UBS-Kurssturz wird für Ermotti gefährlich

Erstmals seit sieben Jahren sank die UBS-Aktie letzte Woche unter 10 Franken. Früher führte das zu einem Machtwechsel an der Spitze der Bank.

Führte die UBS an einen Punkt, an dem früher jeweils ein Machtwechsel stattfand: Chef Sergio Ermotti. Foto: EQ Images

Führte die UBS an einen Punkt, an dem früher jeweils ein Machtwechsel stattfand: Chef Sergio Ermotti. Foto: EQ Images

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Mangelnden Enthusiasmus für seine Bank kann man Sergio Ermotti nicht vorwerfen. Immerhin hat er am 26. Oktober eine Million UBS-Aktien gekauft und dafür 13'117 517.95 Franken eingesetzt. Für die meisten wäre dies ein Vermögen, für Ermotti ist es ein Jahresgehalt. Eine gute Anlage war das allerdings bisher nicht, denn seither hat die Aktie rund ein Viertel ihres Werts und Ermotti gut 3 Millionen Franken verloren.

Die Bank hat mittlerweile zwei symbolträchtige Limiten unterschritten: Erstens ist sie an der Börse weniger wert als das ausgewiesene Eigenkapital, zweitens sank am Mittwoch der Aktienkurs erstmals seit sieben Jahren unter die Marke von 10 Franken. In der Vergangenheit führte das jeweils zu einem Machtwechsel an der Spitze der Bank.

Generationenwechsel angestrebt

Allgemein gilt als ausgemacht, dass die Führung der UBS innert der nächsten zwei Jahre erneuert wird. Geht es nach den Wünschen der Beteiligten, wird Ermotti dereinst Verwaltungsrat, und UBS-Präsident Axel Weber geht in Pension, wenn Ermottis Nachfolge geregelt ist. Doch das ist nicht so einfach, denn überzeugende interne Anwärter sind keine zu sehen.

Als Hoffnungsträger bei vielen gilt Iqbal Khan, der sich vor gut einem Monat bei der Credit Suisse mit Bankchef Tidjane Thiam überwarf und seither keinen Job hat. Er weilt im Moment in den USA und kommt nächste Woche zurück in die Schweiz. Dann will er entscheiden, wo er seine berufliche Karriere fortsetzt. Gut möglich, dass er bei der UBS anheuert. Entsprechende Gespräche gab es jedenfalls. Spätestens im September werde entschieden, sagen Insider. Offiziell wollte niemand zu Personalien Stellung nehmen.

Könnte auf Ermotti folgen: Iqbal Khan war bis vor kurzem Topmanager bei der Credit Suisse. Foto: PD

Khan war der Mann, der bei der Credit Suisse im wiederentdeckten Kerngeschäft, der inter­nationalen Vermögensverwaltung, für Milliardenzuflüsse sorgte und die ­Profitabilität verdoppelte. Das wünschen sich Anleger auch bei der UBS.

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Zwar stehen unbestritten weltweit die Bankaktien unter Druck. Doch in der Schweiz hat die UBS mit einem Minus von über 17 Prozent seit Anfang Jahr am meisten von allen grossen Titeln verloren – und das, obwohl Ermotti der bestbezahlte Manager ist.

Auch ein Halbjahresgewinn von über 2,5 Milliarden Franken und der höchste Quartalsgewinn seit 2010 konnten den Abwärtstrend nicht brechen. Ein Grund dafür liegt laut Beobachtern darin, dass die Credit Suisse wächst, die UBS aber nicht. So sanken unter Tidjane Thiam die Kosten bei der Credit Suisse um 14 Prozent, während die Umsätze um 4 Prozent stiegen. Das führt zu einem höheren Gewinn. Noch wichtiger: Die Dynamik bei der Credit Suisse hält an. Im zweiten Quartal wuchs sie um 4 Prozent, während die UBS stagnierte. Das alles führt dazu, dass es der Credit Suisse gelingt, ihre Rendite zu steigern, während bei der UBS nichts passiert.

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Die Ursache hierfür liegt vor allem in der Vermögensverwaltung. Dort sinken die Margen bei beiden Banken, aber bei der UBS ist der Rückgang stärker als bei der Lokalrivalin. Gleichzeitig holt die Credit Suisse im Verhältnis viel mehr Neugeld als die UBS. Im Ergebnis sank der Gewinn der UBS in dieser Sparte gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent.

Vor diesem Hintergrund bleibt schleierhaft, warum UBS-Chef Ermotti vor anderthalb Jahren die internationale Vermögensverwaltung mit dem Amerikageschäft zusammenlegte, den langjährigen Chef Jürg Zeltner absetzte und mit Martin Blessing und Tom Naratil eine Doppelspitze installierte. Dazu sagt die UBS: «Die untenstehende Grafik vergleicht die Entwicklung der Margen zweier Geschäfte, die an sich nicht vergleichbar sind. Das US-Vermögensverwaltungsgeschäft ist ein Brokermodell mit tieferen Margen und damit mit der traditionellen Vermögensverwaltung in anderen Märkten nicht vergleichbar.»

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Einzig im lange kriselnden Investmentbanking hat die UBS ein vergleichsweise gutes Resultat abgeliefert. Und es soll noch besser kommen, die Co-Chefs Piero Novelli und Rob Karofsky, die seit knapp einem Jahr die Bank führen, wollen mehr Synergien mit der Vermögensverwaltung heben. Dabei geht es offenbar um ein Sparprogramm, das gut 100 Stellen betrifft. Allerdings ist die Zahl der Mitarbeiter in diesem Bereich im vergangenen Quartal gestiegen. Unter dem Strich wächst der Gewinn bei der Credit Suisse, während bei der UBS die Fantasie fehlt.

Die UBS will nicht viel ändern

Ähnliches geschieht bei den Dividenden und den Aktienrückkaufprogrammen, die bei beiden Banken laufen. Vergleicht man die Dividenden, ist der Fall klar. Die UBS hat in den letzten Jahren deutlich mehr Dividende ausbezahlt als die Credit Suisse, die zwei Kapitalerhöhungen durchführen musste. Wenn man nur auf die steigende Dividende schaut, entwickelte sich die UBS-Aktie zu einer rentablen Anlage. Laut UBS-Sprecher Samuel Brandner wirkt sich das allerdings negativ auf den Kursverlauf aus: «Seit 2011 hat die UBS den Aktionären über 15 Milliarden Franken an Dividende ausbezahlt, mehr als die meisten der internationalen Konkurrenten. Entsprechend fällt der Aktienpreis nach Ausschüttung der Dividende auch mehr.»

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Die UBS will dieses Jahr für eine Milliarde Franken eigene Aktien zurückkaufen. Die Credit Suisse legte sich nicht genau fest und gab eine Zielgrösse von 1 bis 1,5 Milliarden Franken an. Im Verhältnis zur Grösse der Bank ist das deutlich mehr. Damit lässt sich der Kurs stützen. Im ersten halben Jahr hat die Credit Suisse denn auch bereits im Umfang von 570 Millionen Franken eigene Aktien gekauft, bei der UBS waren es lediglich 310 Millionen Franken.

Die Aktienrückkäufe sollen nun intensiviert werden. Ansonsten glaubt man bei der UBS nicht, dass viel geändert werden soll. «Trotz der aktuellen Marktentwicklungen verfügt die UBS über ein hoch profitables Geschäftsmodell, das sich gegenüber seinen globalen Konkurrenten punkto Rentabilität weiterhin positiv abhebt», sagt Brandner und fügt an: «Die Entwicklung der Aktienpreise der Banken beruht zurzeit auf dem sich verschlechterten makroökonomischen Umfeld, dazu zählen die zunehmenden geopolitischen Spannungen, globale Rezessionsängste und damit verbundene Zinssenkungen.»



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Erstellt: 19.08.2019, 11:40 Uhr

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