«Das ist eine böse Unterstellung»

SVP-Präsident Albert Rösti bestreitet, die Klimafrage unterschätzt zu haben.

Albert Rösti: «Mit den Bauern sorgen wir seit Jahrhunderten für eine gepflegte Landschaft und die Versorgung mit ökologischen Nahrungsmitteln ohne lange Transportwege.» Foto: Adrian Moser

Albert Rösti: «Mit den Bauern sorgen wir seit Jahrhunderten für eine gepflegte Landschaft und die Versorgung mit ökologischen Nahrungsmitteln ohne lange Transportwege.» Foto: Adrian Moser

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Herr Rösti, wie erklärenSie sich die von den Umfragen prognostizierten Wählerverluste?
Die Umfragen zeigen in erster Linie, dass die Wähleranteile der SVP auf konstant hohem Niveau weit vor allen anderen Parteien liegen. Es ist wie bei einem Kugelstösser, der an der Weltmeisterschaft die Kugel zwar einen halben Meter weniger weit wirft als im Vorjahr, aber trotzdem erneut Weltmeister wird.

Wählerverluste von 1,5 Prozent sind für Schweizer Verhältnisse aber massiv.
Ich bin überzeugt, dass viele Wählerinnen und Wähler noch merken werden, dass man SVP wählen muss, wenn man verhindern will, dass der Mittelstand ausblutet. Die bereits vom Ständerat konkret geplanten Klimamassnahmen – Erhöhung der Benzinpreise um 12 Rappen pro Liter und der Heizölpreise um 29 Rappen pro Liter – sowie weitere Vorschriften würden eine vierköpfige Familie jährlich 1500 Franken kosten.

Wer nur Energie spart, bekommt den grössten Teil des Geldes zurück.
Leute, welche die Tramhaltestelle quasi vor der Tür haben, werden gut wegkommen. Für Leute auf dem Land, die auf das Auto angewiesen sind, aber auch für Mieter in Wohnungen mit alten Heizsystemen wird es trotz Rückvergütung unter dem Strich teurer werden.

Wie es aussieht, werden wegen Ihrer Verluste die rechten Parteien SVP und FDP die Mehrheit im Parlament verlieren.
Diese Mehrheit hat leider zu oft wenig gebracht. FDP und SVP haben nur in circa drei Prozent aller Abstimmungen Vorlagen gegen links gemeinsam gewonnen. Bei wichtigen Geschäften hat die FDP gar eine 180-Grad-Wende vollzogen. In Sachen Klima steht sie heute auf der Seite der Grünen und Linken. Und dem Rahmenabkommen stimmt sie mehr oder weniger vorbehaltlos zu. Insofern kann, wer Unabhängigkeit und tiefe Abgaben will, nur SVP wählen.

Sie machen Wahlkampf, aber offensichtlich falsch. Die SVP hat nicht gemerkt, dass die Leute politische Antworten auf den Klimawandel erwarten.
Dass wir das Klimaproblem negieren, ist eine böse Unterstellung. Mit den Bauern sorgen wir seit Jahrhunderten für eine gepflegte Landschaft und die Versorgung mit ökologischen Nahrungsmitteln ohne lange Transportwege. Für uns sind saubere Luft und Wasser und eine intakte Umwelt wichtig.

Auch das Thema Europa zieht nicht wirklich. Haben Sie sich hier verschätzt?
Es ist ein Erfolg, dass die SVP bislang verhindert hat, dass der Bundesrat das Rahmenabkommen unterzeichnet. Ich habe aber grösste Befürchtungen, dass alle anderen Parteien das Rahmenabkommen nach den Wahlen durchdrücken wollen und das heute vor den Wahlen bewusst verschweigen.



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Erstellt: 28.09.2019, 23:34 Uhr

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