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Davos ist ein masochistischer Höllentrip

Warum es für das WEF ein paar psychologische Kniffs braucht.

Mein erstes WEF liegt hinter mir, und in meiner Nachbesprechung mit mir selber ist mir klar geworden, was die entscheidende bilanzierende Frage ist: Habe ich den Zirkus seelisch unbeschadet überstehen können? Kein anderer Anlass setzt dem Ego gnadenloser zu als das WEF. Viele glauben, es sei euphorisierend, sich im Glanz mächtiger Menschen zu sonnen, ihnen die Hand zu schütteln, ein paar Worte zu wechseln. In Tat und Wahrheit ist es ein masochistischer Höllentrip. Denn Normalos wie mir wird im luftigen Kurort Davos gnadenlos vor Augen geführt, wo ihr Platz in der Gesellschaftshierarchie ist – irgendwo zwischen Parterre und Soussol.

Man muss sich das wie folgt vorstellen: 10 Prozent der Wirtschaftspromis, die man im Kongresszentrum höflich anspricht, reagieren erst gar nicht auf den Kontaktversuch. Weitere 20 bis 30 Prozent schütteln einem gequält die Hand, um gleich weiterzueilen. Die restlichen 60 Prozent lassen sich auf ein kurzes Gespräch ein, gucken einem dabei aber nervös über die Schultern, um zu sehen, ob irgendwo ein wichtigeres Wesen herumläuft. In einem solchen Fall kann es geschehen, dass man grusslos stehen gelassen wird.

Das fühlt sich an wie beim Online-Dating, wenn der Gesprächspartner den Verabschiedungsknopf drückt mit der Botschaft: «Machs gut, aber wir passen leider nicht zusammen.» Ein paar psychologische Kniffs helfen in Davos: Man kann sich damit trösten, dass der Techniker, der den Beamer im Kongresssaal installieren muss, noch weniger wichtig ist. Und dass am WEF selbst Regierungsräte grosser Kantone an ihrer Bedeutungslosigkeit leiden. Trotzdem rate ich: Tun Sie sich Davos nur an, wenn es Ihnen gerade richtig gut geht.

Haben Sie ein Problem im Büro, schreiben Sie an karin.kofler@sonntagszeitung.ch

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