Der ­Schnäppchen-Terror im Internet ist kontraproduktiv

Durch die immer aggressiveren Aktionen der Onlineshops entsteht bei den Konsumenten eine neue Art von Stress.

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Meine Tochter braucht dringend neue Sandalen. Da mein Zeitbudget beschränkt ist und die Kleine anfängt, ihre eigenen modischen Ansprüche zu stellen, haben wir das Internet nach den passenden Objekten abgesucht.

Das Fazit des Projekts: Wir haben knapp vier Stunden damit verbracht, uns durch Zalando und Co. zu klicken und nach dem besten Deal zu suchen. Bei zwei Anbietern wurden Pakete bestellt, die wieder retourniert werden mussten. Sandalen sind noch immer keine da. Die Tochter ist frustriert, und ich brauch eine Shopping-Pause.

All das hätte auch passieren können, wenn wir in die Stadt gefahren wären. Aber da hätten wir wenigstens noch ein bisschen Spass gehabt zusammen, weil wir gemütlich eingekehrt wären.

Einkaufen im Netz soll bequem sein, Zeit sparen. Der Service der Anbieter wird auch immer besser. Doch das riesige Angebot und die immer aggressiveren Aktionsangebote schaffen eine neue Art von Stress: den Homeshopping-Stress.

Mit Deadlines wird Kaufdruck erzeugt.

Sunday Deal, Mid Season Sale, Sale Night – die Betreiber der Webshops überbieten sich mit Rabatten. Denn die Umsätze im Schweizer Modemarkt schrumpfen seit längerem drastisch. Entsprechend aggressiv der Auftritt der Anbieter. Beinahe täglich beglücken sie einen mit Newslettern, die den Jagdinstinkt in uns Konsumenten wecken sollen: «Nur noch bis 23.59 Uhr: 30 Prozent auf Kleider und Sandalen», «Noch bis Ende Mai – 15 Prozent Rabatt» – mit Deadlines wird Kaufdruck erzeugt.

Das verfehlt seine Wirkung nicht. Man hat ständig das Gefühl, man verpasse etwas. Am Ende entscheidet man sich aus Verdruss und Unsicherheit für gar nichts. Genau darum sollte man den stationären Handel nicht voreilig abschreiben. Wenn die ganze Welt ein gigantisch expandierendes Online-Shoppingcenter ist, vereinfacht der physische Laden das Leben vielleicht wieder.

Erstellt: 05.05.2018, 20:07 Uhr

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