwimmen 50 Ohrenquallen als Teil einer Kunstinstallation in ihrem Aquarium. Die Meerestiere sind einige der wenigen, die vom Klimawandel profitieren. (20. November 2019)
(Bild: Hollie Adams/Getty Images) Mehr...