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Der gemeine Stinker

Seit unser Autor mit dem Rauchen aufgehört hat, leidet er an seinen Mitmenschen. Vor allem in diesen heissen Tagen.

Mit dem Rauchen aufzuhören, erweist sich spätestens im Sommer als schlechte Idee. Die feiner gewordene Nase leidet Qualen. Vor allem an Hitzetagen wie diesen ist er überall anzutreffen – ob im Büro, Tram oder im Zug: der gemeine Stinker, die ungewaschene Form des Homo sapiens in muffigen Tüchern, die allen aufklärerischen und hygienischen Bemühungen zum Trotz nicht auszurotten ist.

Primäres Merkmal des Stinkers ist ein säuerlich beissender, stets penetranter, teils auch süsslich-herber Gestank, der kreisförmig meterweit diffundiert oder hinterhergetragen wird, wenn der Stinker sich bewegt. Äussere Merkmale sind Flecken an Hemdkragen sowie unter den Achselhöhlen.

«Ziel dieser Hitzetage ist es, jegliche Art des Stinkers grossflächig zu meiden.»

Der Stinker ist vorwiegend männlich; weibliche Exemplare dünsten generell dezenter und lieblicher aus, zudem neigen sie vom Wesen her ganz allgemein viel eher zur Reinlichkeit. In der sommerlichen Wildbahn sind aber auch ganze Familien zu wittern, die stinken.

Sowie die verschiedensten Untergruppen: der exzessive Stinker, der Sitzungszimmer für mehrere Stunden in olfaktorische Sperrzonen verwandelt. Der Öko-Stinker, der Deodorants für todbringend, seinen eigenen Geruch jedoch für ein Naturereignis hält. Oder der mitunter stumpfsinnige Stinker im öffentlichen Raum, in ärmellosen Shirts, mit nassfeuchter Haut und ausladender Gestik.

Ziel dieser Hitzetage ist es, jegliche Art des Stinkers grossflächig zu meiden. Nur besonders Mutige wagen sich heran und bitten ihn, zumindest hautanliegende Kleider täglich zu wechseln und delikate Körperpartien gründlich zu waschen. Wie die Erfahrung zeigt, ist dabei Vorsicht geboten: Manche Stinker reagieren auf derlei Hinweise mit unverhohlener Erregung und damit zwangsläufig einhergehender zusätzlicher Ausdünstung.

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