Jeff Bezos' Gesülze über die Ex ist zu viel

Mutig wäre ge­wesen, der Amazon-Chef hätte gestanden, dass er Respekt vor dem neuen Lebensabschnitt habe.

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Die Scheidung des Jahres ist durch. Amazon-Gründer Jeff Bezos hat sich mit seiner Ex-Frau MacKenzie Bezos über die finanziellen Bedingungen der Trennung geeinigt. Wie wir dank dem synchronen Getwittere der beiden nun wissen, enden die 25 Ehe­jahre finanziell ziemlich gut für die Gattin. Sie gehört künftig zu den reichsten Frauen der Welt, behält 4 Prozent der Amazon-Aktien. Dass der Inhalt des Arrangements öffentlich gemacht werden muss, ist klar – er ist börsen­relevant. Der Fall Bezos zeigt exemplarisch, welchen Risikofaktor ­Ehefrauen im Leben von Unternehmern darstellen.

Was mich irritiert, ist Bezos’ Gesülze über die Ex. «Ich freue mich sehr auf unsere neue Beziehung als Freunde und Co-Eltern», schreibt der Wirtschaftsboss in seiner Twitter-Nachricht. Er ordnet seiner Verflossenen dabei Adjektive wie «einfallsreich», «ausser­gewöhnlich» und «brillant» zu.

Trennungsgrund war offenbar eine andere Frau

Als unbedarfte Beobachterin fragt man sich: Warum lässt der gute Mann diesen Sechser im Lotto dann davonziehen? Alle Eltern, die sich haben scheiden lassen, wissen zudem: Auf die Zeit als Co-Eltern freut man sich nun wirklich nicht. Die Umstellung bringt meist Schmerzen, Reibe­reien und Ressourcenverlust mit sich. Was also soll die PR in eigener Sache? Mutig wäre ge­wesen, der Verleger der «Washington Post» hätte gestanden, dass er Respekt oder gar etwas Angst vor dem neuen Lebensabschnitt habe.

Denn ihm steht wohl noch einiges bevor: Der Trennungsgrund war offenbar eine andere Frau. Bezos’ Freundin hat einen Tag nach den Einigungs-News der Bezos selbst die Scheidung eingereicht – punktgenau wie eine Amazon-Lieferung.

Haben Sie ein Problem im Büro, schreiben Sie an karin.kofler@sonntagszeitung.ch

Erstellt: 06.04.2019, 21:28 Uhr

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