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«Da steht: ‹Schlagt dieser Schlampe den Kopf ab»

«Klar habe ich Angst. Nicht nur um mich»: Seyran Ates, 54. Foto: Norman Konrad

Frau Ates, wenn man Sie anruft, klingelt es ins Leere. Dann bekommt man eine SMS mit der Frage, wer angerufen habe. Eine Sicherheitsmassnahme?

Sie werden beschimpft und massiv bedroht. Haben Sie Angst?

Wann hat die Hetze gegen Sie angefangen?

Kam es schon zu Tätlichkeiten?

Was steht in diesen Facebook-Einträgen?

Wie viele Leute kommen in Ihrer Moschee zum Freitagsgebet?

Sind das nicht enttäuschend wenige?

«Die Grossmächte müssten die Türkei aus den G-20 ausschliessen»

Die Anfeindungen gegen Sie werden mit einem politischen Dreh angeheizt: Medien in der Türkei und die Religionsbehörde in Ankara bezeichnen Ihre ­Moschee als Gülen-Einrichtung.

Glauben die Leute diese ­Propaganda?

In der Türkei sind zehn ­Menschenrechtsaktivisten verhaftet worden, darunter ein Deutscher und die Länderchefin von Amnesty International. Auch ihnen werden ­Verbindungen zu Terrororganisationen vorgeworfen.

«Die Schweiz müsste sich öffentlich distanzieren. Alle Länder müssten das tun»

Die Schweiz setzt gegenüber Erdogan auf stille Diplomatie hinter verschlossenen Türen. Ist das eine kluge Politik?

Sie bekamen auch eine Fatwa aus Kairo. Was steht da drin?

Wie gefährlich ist diese Fatwa für Sie?

Das steht so in dieser Fatwa?

Ein Aufruf zum Mord?

Ihre Kritiker werfen Ihnen vor, Praktiken anzuwenden, die mit den «grundlegenden Quellen» des Islam nicht vereinbar seien. Zum Beispiel das Beten in gemischten Gruppen.

«Seit 1400 Jahren beten Frauen und Männer in Mekka zusammen»

Wie wird das Verbot des gemeinsamen Betens begründet?

Was entgegnen Sie?

Jeder Händedruck?

In Therwil BL weigerten sich zwei muslimische Schüler, ihrer Lehrerin die Hand zu geben. Der Schulleiter tolerierte das.

Ist das nicht übertrieben? Was ist so schlimm daran, wenn zwei Schüler aus religiösen Gründen die Hand nicht geben wollen?

«Es gibt 2800 Moscheen in Deutschland, und die allerwenigsten davon sind integrativ»

Sie würden auch den Burkini verbieten?

Es gibt die Religionsfreiheit, man kann nicht einfach alles verbieten.

Wollen Sie mit Ihrer Moschee Aufklärung betreiben gegen Extremismus?

Tun Muslime wie Sie genug, um sich von Extremismus, Gewalt und Terror zu distanzieren?

«Aber es wäre schön, wenn sich in der Schweiz noch mehr Organisationen anschliessen würden»

Gibt es auch Unterstützung aus der Schweiz?

Was könnte dieses Gremium bewirken?

Verblüffend ist, dass es Fanatikern gelingt, jungen Männern glaubhaft zu vermitteln, dass auf einen Selbstmordattentäter im Paradies 72 Jungfrauen warten. Wie ist das möglich?

In Ihrer Moschee sind Frauen mit Kopftuch willkommen, aber Burka und Niqab sind verboten. Warum?

«Niemand hat mir gesagt, dass ich ein Kopftuch tragen, fasten und beten müsse»

Was sagen Sie zum Argument, dass man die Burka nicht verbieten dürfe, weil die Frauen sonst nicht mehr aus dem Haus gelassen werden?

Sie sind in Istanbul geboren und kamen im Alter von 6 Jahren als Kind von Gastarbeitern nach Berlin. Wie streng war Ihre Erziehung?

Das heisst?

Warum sind Sie mit 17 von zu Hause abgehauen?