Bund findet keine Mieter für Leuthards Wohnung

Das einstige Appartement von Doris Leuthard an bester Lage in steht seit Monaten leer, obwohl in Bern Wohnungsnot herrscht.

In Bern herrscht akute Wohnungsnot. Da stört es den einen oder anderen, wenn der Bund seine Wohnungen leer stehen lässt. Foto: Peter Schneider (Keystone)

In Bern herrscht akute Wohnungsnot. Da stört es den einen oder anderen, wenn der Bund seine Wohnungen leer stehen lässt. Foto: Peter Schneider (Keystone)

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Walter allein zu Haus: Im Von-Wattenwyl-Haus in der Berner Altstadt residiert nur noch Bundeskanzler Walter Thurnherr. Die zweite Wohnung im Gebäude sowie ein separates Zimmer stehen seit Monaten leer. Alt-Bundesrätin Doris Leuthard und CVP-Nationalrat Martin Candinas, die dort eingemietet waren, sind bereits Anfang Jahr ausgezogen. «Die Räumlichkeiten sind zurzeit nicht vermietet», bestätigt das Bundesamt für Bauten und Logistik auf Anfrage. Das BBL ist für die Vermietung zuständig, das Haus gehört dem Bund.

Die leeren Räume sorgen jetzt für Ärger. In der Bundesstadt ist es schwierig, eine Bleibe zu finden. Die Leerwohnungsziffer liegt bei 0,56 Prozent. «Die Wohnungsnot ist gross, Leerstände sind in dieser Situation nicht tolerierbar», sagt Natalie Imboden. Sie ist Generalsekretärin des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbands sowie Co-Präsidentin der Grünen Kanton Bern. Imboden kann es nicht verstehen, dass die Wohnungen im Von-Wattenwyl-Haus unbesetzt sind.

Dazu kommt, dass dem Bund bereits Mieteinnahmen von mehreren Tausend Franken entgangen sind. SVP-Nationalrat Erich Hess sagt denn auch: «Es ist nicht im Interesse der Steuerzahler, wenn die Wohnungen leer stehen.» Dem Bund fehle der Willen, die Wohnungen zu vermieten. «Die Lage ist gut, und die Preise sind deutlich unter Marktwert. Da sollten sich problemlos seriöse Mieter finden lassen.» Hess sorgte im letzten Jahr mit einem Vorstoss dafür, dass die Mieten im Von-Wattenwyl-Haus bekannt wurden. Leuthard musste für ihre 5-Zimmer-Wohnung 2450 Franken pro Monat bezahlen – inklusive Nebenkosten. Candinas erhielt das Zimmer für gerade einmal 200 Franken monatlich.

Bund duldet nur «Magistratspersonen»

Neu gewählte Parlamentarier oder Chefbeamte der Bundesverwaltung: Gemäss Natalie Imboden gibt es genug Leute, die im Von-Wattenwyl-Haus einziehen könnten. «Ich wünsche mir, dass die Wohnungen möglichst rasch wieder besetzt werden.» Ansonsten müsse man das Zielpublikum ändern oder die Wohnungen an die Stadt Bern abgeben, die diese «mit Handkuss» übernehmen würde. Erich Hess regt ausserdem an, Büros einzurichten. Damit könnte sich der Bund die Miete für andere Räumlichkeiten sparen. So einfach ist das allerdings nicht. In den 30er-Jahren ging das Patrizierhaus durch eine Schenkung an die Eidgenossenschaft über – verbunden mit Auflagen. Die Nutzung durch Dritte etwa ist ausgeschlossen. Der Bundesrat empfängt heute im unteren Teil des Gebäudes Gäste oder führt politische Gespräche durch. Die Wohnungen werden gemäss BBL nicht auf dem freien Markt angeboten. «Angestrebt wird die Vermietung an Magistratspersonen.»

Vielleicht hilft es ja, wenn das BBL an der nächsten Bundesratssitzung ein paar Flyer verteilt.



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Erstellt: 21.12.2019, 23:47 Uhr

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