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Das sind die besten Chefs der Schweiz

Die erfolgreichen CEOs sind meist eher unbekannt, zeigt eine Studie. Und sie verdienen markant weniger als die Topshots von UBS, Novartis und Co.

Die besten Schweizer Chefs haben keine klingenden Namen: Bracken Darrell vom Techno­logiekonzern Logitech. Werner Schmidli vom Schweissmaschinen-Hersteller Schlatter. Christoph ­Rubeli und André Frei vom Vermögensverwalter Partners Group. Diese vier Konzernchefs haben die Mitbewerber in ihrer Vergleichsgruppe geschlagen, wie ­Berechnungen der auf Unter­nehmensanalysen spezialisierten Firma Obermatt zeigen. Die siegreichen Chefs haben vergangenes Jahr den Umsatz ihrer Unter­nehmen schneller gesteigert als die anderen. Sie haben dabei auch ­höhere Profite erzielt. Und sie ­haben ihren Aktionären zu einer besseren Rendite verholfen.

Die Bestbezahlten sind nicht einmal im Mittelfeld

Die erfolgreichsten Chefs sind ­dabei nicht die Bestbezahlten. Das belegt ein Blick auf die Salärliste der Beratungsfirma Willis Towers Watson. Die Löhne der vier Sieger sind markant tiefer als diejenigen von Topmanagern wie Sergio Ermotti von der Grossbank UBS, Tidjane Thiam von der Konkurrentin Credit Suisse oder Joseph Jimenez vom Pharmakonzern Novartis.

Gemäss der Analyse von Obermatt waren die Leistungen der Grossverdiener nicht gut genug, um auf die vorderen Ränge der ­erfolgreichen CEOs zu gelangen. Sie schafften es nicht einmal, die Hälfte ihrer Konkurrenten hinter sich zu lassen. Was beweist: Die beste Entlöhnung hat nichts mit der besten Leistung zu tun.

Allerdings haben auch die Bestplatzierten auf der Liste von Obermatt keinen Grund, sich über ihr Einkommen zu beklagen. ­Konzernchef Bracken Darrell von Logitech erhält 7,1 Millionen ­Franken. Die Co-Chefs Christoph Rubeli und André Frei von der Partners Group werden mit je 5,9 Millionen Franken jährlich fürstlich entlöhnt. Im Vergleich dazu wirkt die Vergütung für Schlatter-Chef Werner Schmidli im Jahr 2016 mit 749 000 Franken geradezu bescheiden.

In der Gruppe der Grossunternehmen hat es von den 20 Schweizer Topunternehmen des Swiss Market Index (SMI) nur gerade der Feinchemikalienhersteller und Pharmazulieferer Lonza aufs Podest geschafft. «Bei unseren Analysen in früheren Jahren waren mehr Chefs von SMI-Titeln unter den Gewinnern», bestätigt Daniel Wiederkehr von Obermatt.

Anders als in der Vergangenheit erstellt das Beratungsunternehmen keine Liste der Verlierer mehr. «Wir analysieren nur die ­Gewinner präziser. Das sind die Firmenchefs, die mehr als die Hälfte ihrer Konkurrenten in der Vergleichsgruppe schlagen», erklärt Wiederkehr.

Gewinner führten ihre Firmen aus der Krise

Bei den grossen und den mittelgrossen Unternehmen fällt auf, dass es vier CEOs auf das Podest geschafft haben, die ihre Konzerne aus einer Krisensituation geführt haben. Bei Logitech hat Bracken Darrell den Hersteller verstaubter PC-Mäuse mit profitablen Life­styleprodukten wie Bluetooth-Lautsprechern und -Kopfhörern zu neuem Leben erweckt.

Als der Amerikaner 2013 die Führung von Logitech übernahm, kämpfte das Unternehmen mit Umsatzeinbussen und schrieb Verluste. Im Geschäftsjahr 2016/17 erzielte der Konzern einen Gewinn von 197,5 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg um 9,4 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar.

Darrell schreibt die Erfolgs­story weiter. Der PC-Zubehörspezialist hat vergangene Woche mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen des Marktes beim Gewinn und Umsatz erneut übertroffen.

Ähnlich ist die Situation beim Stromkonzern BKW. Hier hat ­Suzanne Thoma ihr Unternehmen aus der Sackgasse geführt. Sie hat im Gegensatz zu ihren Konkurrenten frühzeitig erkannt, dass Atomkraftwerke keine Zukunft mehr haben, und 2013 den Entscheid zum Abschalten gefällt. Inzwischen hat sie das Unternehmen vom Stromproduzenten zum Dienstleister für Infrastruktur weiterentwickelt.

In der Rangliste der Grossunternehmen ist es Lonza-Chef Richard Ridinger, der nach einer Krise die Kurve geschafft hat. Er übernahm 2012 die Leitung des Pharma­zulieferers und Spezialchemie­konzerns. Damals drohte die Gesellschaft in Schwierigkeiten zu ­geraten, der Gewinn war um fast die Hälfte abgesackt. Ridinger ­gelang es bald, die Profitabilität zu steigern, unrentable Werke zu schliessen und auf innovative ­Produkte sowie Zukäufe zu setzen. Im ersten Semester 2017 konnte er für Lonza wiederum rekord­hohe Wachstumsraten ausweisen.

Auch Werner Schmidli, der Sieger in der Kategorie der mittelgrossen Unternehmen, musste einen Ausweg aus der Krise finden. Der Chef des Schweissanlagen- und Webmaschinenherstellers Schlatter schaffte 2016 nach einer langjährigen Durststrecke den Turnaround. Seit 2009 hatte Schlatter Verluste geschrieben, nur im Jahr 2010 resultierte ausnahmsweise ein kleiner Gewinn von 200 000 Franken. Schmidli setzte stark auf Produktinnovationen und Sparmassnahmen. Das zahlt sich nun in guten Ergebnissen aus.

Unter den Siegern stechen Christoph Rubeli und André Frei von Partners Group heraus: Sie führen die Liste bei allen drei gemessenen Kriterien an: Wachstum, Profitabilität und Aktienrendite. Auf der Obermatt-Liste erreichten sie mit 94 von 100 Punkten einen Spitzenwert.

Rubeli und Frei führen den ­Vermögensverwalter seit 2013 ­gemeinsam und haben vor allem den globalen Ausbau forciert. Im Gegensatz zu den Siegern in der Kategorie der grossen und mittelgrossen Unternehmen mussten sie ihre Gesellschaft nicht aus einer Krise führen. Ihnen gelang es, die Leistung als bereits erfolgreiche Vermögensverwalter noch zu steigern.

Nur wenige Frauen auf den Spitzenplätzen

BKW-Chefin Suzanne Thoma ist die einzige Frau auf dem Siegerpodest, was angesichts der wenigen Frauen auf Chefposten nicht überrascht. Diese schlagen sich aber gut. So hat Marianne Wildi von der Hypothekarbank Lenzburg Rang sieben bei den Finanzunternehmen erreicht. Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher errang bei den mittelgrossen Unternehmen Rang sechs.

Der Erfolg der bestplatzierten Chefs ist keine Eintagsfliege. Das haben nicht nur Bracken Darrell von Logitech und Richard Ridinger von Lonza mit ihren letzte Woche publizierten Geschäftszahlen bewiesen. Auch Schlatter-Chef Werner Schmidli konnte sich im ersten Semester 2017 über einen höheren Gewinn als erwartet freuen. Christoph Rubeli und André Frei von Partners Group vermeldeten für die gleiche Periode einen massiven ­Zufluss von Kundengeldern.

Alle Sieger-CEOs übertrafen mit diesen Resultaten die Erwartungen des Marktes.

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