Täglich 20 Minuten Joggen kann das Krebsrisiko senken

Wer nach einer Krebsdiagnose regelmässig Sport treibt, kann sein Leben deutlich verlängern. Auch zur Vorbeugung hilft körperliche Aktivität.

Hilft enorm: Schon 2,5 Stunden Nordic Walking pro Woche reichen. Foto: Robert Bösch

Hilft enorm: Schon 2,5 Stunden Nordic Walking pro Woche reichen. Foto: Robert Bösch

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Einem Problem einfach davonrennen – das würden viele Menschen manchmal gerne tun. Wortwörtlich genommen ist dies tatsächlich ein valables Rezept, und zwar für Patienten, die eine Krebsdiagnose erhalten haben. Denn regelmässige sportliche Aktivität ist eine der besten Massnahmen, um in einer solchen Lebenssituation sein eigenes Leben zu verlängern.

Dies ist zum einen das Fazit einer aktuellen Studie eines Forscherteams des Deutschen Krebsforschungszentrums DKFZ in Heidelberg. Es konnte zeigen, dass nach einer Brustkrebsdiagnose schon 20 Minuten moderat anstrengende sportliche Aktivität pro Tag reichen, um das eigene Sterberisiko (genauer: das Risiko, im Zeitrahmen der Studie zu sterben) um bis zu 50 Prozent zu senken.

Zum anderen hat ein Panel des American College of Sports Medicine (US-Gesellschaft für Sportmedizin) kürzlich alle Daten zum Thema «Krebs und Sport» zusammengetragen. Demnach wirkt Sporttreiben auch präventiv, es senkt das Sterberisiko für fast alle Krebsarten, zum Teil sehr deutlich. «Zusammengenommen gibt es konsistente und überzeugende Hinweise darauf, dass körperliche Aktivität sowohl bei der Prävention verschiedener Krebsformen als auch für die Lebensverlängerung von Krebs-Überlebenden eine Rolle spielt», schreiben die US-Forscher um Kathryn Schmitz von der Penn State University im Fachblatt «Medicine & Science in Sports & Exercise».

Für die Studie wurden Daten von 3800 Frauen analysiert

Krebs ist nach wie vor eine der häufigsten Krankheiten weltweit und in der Schweiz nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache Nummer zwei. Jedes Jahr erkranken hierzulande rund 40 500 Menschen neu an Krebs, etwa 16 700 Betroffene sterben daran. Und gemäss Schätzungen der Krebsliga Schweiz leben mindestens 320 000 sogenannte Cancer Survivors in der Schweiz, also Menschen, die bereits eine Krebs-Erkrankung respektive -Therapie durchgemacht haben.

Für die Brustkrebs-Studie analysierten die DKFZ-Forscher die Daten von insgesamt gut 3800 Frauen, die alle nach der Menopause, in den Jahren 2002 bis 2005, an Brustkrebs erkrankt waren. Die Frauen wurden bei Studienbeginn zum Umfang und zur Art ihrer sportlichen Aktivitäten vor der Diagnose befragt, ein zweites Mal im Jahr 2009 zu ihrem sportlichen Aktivitätsniveau nach der Diagnose. Die Studienteilnehmerinnen wurden dann bis ins Jahr 2015 nachbeobachtet. Für ihre Schlussanalyse berücksichtigten die Forscher nur jene Patientinnen, die beide Befragungen mitgemacht hatten, insgesamt standen ihnen so die Daten von gut 2000 Frauen zur Verfügung.

Die gleichen Empfehlungen gelten auch für die Vorbeugung

Bei der Analyse zeigte sich: Stubenhockerinnen, die sich sowohl vor als auch nach der Brustkrebs-Diagnose in der Freizeit kaum bewegten, hatten ein deutlich höheres Risiko, im Zeitraum der Studie zu sterben als Frauen, die pro Woche mindestens 2,5 Stunden moderat sportlich aktiv waren. Dazu zählen beispielsweise ­Aerobic, Schwimmen oder Nordic Walking. Bei intensiverer sportlicher Betätigung wie etwa Joggen reichten auch 75 Minuten pro Woche für die gleichen Effekte. Wichtig war nur, dass die Frauen nach der Diagnose Sport trieben. Ob sie vorher schon aktiv waren oder nichts taten, spielte hingegen keine Rolle.

Die gleichen Empfehlungen in puncto Bewegung gelten auch für die Vorbeugung. Wer 2,5 Stunden Sport pro Woche mit mittlerer Intensität oder 1 ¼ Stunden Sport pro Woche bei hoher Intensität betreibe, schreibt die Schweizer Krebsliga auf ihrer Webseite, rege nicht nur den Kreislauf an und stärke seine Abwehrkräfte, sondern könne damit auch das Risiko für Brust- und Darmkrebs senken.

Aufgrund der neusten Erkenntnisse kann man diese Empfehlungen aber getrost ausdehnen. Es gebe nämlich starke Belege dafür, dass Sport und Bewegung auch das Risiko von Blasen-, Lungen-, Speiseröhren-, Gebärmutter-, Nieren-, und Magenkrebs um bis zu einem Viertel senken kann, schreibt das Panel des American College of Sports Medicine, bei anderen Krebsformen wie Bauchspeicheldrüsen-, Prostata- oder Eierstockkrebs sei die diesbezügliche Datenlage etwas weniger klar.

Bei einer Krebsart fanden die US-Forscher indes das Gegenteil: Sport erhöht demnach das Risiko für schwarzen Hautkrebs. «Das zeigt», schreiben die Forscher, «dass es sehr wichtig ist, sich gut vor der Sonne zu schützen, wenn man sportlich aktiv ist.»



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Erstellt: 20.11.2019, 21:57 Uhr

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Dass Sport treiben die Gesundheit fördert, ist hinlänglich bekannt. Nun zeigt eine grosse Analyse verschiedener Studien, dass besonders Joggen lebensverlängernd wirkt und vor ernsthaften Erkrankungen schützt. Gemäss der im «British Journal of Sports Medicine» publi­zierten Studie senkt Joggen nicht nur das Sterberisiko insgesamt, sondern auch jenes für Krebsleiden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen um je etwa 30 Prozent. (nw)

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