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Die Antisemiten bei der Unesco

Warum der Austritt der USA richtig war. Eine Kolumne von Andreas Kunz.

Bei der Rhätischen Bahn war es genauso wie beim Aletschgletscher oder der Berner Altstadt: Kaum hatte die Unesco eine Schweizer Sehenswürdigkeit zum Weltkulturerbe erklärt, herrschte grosse Freude im Land, ja sogar ein bisschen Stolz. Die Auszeichnung der ehrwürdigen Weltgemeinschaft kommt einem päpstlichen Segen gleich – bloss dass die Unesco punkto Renommee sogar die ­katholische Kirche überstrahlt.

Umso grösser war das Aufsehen, als die USA und Israel am letzten Donnerstag wegen angeblicher «anti-israelischer Tendenzen» der Unesco ihren Austritt bekannt gaben. Für die einen war es keine Überraschung, dass Donald Trump eine Organisation verlässt, die sich für Erziehung, Wissenschaft und Kultur einsetzt. Andere machten es sich weniger einfach. Die NGO «UN Watch» zeigte zum Beispiel auf, was hinter dem Vorwurf tatsächlich steckt. Allein die Zahl der Resolutionen, die der Unesco-Vorstand von 2009 bis 2014 verabschiedete, ist aufschlussreich: 46 Mal verurteilte die Organisation Israel – eine einzige Resolution richtete sich gegen das Bürgerkrieg führende Syrien. Und ein Total von 0 Resolutionen verabschiedete die Unesco in der gleichen Zeit gegen Nordkorea, den Iran, Sudan oder irgendein anderes Land. Die Unesco beschränkte sich bei ihren Beschlüssen längst nicht nur auf die offizielle Aufnahme Palästinas, die 2011 bereits zur Aussetzung der amerikanischen Zahlungen geführt hatte. Diesen Sommer zum Beispiel diskreditierte sie ­Israel als «Besatzungsmacht» und aberkannte dem Land jeglichen rechtlichen oder historischen Anspruch auf seine Hauptstadt Jerusalem. Ein Jahr zuvor hatte die Unesco entschieden, den Tempelberg und die Klagemauer ausschliesslich mit deren muslimischen Namen zu benennen – ­obwohl beide auch zu den heiligsten Stätten des Judentums gehören. Die Unesco unterstützte mit ihrem erlauchten Namen sogar ein arabisches Projekt, das offiziell die «Entjudaisierung» Jerusalems forderte. Das war für einmal sogar dem damaligen UNO-Chef Ban Ki-moon zu viel, der sich zu einer öffentlichen Distanzierung veranlasst sah. Keine Reaktion zeigten sowohl Ban wie auch die Unesco hingegen, als die Palästinenser in Gaza mit Bulldozern die biblische Hafenstadt Anthedon zerstörten – ein Weltkulturerbe der Unesco –, um darauf ein Trainingscamp für den bewaffneten, terroristischen Arm der Hamas zu errichten.

«Grosser Applaus und lautes Klatschen im Saal»

Angesichts ihrer Beschlüsse käme es einer Verharmlosung gleich, bei der Unesco «anti-israelische Tendenzen» zu orten. Die Organisation ist offen antisemitisch. Zustande kommen die Resolutionen aufgrund von Allianzen einer Vielzahl muslimischer Länder mit Staaten wie Kuba, Russland oder China. ­Videos von UN Watch zeigen, dass es der israelische Unesco-Botschafter nicht gerade leicht hat mit seinen Kollegen. Als er um eine Schweigeminute für die Opfer des Holocausts bat, antwortete Kubas Vertreterin: «Nur der Vorstand darf Schweigeminuten fordern. Mit Ihrer Einwilligung bitte ich deshalb den Vorstand, dass wir alle aufstehen, um der getöteten ­Palästinenser zu gedenken.» Grosser Applaus und lautes Klatschen im Saal.

Die politische Tollheit der Unesco beschränkt sich allerdings nicht auf Israel. Sie wählte Syrien in ihren Menschenrechtsrat, während Assad Aleppo bombardierte, oder sie ehrte afrikanische Diktatoren und Völkermörder aus dem Sudan oder Äquatorialguinea. Die grauslige Liste liesse sich schier endlos fortsetzen. Und man fragt sich, warum eigentlich erst die USA und Israel aus diesem Verein ausge­treten sind. Auch die Schweiz sollte ihre Beiträge sinnvoller einsetzen. Zum Beispiel für eine neue Auszeichnung für die Rhätische Bahn oder den Aletschgletscher – das Gütesiegel der Unesco ist unappetitlich geworden.

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