Denner ist erneut Migros’ Umsatzrenner

Der Discounter verschönert auch 2018 die Zahlen des bedrängten Grossverteilers.

Trotz ­schwierigem Umfeld mehr Umsatz: Der Discounter Denner

Trotz ­schwierigem Umfeld mehr Umsatz: Der Discounter Denner

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Nächste Woche wird die Migros ihre Umsatzzahlen für das abgelaufene Jahr präsentieren. Berauschend werden sie – einmal mehr – nicht ausfallen, wie zu hören ist. Und bereits jetzt ist klar, welches Unternehmen die Zahlen des orangen Riesen erneut verschönern wird: Denner.

Der Discounter, den die Migros im Jahr 2007 akquiriert hatte, legte mit einem Plus von 4,3 Prozent auf 3,2 Milliarden Franken umsatzmässig ein noch stärkeres Resultat hin als letztes Jahr, wie diese Zeitung erfahren hat. Berücksichtigt man die Teuerung, liegt das reale Wachstum bei 3,9 Prozent. Ein Teil davon geht auf die leichte Erweiterung des Filialnetzes zurück, das inklusive Partnerbetriebe 817 Läden zählt. Doch auch organisch ist Denner klar gewachsen und hat mit dem Umsatzanstieg den gesamten Foodmarkt erneut überflügelt: Dieser legte laut der Credit Suisse um 1,5 Prozent zu.

Denners Höhenflug ist bemerkenswert. Denn seit die beiden deutschen Discounter Aldi und Lidl das Feld in der Schweiz beackern, ist der Wettbewerb beinhart. Die beiden deutschen Billiganbieter vereinen inzwischen zusammen über 3 Milliarden Franken Umsatz auf sich und sind damit gleichauf mit Denner. Gleichzeitig hat ihre forsche Expansion sowie die erhöhte Preissensibilität der Kunden dem Discountsegment Schubkraft gegeben, und davon profitierte letztlich auch Denner. Zudem verfügt die Migros-Tochter über ein weit grösseres Filialnetz als die deutschen Mitbewerber und kann von Synergien mit der Migros profitieren. Ebenfalls trumpft Denner mit einem attraktiven Weinsortiment auf, das bei den Kunden nach wie vor einen besseren Ruf geniesst als dasjenige von Aldi und Lidl.

Doch in den letzten zwei Jahren, in denen vor allem Lidl sehr erfolgreich unterwegs war, musste Denner in anderen Bereichen gegenüber der deutschen Konkurrenz Boden gutmachen – etwa beim Thema Nachhaltigkeit oder Frische. Was die Brotauswahl betrifft, will das von Karl Schweri gegründete Unternehmen die Konkurrenz überholen. Deshalb will Denner-Chef Mario Irminger alle Denner-Filialen mit zusätzlichen Backstationen ausrüsten. Bisher wurde nur ein Teil des Brotes in den Filialen aufgebacken und der Rest von der Industrie angeliefert. Neu soll das ganze Sortiment ofenfrisch vor Ort zubereitet werden.

Grossverteiler buhlen vermehrt um preisaffine Kunden

Ungemach droht auch von Coop: Der Grossverteiler aus Basel will seine Billiglinie Prix Garantie dieses Jahr deutlich ausbauen – ein Signal, dass auch die Grossverteiler verstärkt um die preisaffine Kundschaft kämpfen. Die günstigen Artikel sollen zusätzliche Kunden in die Läden locken.

Irminger ist gefordert. Doch die guten Zahlen dürften seine Position im Migros-Konzern stärken. Zusammen mit Digitec Galaxus gehört Denner wie schon im Vorjahr zu den Zugpferden im Handelsdepartement der Migros, das 2017 insgesamt rote Zahlen geschrieben hatte. Digitec Galaxus hat vor ein paar Tagen ein Umsatzwachstum von 15 Prozent auf 992 Millionen Franken verkündet und nähert sich damit rasant der Milliardengrenze.

Diese guten Nachrichten kann die Migros dringend gebrauchen. Der ­Konzern musste letztes Jahr ein schlechtes Jahresergebnis präsentieren. Beunruhigend an den Zahlen war, dass die Krise auch das Kerngeschäft der ­Migros, den genossenschaftlichen ­Detailhandel, erfasst hatte. Inzwischen wurden verschiedene Sparprogramme initiiert.

Die Umsatzzahlen von nächster ­Woche werden ein Indiz sein, wie die Performance des orangen Riesen im Jahr 2018 aussah. Zumindest Mario ­Irminger kann dem Tag gelassen ­entgegenschauen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 13.01.2019, 07:29 Uhr

Coop fordert Aldi und Lidl heraus

Bei Coop beginnt das neue Jahr mit einer Kampfansage. Der Detailhändler will sein Sortiment an preisgünstigen Prix-Garantie-Produkten 2019 deutlich ausweiten, wie Marketing- und Beschaffungschef Philipp Wyss ankündigt. Ausserdem werde Coop kleinere Packungsgrössen in die Läden bringen, sagt Wyss in der «Coopzeitung». Man wolle sich nicht «von der Konkurrenz unterbieten» lassen.

Wie viele und welche günstigen Produkte dazukommen, sagt Coop nicht. Klar ist: Der Zeitpunkt der Preisoffensive ist kein Zufall. Erst letzte Woche zeigte eine Studie der Credit Suisse, wie stark die Schweizer Grosshändler von der Billigkonkurrenz bedrängt werden. Während Discounter wie Lidl und Aldi ihren Marktanteil in der Schweiz seit 2005 von einigen wenigen auf mehr als 10 Prozent steigern konnten, schrumpfte der Anteil von Migros und Coop um knapp 10 auf 58 Prozent.

Kommt hinzu: Mit ihren eigenen Billiglinien verlieren Coop und Migros laufend an Boden. Migros erlebte mit M-Budget zwischen 2005 und 2008 zwar einen Höhenflug, die Umsätze stiegen von 483 auf 771 Millionen Franken. Doch seither fielen sie wieder auf 551 Millionen Franken zurück. Ähnlich verlief die Entwicklung bei Prix Garantie. Das Label wurde 2005 lanciert, als der deutsche Harddiscounter Aldi in der Schweiz die ersten Filialen eröffnete. Bis 2008 stiegen die Umsätze von 340 auf 381 Millionen Franken, seither sanken sie auf 268 Millionen Franken. Sie sind heute also sogar noch tiefer als im Jahr, in dem die Marke eingeführt wurde.

Bei der Migros heisst es, die Fläche für M-Budget-Produkte sei in den letzten Jahren reduziert worden – auf Kosten von nachhaltigen und gesunden Produkten. Seit 2017 sei das Sortiment aber stabil geblieben, darum sei der Umsatz 2018 wieder leicht angestiegen.

Sascha Jucker, Detailhandelsexperte bei der Credit Suisse, führt die schrumpfenden Umsätze bei den Billiglinien auf den Einkaufstourismus zurück – und auf die grösser werdende Konkurrenz durch die Discounter. Diese wuchs, obwohl die beiden Grossverteiler nicht nur mit den Billiglabels die Preise nach unten drückten, sondern auch bei Eigenmarken und Markenartikeln Abschläge gewährten.

Immerhin: Bei den Discountern trete nun langsam ein Sättigungseffekt ein, glaubt CS-Experte Jucker. «Ihre Expansion wird anhalten, aber sie wird nicht mehr so schnell vorangehen wie in den letzten Jahren.» Franziska Kohler (SonntagsZeitung)

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