Der Amerikaner unter den Guetsli

Auch unerwarteten Gästen sollte man etwas Hausgemachtes anbieten: Cookies mit Haferflocken und Datteln, findet Nenad Mlinarevic.

Eine akkurate Form ist weniger wichtig als die inneren Werte: Cookies sind wahre Energiespender
Fotos: Esther Michel

Eine akkurate Form ist weniger wichtig als die inneren Werte: Cookies sind wahre Energiespender Fotos: Esther Michel

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Seit ich Ende des letzten Jahres beschlossen habe, mein Leben als Angestellter gegen eines als selbstständiger Unternehmer zu tauschen, hat es sich in vielerlei Hinsicht dramatisch verändert. Viele Köche nähern sich ihrem Herd zu Hause ja nur höchst selten. Was eigentlich verständlich ist, wenn man täglich zehn, zwölf Stunden in der Restaurantküche steht. Wer professionell Velos repariert, wird vermutlich in seiner Freizeit auch lieber Scrabble spielen oder sonst etwas tun, das wenig mit seinem Berufsalltag zu tun hat.

Dass ich wieder Zeit und geistigen Raum habe, um in meiner privaten Küche zu kochen, ist ein grosser Gewinn an Lebensqualität. Für Freunde oder meine Freundin einfache Dinge aufzutischen, die Spass machen und schmecken, ist eine wirklich befriedigende Tätigkeit.

So kommt es, dass in einem unserer Gefrierfächer zum Beispiel immer eine Rolle mit einem Cookie-Teig liegt. Kommt Besuch zum Kaffee oder möchte das Vermieterpaar kurzfristig etwas besprechen, hole ich die gefrorene Rolle aus der Kälte, schneide ein paar Scheiben Teig ab und backe die Cookies einige Minuten im Ofen (siehe Rezept). Das ist nur eine kleine Beilage zum Kaffee, aber eine grosse Freude für die Gäste.

Grobschlächtig, aber ein vielseitiges Kraftpaket

Das Cookie mit amerikanischen Wurzeln ist im Unterschied zum Schweizer Guetsli etwas grösser und vielleicht grobschlächtiger. Wer zwei, drei davon zum Kaffee geniesst, hat vermutlich genug ­Energie bis zum Abendessen. Das Cookie darf ruhig auch etwas unregelmässig sein und braucht keine akkurate Kreisform aufzuweisen. Bei Wikipedia wird das Cookie übrigens sehr kurz und bündig de­finiert: Ein Cookie ist gebackenes Essen, das klein, flach und süss ist.

Wer will, kann aus einer Cookie-Scheibe natürlich auch ein ganzes Dessert machen: In kleine Stücke brechen, dazu etwas Früchte oder Beeren und eine Kugel Eis ergibt schon einen schlichten, aber feinen Nachtisch. Cookies in kleinen Stücken passen ausserdem zum Frühstücksjoghurt oder zu Quark.

Datteln ersetzen

Und natürlich lässt sich auch das Rezept variieren: Statt Datteln eignen sich auch Haselnüsse und halbgetrocknete Früchte oder Beeren wie Aprikosen oder Cranberries. Hafer kann ganz oder teilweise durch Dinkel ersetzt werden und ein Teil des Zuckers mit Honig. Die sehr amerikanische Variante sind schliesslich die klassischen Chocolate Chips Cookies, dafür ersetzt man die Datteln mit 200 Gramm dunkler Schokolade, grob gehackt oder in Würfeln.

Ein letzter Grund, warum ich diese Cookies mag, ist ihre Qualität als kleines Kraftwerk für unterwegs. Die Energie von Datteln und Haferflocken (und etwas Mehl, Butter und Zucker), die man zu Hause mit den eigenen Händen in eine (fast) runde Form gebracht hat, scheint mir wertvoller zu sein als jene von einem industriell hergestellten Riegel aus zu viel Fett und Zucker. Kurz, man kann das Cookie drehen und wenden, wie man will, es bleibt aus jeder Perspektive zwar tatsächlich etwas grobschlächtig, aber doch liebenswert.

Nenad Mlinarevic gehört zu den besten Köchen der Schweiz. Er wurde mit 2 Michelin-Sternen, 18 «Gault Millau»-Punkten sowie dem Titel «Koch des Jahres» ausgezeichnet. Seit kurzem führt er mit zwei Partnern das Traditionslokal Bauernschänke in der Zürcher Altstadt mit einem neuen Konzept. Er schreibt hier über Gerichte, die er zu Hause für sich, seine Partnerin und Freunde kocht. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 05.08.2018, 19:46 Uhr

Haferflocken-Cookies mit Datteln

für viele Gäste

450 g Butter
5 g Salz
400 g Rohrzucker
340 g Weissmehl
15 g Backpulver
250 g Haferflocken
3 Eier
250 g Datteln, entsteint und grob gewürfelt
Zimtpulver

Butter mit Salz und einer Prise Zimtpulver in der Küchenmaschine verrühren. Zucker dazugeben und verrühren, Mehl mit dem Backpulver mischen und ebenfalls gründlich in die Butter-Zucker-Mischung einarbeiten. Die Haferflocken unter die Masse heben und dann die Eier einzeln zugeben. Jeweils warten, bis ein Ei komplett von der Teigmasse aufgenommen wurde, dann das nächste Ei zugeben. Zum Schluss die Dattelstücke einarbeiten. Den Teig im Kühlschrank etwa 30 Minuten fest werden lassen. Mithilfe von Backpapier aus dem Teig Rollen von ca. 5 cm Durchmesser formen. Im Kühlschrank eine Stunde fest werden lassen oder die Rollen in Frischhalte­folie tiefgefrieren.

Den Ofen auf 190 Grad Heissluft ­vorheizen. Von den kalten oder ­gefrorenen Cookie-Rollen Scheiben von 1,5 cm Dicke abschneiden und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben. Die Cookies etwa 11 bis 13 Minuten backen; sie sollten in der Mitte nicht ganz durchge­backen sein. Auf einem Gitter auskühlen lassen.


Ein Gitter aus Edelstahl (ca. 15 Franken) ist ein wichtiges Utensil für Hobbybäcker. Kommt das Gebäck – Cookies, aber auch Wähen oder Kuchen – aus dem Ofen, sollte es möglichst schnell vom Blech oder aus der Form genommen und zum Abkühlen auf ein Gitter gelegt werden, damit es knusprig bleibt. Ein Kuchengitter eignet sich aber auch, um darauf etwa ein Poulet im Ofen zu braten. Dafür legt man das Gitter in eine Backform, das Fett kann so schön abtropfen, und die Geflügelhaut wird knuspriger.

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