Datendiebstähle gefährden unsere Infrastruktur

Von Cyberattacken geht heute wohl die grösste Bedrohung aus.

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Datendiebstähle sind alltäglich, der Handel mit gestohlenen Nutzerdaten floriert unter Cyberkriminellen wie nie zuvor. Das zeigen die Recherchen, die mein Kollege Barnaby Skinner für nebenstehenden Bericht durchgeführt hat. So finden sich auch die Log-ins zu 15'000 gehackten Internetkonten von Schweizer Beamten, Mitarbeitern von bundesnahen Betrieben, ja sogar von Ermittlern des Bundesamts für Polizei in Hacker­foren im Dark­net.

Wer privat und geschäftlich im Internet unterwegs ist, twittert oder über Facebook kommuniziert, übers Web einkauft, Hotel und Flüge bucht, Rechnungen bezahlt, Bankgeschäfte tätigt, Software nutzt und wer weiss noch was alles online treibt, der jongliert zwangsläufig mit vielen Log-ins, Passwörtern und Nummern, die nicht in die falschen Hände gelangen sollten. Knapp 150 Passwörter habe ich selber derzeit in meiner Datenbank gespeichert.

«Bald sollen wir auch übers Internet abstimmen und 
wählen»

Die Häufigkeit und das Ausmass der Datendiebstähle haben in den letzten fünf Jahren massiv zugenommen. Bisher bekannt wurden vor allem Fälle, in denen Cyberkriminelle mit den gestohlenen Daten Waren im Internet bestellten oder Bankkonten leerten. Hacker können damit aber auch weit schwerwiegendere Angriffe durchführen. Dass auch Beamte, Bundespolizisten und Ruag-Kaderleute in grosser Zahl gehackt werden, gibt zu denken. Und es sollte uns eine Warnung sein. Es geht dabei nicht nur um Onlinekäufe auf fremde Kosten. Bald sollen wir auch übers Internet abstimmen und wählen. 2016 wurde bekannt, dass im bisher grössten Schweizer Fall von Cyberspionage die staatliche Waffenfirma Ruag über Jahre von Cyberkriminellen ausspioniert worden war. Die angeblich aus Russland stammenden Angreifer gelangten nicht nur in das IT-System des Unternehmens, sondern offenbar teilweise auch ins System des Bundes.

Von Cyberattacken geht heute wohl die grösste Bedrohung aus für unsere Infrastrukturen – Finanzsystem, Energieversorgung, Informations- und Verkehrssysteme, Armee und Polizei. Als vor 17 Jahren Terroristen mit entführten Flugzeugen das World Trade Center angriffen, brach das US-Finanzsystem nur dank dem raschen und massiven Eingreifen der US-Zentralbank nicht völlig zusammen. Weil wir immer abhängiger werden von den modernen Informationstechnologien und weil heute alle wichtigen Infrastrukturen miteinander vernetzt sind, könnten Cyberangriffe weit grösseren Schaden anrichten, als al-Qaida das 2001 getan hat. Die Verletzlichkeit ist grösser geworden. Nicht nur Cyberkriminelle, sondern auch Staaten lancieren Cyberattacken. Es wird eine der grössten Herausforderungen sein, unsere Systeme widerstandsfähiger und sicherer zu machen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.08.2018, 23:15 Uhr

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