Das sind die besten Chefs der Schweiz

Topmanager fehlen in der Liste der besten Performer. Vorne liegen stille Schaffer.

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13 Millionen Euro für ­Roche-Chef Severin Schwan, 12,5 Millionen für UBS-Lenker Sergio Ermotti, 10,7 Millionen für den ehemaligen Novartis-Geschäftsführer Joe Jimenez: Die Schweiz ist das Vergütungsparadies für Topmanager. In keinem anderen europäischen Land verdienen die Chefs von Grossfirmen laut einer Studie des Beratungsunternehmens Willis Towers Watson so viel.

Doch sind die Spitzenverdiener das Geld auch wert? Daran darf gezweifelt werden, wie die noch unveröffentlichte Auswertung «CEO des Jahres 2018» des Zürcher Finanzanalyse-Unternehmens Obermatt zeigt. Ob Schwan, Ermotti oder Jimenez: Kein einziger Topmanager mit zweistelligem Millionengehalt liegt auf den vorderen Rängen. Im Gegenteil: Sie finden sich in der hinteren Hälfte der Rangliste, was bedeutet, dass sie gegenüber den Vergleichsunternehmen der Branche schlechter abgeschnitten haben. Auch andere Spitzenverdiener wie Tidjane Thiam von der Credit Suisse (9,7 Millionen Franken Lohn), ABB-Chef Ulrich Spiesshofer (9,3 Millionen) oder Zurich-Chef Mario Greco (8,6 Millionen) schaffen es nur in die zweite Hälfte des Tableaus.

Der neue Chef hat Lonza enormen Schub verschafft

Als Bester unter den Chefs der untersuchten Grossunternehmen schneidet dagegen Richard Ridinger ab, der im vergangenen Jahr 4,8 Millionen Franken verdiente. Der Chemieingenieur hatte 2012 den erfolglosen Betriebswirtschafter Stefan Borgas an der Spitze des Basler Chemie- und Pharmazulieferers Lonza abgelöst. Seither ist das Unternehmen nicht mehr wiederzuerkennen: Aus der lahmen Ente wurde eine Wachstumslokomotive.

Als Erstes hatte Ridinger dem Konzern, der sich mit einer aggressiven Expansionsstrategie verrannt hatte, ein eisernes Sparprogramm verordnet. Danach folgten jedoch gezielte Investitionen, die das Unternehmen auf Wachstumskurs brachten. Vor einem Jahr erfolgte der bislang grösste Deal in der Unternehmensgeschichte: der Kauf von Capsugel, einem Hersteller von Medikamentenkapseln, für 5,5 Milliarden Franken.

Die Aktionäre dürfen sich über Ridingers Leistung freuen: Während seiner Amtszeit stieg der Wert der Lonza-Aktien um 651 Prozent. Der Aktienindex SPI legte im selben Zeitraum um 91 Prozent zu. Die ausserordentliche Performance ist eine späte Genugtuung für den ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Rolf Soiron, der sich noch 2012 harte Kritik anhören musste. Seit damals kennt die Lonza-Aktie praktisch nur noch eine Richtung: nach oben. Offenbar hatte Soiron mit Ridingers Ernennung zum Konzernchef ein glückliches Händchen gehabt.

Wie kommt Ridinger zu seinem Spitzenplatz? Obermatt-Finanzanalyst Daniel Wiederkehr geht bei seinen Berechnungen mit geradezu mathematischer Präzision vor. Er bewertet die Leistung von 41 Grossunternehmen, 79 mittelgrossen Unternehmen und 35 Finanzunternehmen, die an der Schweizer Börse kotiert sind, aufgrund von drei Kennzahlen: der operativen Performance (Veränderung des Betriebsgewinns Ebitda im Verhältnis zum Umsatz), der Aktienrendite (Kursentwicklung mitsamt Dividenden und Kapitalrückzahlungen im Verhältnis zum Anfangskurs der Aktie) und der Wachstumsperformance (Veränderung des Umsatzes im Verhältnis zum Umsatz des Vorjahres).

Die Leistung jedes untersuchten Unternehmens wird nun einer Vergleichsgruppe von dreissig bis achtzig weltweiten Konkurrenten aus der gleichen Branche gegenübergestellt. Die Messung zeigt in Prozent, wie viele Konkurrenten das Unternehmen mit seiner Leistung geschlagen hat. Ridinger etwa weist 81 Punkte auf, was bedeutet, dass Lonza gegenüber 81 Prozent der Konkurrenten besser abschneidet und nur gegenüber 19 Prozent schlechter.

Fünf Ingenieure unter neun besten Chefs

Auffällig ist, dass sich unter den neun Besten gleich fünf Ingenieure befinden, darunter Oerlikon-Chef Roland Fischer, der aus dem einstigen Gemischtwarenladen ein auf Beschichtungen fokussiertes Unternehmen formte. Er brachte das frühere Sorgenkind, die Getriebesparte, auf Vordermann und gab diese Woche ihren Verkauf für 600 Millionen Dollar bekannt. Ebenfalls ein Ingenieur ist Yves Serra, der Chef von Georg Fischer. Er machte aus der kriselnden Maschinenbausparte einen Gewinnbringer und kündigte kürzlich an, dass Georg Fischer seine hochpräzisen Gussteile nicht mehr nur an Autohersteller liefert, sondern neu auch an die Flugzeugindustrie.

Kein grosses Finanzinstitut liegt vorne

Auch bei den Banken und Versicherungen schlagen die Kleinen die Grossen. Die Chefs von UBS, Credit Suisse, Swiss Re, Swiss Life oder Zurich fehlen in der Rangliste der Besten. Stattdessen erreicht André Rüegg von der Bellevue Group die höchste Punktezahl. Dabei hat Bellevue unruhige Jahre hinter sich. Rüegg musste das Geldhaus mit tiefen Einschnitten neu ausrichten. Broker-Geschäft und Corporate Finance – die einstigen Kernaktivitäten – gab er auf, weil die Erträge einbrachen. Stattdessen liegt der Fokus nun auf der Vermögensverwaltung für Private und für institutionelle Anleger. Die jüngsten Zahlen zeigten ein Plus bei Ertrag und Gewinn.

Auf Platz zwei der Finanz-Chefs liegt Swissquote-Mitgründer Marc Bürki. Er schuf aus dem Start-up eine etablierte Onlinebank. Im vergangenen Jahr setzte er voll auf Bitcoin und Co. Als erste europäische Onlinebank ermöglichte Swissquote den Handel mit Kryptowährungen und hatte damit grossen Erfolg. An Spitzentagen gingen über tausend Anträge für Kontoeröffnungen ein. Die Einnahmen durch Gebühren sprudelten. Bürki setzt auch auf Roboter als Vermögensverwalter.

In Sachen digitale Herausforderungen gilt auch die Glarner Kantonalbank als Vorreiter. Hans­peter Rhyner leitet seit 2013 eine der kleinsten an der Börse gelisteten Banken. Einen Namen gemacht hat sich das Institut mit Onlinehypotheken; diese vergibt es auch über die Kantonsgrenzen hinweg. Damit hat Rhyner zuletzt stetig Marktanteile gewonnen und von Branchenexperten mehrmals die Auszeichnung «digitalste Bank der Schweiz» erhalten. Das stösst in Glarus aber nicht nur auf Begeisterung. Linke Politiker kritisieren die digitale Offensive mit Geschäften über die Kantonsgrenze hinweg als riskant.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 05.08.2018, 10:26 Uhr

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