Der Gewinner des Jahres heisst: Donald Trump

Entgegen allen Prognosen und trotz Impeachment bringt der US-Präsident ein erfolgreiches 2019 hinter sich.

Illustration: Kornel Stadler

Illustration: Kornel Stadler

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Endlich! Millionen von politischen Gegnern jauchzen darüber, dass Donald Trump einem Impeachment-Verfahren unterzogen wurde. Sie ahnen, dass der verhasste US-Präsident nicht abgesetzt wird. Doch vielen reicht es, dass Trump für immer das Kainsmal des Impeachment auf der Stirn tragen muss.

Vielleicht freuen sie sich zu früh. Donald Trump segelt nämlich mit erstaunlich starkem Rückenwind ins kommende Wahljahr.

Anfang 2019 schien sein Schicksal besiegelt. In den Herbstwahlen zuvor hatten die Demokraten eine starke Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückerobert. Sonderermittler Robert Mueller näherte sich dem Abschluss seines Untersuchungsberichts, der Trump der Verschwörung mit den Russen überführen würde. Ende Dezember 2018 verharrte die Zustimmungsquote des Präsidenten im Umfrageschnitt auf bloss 42 Prozent.

Heute, nach Monaten negativer Impeachment-Presse, ist seine Popularität auf 45 Prozent angestiegen. Anstatt ihn politisch lahmzulegen, scheint das ausgehende 2019 Trump zu beflügeln. Nach einer Umfrage vom November würde er in den wahlpolitisch wichtigen Gliedstaaten Michigan, Wisconsin und Pennsylvania jeden der führenden demokratischen Kandidaten besiegen.

Trumps Erfolgssträhne begann im Frühling, als sich der Mueller-Bericht als Blindgänger erwies. Der Verdacht der Russenverbandelung hatte sich nicht bestätigt; daran konnte auch ein Auftritt Muellers im Kongress nichts ändern. Im Dezember fühlte sich Trump zusätzlich bestätigt, als der Generalinspekteur des Justizdepartements bei den Chefs der gegen ihn gerichteten FBI-Ermittlungen schwere Verfehlungen rügte.

Trumps politische Standfestigkeit wurzelt im guten Gang der US-Wirtschaft. Letzten Sommer verflüchtigten sich Anzeichen einer möglichen Rezession. Seitdem läuft die Konjunktur auf Hochtouren.

Das merken die Menschen. 82 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner geht es besser als vor einem Jahr, und 78 Prozent erwarten für ihre persönlichen Finanzen 2020 nochmals Fortschritte. Seit 16 Monaten wachsen die Löhne jährlich mehr als 3 Prozent. Davon profitieren tiefe Lohnklassen am stärksten: Saläre von Arbeitern stiegen zuletzt um 3,7 Prozent, jene von Managern um unter 1 Prozent. Es gibt 1,4 Millionen mehr offene Stellen als Stellensuchende. Die Aktienmärkte, die seit Trumps Wahl um 50 Prozent zulegten, beenden das Jahr auf Rekordständen.

Gesetzgeberisch gelang Trump eine überparteiliche Strafrechtsreform. Dem Pentagon konnte er mehr Mittel zuspielen, darunter Geld für den Mauerbau an der Südgrenze und für die Schaffung einer neuen «Space Force» für den Schutz von US-Satelliten im Weltraum. Zwei Wahlversprechen erfüllte er mit dem Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen und dem Nukleardeal mit dem Iran. In der vergangenen Woche brachte Trump sogar ein erstes Handelsabkommen mit China zustande und gewann das Einverständnis der Demokraten für den Nafta-Nachfolgevertrag mit Kanada und Mexiko.

Selbst die politische Bilanz des Impeachment-Kampfs hat positive Elemente: Während kein einziger Republikaner für Trumps Absetzung stimmte, wandten sich zwei respektive drei Demokraten dagegen; einer von ihnen wechselte sogar zu Trumps Partei über. Belässt der Senat Trump erwartungsgemäss im Amt, wird der Präsident seinen Freispruch stolz als Trophäe des Siegs über eine Hexenjagd vor sich hertragen.

Heisst das alles nun, dass der umstrittene Präsident die Wiederwahl im November in der Tasche hat? Überhaupt nicht. Schon immer war er selbst sein grösstes Risiko. Niemand weiss, wozu sich ein entfesselter Trump nächstes Jahr hinreissen lässt.



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 22.12.2019, 19:44 Uhr

Artikel zum Thema

Verscherzt es sich Trump mit den evangelikalen Christen?

«Ihr wollt lieber einen linken Nichtgläubigen, der euch eure Waffen wegnimmt», wirft Donald Trump ausgerechnet seinen treusten Fans vor. Mehr...

Pelosi lädt Trump zu Rede zur Nation ein

Das Repräsentantenhaus sprach die Einladung «im Geiste des Respekts vor der Verfassung» aus. Trump sagte umgehend zu. Mehr...

Historisches Votum gegen Donald Trump

Das Repräsentantenhaus hat offiziell entschieden, dass der US-Präsident angeklagt wird. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Natürliche Kunst: Douglas Ciampi aus Massachusetts steht neben einer eisbedeckten Antenne auf dem Gipfel des Mount Washington. (24. Februar 2020)
(Bild: Robert F. Bukaty) Mehr...