Das ist der Preis

Die Zahl der Unfallopfer im ÖV wird weiter steigen.

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Der öffentliche Verkehr ist den Schweizerinnen und Schweizern lieb. Und teuer. Je nach Berechnung geben wir jährlich 12 bis gut 20 Milliarden Franken für den Personentransport in Bahnen, Trams und Bussen aus – externe Kosten nicht mitgerechnet. Damit erkaufen wir uns auch ein Stück nationalen Zusammenhalts: Durch den ÖV werden Land- und Rand­regionen angebunden, und die Leute kommen in der Regel rasch aus den Agglomerationen in die urbanen Zentren – und dort auf dem städtischen Verkehrsnetz an ihren Zielort. Klar, dass ein gutes Mass Stolz mitschwingt, wenn wir aus­ländischen Bekannten dieses System erklären: Pünktlichkeit, Taktfahrplan, funktionierende Infrastruktur (Tunnels! Viadukte!), feudales Rollmaterial.

Nun zeigt sich immer deutlicher, dass dem auch Grenzen gesetzt sind. Immer mehr Menschen nehmen die Fahrdienste in Anspruch. Es gibt die Berechnung des Bundesamts für Raumentwicklung, wonach die Per­sonenkilometer im ÖV bis 2040 um 51 Prozent steigen werden. Wer je zur Stosszeit in der Stadt unterwegs ist, weiss, dass das nichts Gutes bedeutet. Die ebenfalls erwartete deut­liche Zunahme von Fussgänger- und privatem Strassenverkehr wird den ÖV zusätzlich aus dem Takt bringen.

«Die Kadenz ist hoch, Zeit muss aufgeholt werden – am besten sofort.»

Dem begegnen die Transportunternehmen, indem sie ihre Betriebe auf Effizienz trimmen. Die Kadenz wird erhöht, auf der Strecke ver­lorene Zeit muss unbedingt aufgeholt werden – am besten schon bis zur nächsten Haltestelle. Dieses «Mehr und Schneller» mag durchaus eine adäquate Methode sein, um die anschwellenden Pendlerströme abzuleiten. Die Mehrheit der ÖV-Kunden profitiert davon. Aber es generiert auch Verlierer.

Zum Beispiel in den Bussen. Durch die gezwungenermassen schnellere und mitunter ruppigere Fahrweise gibt es viele Verletzte unter den Passagieren – mehr als 4500 waren es in den vergangenen achteinhalb Jahren. Das ist deutlich zu viel. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, nicht selten erleiden sie bei Stürzen in Bussen komplizierte Brüche. Wobei – das ist gleich noch eine schlechte Nachricht – die Zahl weiter steigen wird. Weil immer mehr mobile Rentner den ÖV in Anspruch nehmen.

Es gibt eine zweite Gruppe, die zu den Verlierern gehört: die Busfahrerinnen und Bus­fahrer. Eine Umfrage der Gewerkschaft des Verkehrspersonals zeigte vor ein paar Jahren, dass drei Viertel unter den schwierigen Bedingungen und der Aggressivität im Verkehr leiden. Und daran, dass das Einhalten des Fahrplans manchmal fast unmöglich ist. Das wirkt sich auch körperlich aus: Die Mehrheit klagte über dauernde Muskel-Skelett-Schmerzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.06.2018, 23:22 Uhr

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