Das ist der Preis der Willkommenskultur

Wir müssen uns überlegen, ob und wie wir Menschen integrieren können.

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Es war ein dramatischer Hitzesommer, als 2015 eine Flüchtlingswelle Europa überrollte und in Deutschland fast eine Million Asylsuchende strandeten. Rund 850'000 Menschen setzten von der türkischen Küste auf die griechischen Inseln über und versuchten durch die Staaten des Balkans nach West- und Nordeuropa zu gelangen. Die Ungarn bauten ihre ersten Zäune, und es kam zu einem langen Treck nach Deutschland. Dort rief Kanzlerin Angela Merkel die Willkommenskultur aus. An der Integration der Flüchtlinge hat unser nördlicher Nachbar noch immer zu kauen. Nicht nur in Ostdeutschland führte der Flüchtlingsstrom zum Erstarken der fremdenfeindlichen Alternative für Deutschland (AfD).

Die Schweiz war nicht das primäre Zielland für Menschen, die über die Balkanroute nach Europa gelangten. Sie blieb jedoch ein wichtiges Ziel für Migrantinnen und Migranten der zentralen Mittelmeerroute, also von jenen Asylsuchenden, die von Libyen über das Mittelmeer nach Europa kamen. 39'523 Personen stellten 2015 ein Asyl­gesuch in der Schweiz, 15 758 mehr als im Vorjahr. Wichtigstes Herkunftsland der Asylsuchenden in der Schweiz war damals wie heute Eritrea. 2015 schwappte die Willkommenskultur auch in die Schweiz über, es meldeten sich viele Freiwillige, die Flüchtlinge bei sich zu Hause aufnehmen wollten. Gleichzeitig bescherte die Flüchtlingswelle der SVP einen eindrücklichen Wahlsieg.

«Lehrstellen müssen mit Jugendlichen besetzt werden können, auch wenn sie keinen anerkannten Flüchtlingsstatus haben.»

Heute sind die Freiwilligen selten geworden, und es hat sich gezeigt, dass sich Eritreer ausserordentlich schwer in unsere Gesellschaft integrieren lassen. Die meisten landen in der ­Sozialhilfe, und die Asylausgaben steigen dramatisch. Vor allem die Tatsache, dass die Asyl­suchenden nicht gleichmässig im Land verteilt sind, führt dazu, dass gewisse Gemeinden ­besonders betroffen sind, während andere nichts merken.

Dass nun die Betroffenen nach Bundesgeldern schreien, ist verständlich. Welcher Gemeinde­präsident will schon die Steuern erhöhen, welche Gemeindepräsidentin auf den Bau des Schul­hauses verzichten? Doch damit ist es nicht getan. Wir müssen uns ernsthaft überlegen, ob und wie wir die Menschen integrieren können. Arbeits­verbote für Migranten mit ungesichertem Aufenthaltsstatus müssen fallen, Lehrstellen müssen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen besetzt werden können, auch wenn sie keinen anerkannten Flüchtlingsstatus haben, eventuell sogar abgewiesen sind, aber in absehbarer Zeit nicht rückgeschafft werden können. Wir werden uns aber auch damit auseinandersetzen müssen, ob es nicht Wege gibt, einen Teil der Flüchtlinge in ihr Heimatland zurückzubringen. Auch wenn das bedeutet, dass wir Geld in die Hand nehmen müssen, so wie das Eritreas Honorarkonsul vor ein paar ­Wochen forderte. Er erntete damals viel Empörung – vielleicht zu ­Unrecht.



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Erstellt: 14.09.2019, 22:49 Uhr

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