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Das aktuelle Gesundheitssystem krankt

Mit Betagten Millionengewine machen – das hinterlässt falsche Gewinner und zu viele Verlierer.

1991 versprach der damalige CVP-Bundesrat Flavio Cotti, die Menschen müssten dank dem neuen Bundesgesetz über die Kranken­versicherung künftig keine Angst mehr haben, im Alter nicht versorgt zu sein. Dieses Versprechen der Regierung – abgegeben vor einem Vierteljahrhundert – ist bis heute nicht eingelöst worden. Die Schweiz hat bei der Finanzierung der Pflege und der Betreuung alter Menschen ernsthafte Probleme. Und die Menschen haben mehr denn je Angst.

Vor Rechnungen, die sie nicht bezahlen können. Jedes auch noch so bescheidene Altersheim kostet heute so viel, dass sich Senioren und Seniorinnen fragen müssen, ob das finanziell drinliegt. Viele Menschen beschämt die Vorstellung, dass sie aufs Alter hin möglicherweise Fürsorgegelder in Anspruch nehmen müssen. Ganz besonders gilt das für Menschen, die an Demenz erkranken. Sie haben ein Leben lang Krankenkassenprämien bezahlt, doch ihre Betreuung bezahlen die Versicherer nicht. Diese Fehlkonstruktion des Systems führt dazu, dass Angehörige ihre Liebsten bis zum Burn-out zu Hause betreuen. Die psychische Erschöpfung, die Depression, die Kur in einer Burn-out-Klinik, die bei manchen Angehörigen daraus resultiert, bezahlen die Krankenkassen dann aber schon. Was für eine Ironie.

«Die alten Menschen wurden mit hohlen Versprechungen abgespeist.»

Angst macht den Menschen auch die Vorstellung, in einem Altersheim von gestressten Pflegenden abgefertigt oder als Demenzkranke mit Medikamenten ruhiggestellt zu werden. Die Furcht ist begründet: Viele Institutionen klagen über ungedeckte Pflegekosten. Der Rotstift setzt dann unweigerlich beim Personal an, denn dieses macht 75 Prozent der Kosten aus.

Und mitten in dieser Misere gibt es private Unternehmen, die mit Altersheimen Millionen­gewinne machen. Unter den Topverdienern sind viele, die sich auf psychisch kranke oder demente Bewohner spezialisieren. Einige machen ihr Geld auch mit Betagten, deren Aufenthalt über Ergänzungsleistungen des Staates – also mit Steuergeldern – finanziert wird.

Das alles zeigt: Das System krankt. Es hinterlässt falsche Gewinner und zu viele Verlierer. Die Probleme spitzen sich zu. Die Bevölkerung altert, immer mehr Menschen leiden an Demenz, doch die Politik in Bern hat sich bisher nur sehr träge damit befasst. Es ist eine komplexe Aufgabe, Lösungen zu finden, die alle Bedürfnisse abdecken und bezahlbar sind. Sich endlich ernsthaft ans Werk zu machen, schulden die Politikerinnen und Politiker den alten Menschen – und sie handeln auch in ihrem eigenen Interesse: Sie könnten einmal in derselben Lage sein.

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