Zum Hauptinhalt springen

Das Wichtigste, was wir haben

Milo Rau über die Heiligkeit des Lebens.

MeinungMilo Rau

«Wenn man mit Milo arbeitet, dann weiss man erst fünf Minuten vor der Premiere, wie ein Stück aussehen wird», sagte kürzlich einer ­meiner Lieblingsschauspieler einer Zeitung. ­Natürlich ist das sehr diplomatisch ausgedrückt: Ich habe auch fünf Monate nach der Premiere keine Ahnung, wie meine Stücke aussehen ­sollen. Auf der Bühne ist jeder Moment der ­erste, nichts bleibt. «Das Leben ist das, was ­passiert, während man andere Pläne hat», lautet ein Sprichwort. Und genauso ist es auch im Theater.

Wenn mich deshalb ein Schauspieler fragt, wie er einen bestimmten Satz sagen soll, dann antworte ich ihm: «Mach, was dir richtig scheint. Und dann schauen wir zusammen ­weiter.» Ein Regisseur kann einem Schauspieler technische Hinweise und Sicherheit geben. Die Wahrheit eines Vorgangs oder eines Gefühls kennt aber nur der Darsteller selbst. Weshalb ich jedem Regisseur eine einzige Regel ans Herz lege: Suche Menschen, denen du wirklich zuschauen willst. Und dann vertraue ihnen.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.

Abo abschliessen