Die Bank Bär steht vor einem Führungswechsel

Der langjährige Präsident Daniel Sauter soll im Frühjahr zurücktreten.

Seine Wachstumsstrategie bringt Julius Bär in Schwierigkeiten: Verwaltungsratspräsident Daniel Sauter. Foto: Getty Images

Seine Wachstumsstrategie bringt Julius Bär in Schwierigkeiten: Verwaltungsratspräsident Daniel Sauter. Foto: Getty Images

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Seit dem Abgang von Boris Collardi als CEO vor rund einem Jahr steckt bei der Bank Bär der Wurm drin: die schlechteste Börsenperformance der grossen Schweizer Banken, proportional die meisten Rechtsfälle – es gibt kaum einen grossen Skandal, in dem Bär nicht auftaucht – und ein Verwaltungsratspräsident, der nicht loslassen will, obwohl er eigentlich müsste. Doch nun sieht alles danach aus, als müsste der Wachstumsstratege Daniel Sauter gehen und als würde er sich im nächsten Frühjahr nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung stellen. So zumindest habe er sich im privaten Umfeld geäussert, wie verlässliche Quellen sagen.

«Schwach in fast allen Belangen», lautete das Fazit der Analysten, als Julius Bär vor zehn Tagen eine Gewinnwarnung herausgeben musste. Die Marge ging runter, die Kunden waren passiv, und die von den Regulatoren geforderte Kernkapitalquote lag bei 13 statt bei knapp 14 Prozent – wie erwartet.

Doch dass die Aktie seit Anfang Jahr ein Drittel ihres Werts verlor, liegt nicht an ein paar schwachen Quartalszahlen. Es zeigt sich vielmehr, dass die Wachstumsstrategie der letzten Jahre, die Sauter zusammen mit Ex-Chef Collardi forcierte, die Bank heute in die Bredouille bringt. Seit dem Amtsantritt von Sauter 2012 ist die Bank vor allem in Asien und Lateinamerika stark gewachsen. Zum Teil mit Übernahmen, zum Teil durch Abwerbung der Kundenberater bei der Konkurrenz. In den letzten zehn Jahren stiegen die verwalteten Vermögen von 158 auf 393 Milliarden Franken.

Der Bank droht ein Führungsproblem

Doch die Compliance, die das Wachstum überwachen sollte, kam mit den neuen Herausforderungen nicht zurecht. Seit einem Jahr läuft ein Programm, das sicherstellen soll, dass die Geldwäschereinormen eingehalten werden. Offenbar waren die Kundendokumentationen unvollständig und die PEP-Regeln (Umgang mit Kunden, die hochrangige Regierungsmitglieder oder deren nächste Verwandte sind) wurden ungenügend eingehalten. Das sagt jemand, der die Dossiers gesehen hat. Bei der Pressestelle wird das nicht bestritten. Aber sie betont, man habe mit den Abklärungen freiwillig und nicht etwa auf Druck von Regulatoren begonnen.

Unter Druck ist Bär trotzdem. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) hat ein Enforcement-Verfahren gestartet und die Prüfgesellschaft De­loitte beauftragt, die Prozesse bei der Bank zu durchleuchten. Der Bericht soll verheerend und in den Augen der Bär-Führung fehlerhaft sein, worauf die Wirtschaftsanwälte von Wenger Plattner beauftragt wurden, eine zweite Untersuchung zu starten. Diese ist dem Vernehmen nach noch im Gang. Es geht um Konten und Transaktionen im Umfeld des Weltfussballverbands, Fifa, des venezolanischen Ölkonzerns PDVSA und der brasilianischen Petrobras. In alle Fälle sind zwar auch andere Banken verwickelt, doch hat die Credit Suisse eine ähnliche Untersuchung bereits mit einer Rüge überstanden. Dass Bär auch so glimpflich davonkommt, glaubt eigentlich niemand, nur schon weil die Untersuchung viel länger dauert. Viel eher ist zu erwarten, dass mit dem Abschluss der Untersuchung personelle Konsequenzen nötig werden.

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Auch deshalb soll Sauter an der Generalversammlung im Frühjahr nicht mehr zur Wiederwahl antreten, heisst es. Ob das reicht, ist aber unsicher. Der heutige CEO Bernhard Hodler sitzt seit zehn Jahren in der Geschäftsleitung – bis vor einem Jahr als Chief Risk Officer. Er war direkt in die Rechtsfälle involviert. Collardi ging nach seinem Abgang nach Genf und wurde Teilhaber bei der Pictet-Gruppe. Sein abrupter Wechsel im letzten Herbst sei freiwillig gewesen, betont die Bank bis heute. Doch Collardi verzichtete auf 5 Millionen Franken Bonus und zahlte einen Kredit von 10 Millionen zurück. Je nach Ausgang der Untersuchung haben bald einmal Julius Bär und vielleicht auch Pictet ein Führungsproblem.

Hodler ist bei Julius Bär spätestens seit der Gewinnwarnung auch wegen der schlechten operativen Ergebnisse umstritten. Es wird gemunkelt, dass Oliver Bartholet, der kürzlich von der UBS zu Bär kam, ihn notfalls ersetzen könnte. Unklar ist, wie Bär auf die operativen Probleme reagieren will. Eigentlich hiess es, die Firma wolle auf die Kostenbremse stehen. Laut Mediensprecher Jan Vonder Mühll ist aber keine Personalreduktion vorgesehen. Zum Abgang Sauters will er sich nicht äussern. Er betont aber, dass dank einer Ausnahmeregelung auch eine Amtszeitverlängerung möglich wäre, obwohl Sauter bereits zwölf Jahre im VR sitzt und darum eigentlich gehen müsste.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 02.12.2018, 13:12 Uhr

Credit Suisse will keine Entlassungen

Am 12. Dezember präsentiert CS-Chef Tidjane Thiam seinen Aktionären die Strategie für die nächsten Jahre. Gemäss eigenen Angaben hat die Bank in den letzten drei Jahren den Turnaround geschafft und will nun in die Zukunft schauen. Nur glaubt das ausser dem Management niemand. Der Aktienkurs ist im freien Fall, die Belegschaft beunruhigt. In der Schweiz wurden letztes Jahr 530 Stellen abgebaut, im ganzen Konzern 1160. Während das Schweizer Geschäft gut läuft, verursachen die «Global Markets» Verluste. Darum kamen in Zürich wie auch in London und den USA Gerüchte auf, es seien Entlassungen geplant. Bei der Pressestelle schliesst man nun aber «den aktiven Abbau Hunderter Stellen» aus. Die Bank werde ihr Ziel, die Kosten auf 16,5 bis 17 Milliarden Franken zu senken, auch so erreichen. Ein wesentlicher Treiber sei der Rückkauf von völlig überteuerten Anleihen aus der Finanzkrise, welche die Bank – oder genauer die «Global Markets» – 700 Millionen Franken pro Jahr kosteten. (ar)

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