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Der «Steuerporno» und seine Nebenwirkungen

Was die Offenlegung der steuerbaren Einkommen mit einer Gesellschaft macht.

Früher konnte man vielerorts in öffentlichen Steuerregistern nachschauen, wie viel Einkommen der Nachbar oder Freund versteuert. Viele Gemeinden druckten Steuerbücher, die zeigten, wer wie viel Steuern zahlte. Erst in jüngerer Zeit wurde die Einsicht ins Steuerregister mehr und mehr beschränkt, zum Teil abgeschafft. Den umgekehrten Weg ging ­Norwegen. Dort musste man ­persönlich einen Antrag stellen, um das Einkommen anderer einsehen zu können. Seit 2001 kann man das mühelos online tun.

Was ist wichtiger, Transparenz oder Datenschutz? Führt die Offenlegung zu mehr Steuerehrlichkeit? Oder geht es um Sozialneid und Schnüffelei? Norweger nutzten die Onlinedatenbank intensiv, und zwar hauptsächlich, um Freunde, Verwandte und Bekannte auszuspionieren. Smartphone-Apps erstellten Ranglisten mit den höchsten und niedrigsten Einkommen der Facebook-­Freunde oder Karten mit den Einkommen aller Personen in der Nachbarschaft.

Die Schnüffelei war so allgegenwärtig, dass die Medien den Begriff «Steuerporno» dafür prägten. Die Transparenz hatte jedoch ­unbeabsichtigte Nebenwirkungen, wie eine Untersuchung des ­Ökonomen Ricardo Perez-Truglia zeigt. Die Einkommensvergleiche beeinträchtigten das Wohlbefinden der ärmeren Norweger und steigerten das Selbstwertgefühl der Reichen. Seit 2014 sind ­anonyme Recherchen in der Steuerdatenbank nicht mehr möglich. Die Folge: Nun melden sich die meisten Benutzer an, um herauszufinden, wer nach ihren Steuerdaten recherchiert hat.

Fragen und Anregungen bitte an armin.mueller@sonntagszeitung.ch

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