Im Hotel mitgehen lassen – die Hitliste

Hier reden Hotelmanager über gestohlene Gegenstände. Interessant: Männer und Frauen packen nicht dieselben Produkte ein.

Körperpflegeprodukte wie Shampoo, Bodylotion und Seife führen die Liste der eingesteckten Gegenstände an. Bild: Keystone

Körperpflegeprodukte wie Shampoo, Bodylotion und Seife führen die Liste der eingesteckten Gegenstände an. Bild: Keystone

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Hotelgäste haben keine Skrupel und nehmen mit, was nicht niet- und nagelfest ist. Das zeigt eine Studie des Reiseportals Ebookers. Es hat rund 1000 Personen zwischen 14 und 65 Jahren aus der Schweiz befragt. Die Resultate machen nicht nur Unterschiede zwischen Männern und Frauen deutlich, sondern auch zwischen Romands und Deutschschweizern.

Körperpflegeprodukte wie Shampoo, Bodylotion und Seife führen die Liste der eingesteckten Gegenstände an. Wobei Frauen besonders scharf darauf sind: Jede dritte Befragte hat bei ihrem letzten Aufenthalt in einem Hotel solche Mittel mitgehen lassen. Ganz besonders beliebt sind die Wellnessprodukte bei den Nordwest- (33 Prozent) und den Westschweizern (31 Prozent).

Glühbirnen, Fernseher und Bügeleisen

Laut Anke Lock, Direktorin des Adelbodner Viersternhotels The Cambrian, räumen die Gäste die Badzimmerschränke jedoch seltener leer, seit die Fluggesellschaften die Mengen der im Handgepäck mitgeführten Flüssigkeiten beschränkt haben. «Frustrierend ist aber, dass die Kosmetikartikel in den öffentlichen Gästetoiletten häufig wegkommen.» Das beobachtet auch Iris Flückiger, die General-Managerin des Hotels Schweizerhofs Bern. «Dort kommt alles weg. Auch unsere Dekoration wird aus diesen WCs entwendet, sogar 50 Zentimeter hohe Vasen.»

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Doch nicht nur auf der Toilette sind die Ausstattungsgegenstände des Luxushauses begehrt. So montierten Gäste aus den Leuchtern im Korridor immer wieder grosse Glasperlen ab, und in den Zimmern fehlten wiederholt Orchideen. Bei der Studie von Ebookers gaben vier Prozent der Teilnehmenden an, Zimmerdekoration mitgenommen zu haben. Genauso viele stahlen die Bibel.

Etwas häufiger entwendeten die Befragten die Haartrockner (fünf Prozent). Bei den Langfingern beliebt sind auch andere Elektronikgeräte – etwa das Bügeleisen, das sich ein Gast des Hotels Schweizerhofs Bern auf sein Zimmer bringen liess und nach getaner Arbeit einpackte. Eine kleine Umfrage dieser Zeitung bei verschiedenen Schweizer Hotels zeigt, dass ab und an auch Neonröhren und Glühbirnen aus den Lampen abgeschraubt werden. Die Reisenden machen auch vor grösseren Gegenständen nicht halt. Seit 35 Jahren arbeitet Anke Lock von The Cambrian in der Hotellerie und weiss von einem Gast, der sich einen grossen Karton aufs Zimmer bringen liess. Darin verpackte er den Fernseher, bevor er unverfroren bei der Réception Hilfe beim Heruntertragen «seines» Gepäcks anforderte.

Die Zimmerschlüssel sind Männersache

Laut der Studie folgen Kugelschreiber auf Shampoo und Seife. Beliebt sind die Stifte besonders bei den Westschweizern. Jeder Vierte der befragten Romands gab an, beim letzten Hotelaufenthalt einen Schreiber stibitzt zu haben. Auffallend ist auch, dass jenseits des Röstigrabens die mit einem Logo versehenen Hotelfinken höher im Kurs stehen als in der Deutschschweiz. Weil die Badeschlappen sehr oft im Koffer das Haus verlassen, gibt es sie zum Beispiel im Hotel Adler in Adelboden nicht mehr auf dem Zimmer. «Unsere Gäste erhalten diese auf Verlangen an der Réception», sagt Gastgeber Lothar Loretan.

Auch elektronische Hotelschlüssel nehmen die Gäste oft mit (sechs Prozent) – ob als Souvenir oder aus Vergesslichkeit ist unklar. Doch während die Frauen mehr an Wellnessprodukten interessiert sind als die Männer, stellen Letztere bei den Schlüsseln die Mehrheit. Geschlechtliche Unterschiede sind in der Studie auch bei Haartrockern und Kleiderbügeln herauszulesen – beides eher in Männerhand. Dazu passt auch die Beobachtung von Iris Flückiger vom Schweizerhof Bern: «Besonders beliebt sind die Kleiderbügel für Krawatten.»

Und auch wenn die Gäste eine Kreditkarte hinterlegen müssen, sei es nicht einfach, sie fürs Mitgenommene zahlen zu lassen. «Einerseits steht in diesen Fällen Aussage gegen Aussage. Andererseits wollen wir als Fünfsternhotel auch nicht kleinlich erscheinen.» Trotzdem hat die Chefin Massnahmen ergriffen: So gibt es in den meisten Zimmern für die Kaffeemaschinen nicht mehr die in den Privathaushalten benutzten Kapseln, sondern Pads. Diese Utensilien erscheinen in der Umfrage des Reiseportals auf Rang 6. Zudem stehen im Wellnessbereich des Schweizerhofs die Frotteetücher (Rang 9) nicht mehr à discretion zur Verfügung. «Jeder Badegast erhält ein Set und auf Anfrage weitere Tücher – das hat aber auch mit Nachhaltigkeit zu tun.»

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 29.12.2018, 21:40 Uhr

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