Die Banken bleiben ein Haifischbecken

In der Finanzbranche geht es ruppiger zu, als es die Fassaden vorspiegeln. Das zeigt die Beschattungsaffäre der Credit Suisse.

«Mit der Beschattung eines ­prominenten Bankers setzte sich die CS einem grossen Reputationsrisiko aus», schreibt Autor Beat Schmid. Illustration: Phillip Bürli.

«Mit der Beschattung eines ­prominenten Bankers setzte sich die CS einem grossen Reputationsrisiko aus», schreibt Autor Beat Schmid. Illustration: Phillip Bürli.

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Entschuldigungen sind nichts Aussergewöhnliches. Man entschuldigt sich, wenn man zu spät an einen Termin kommt oder einen Geburtstag vergisst. Aussergewöhnlich ist höchstens, wenn einem Banker eine Entschuldigung über die Lippen kommt. So wie Urs Rohner am letzten Dienstag: Die Beschattung des scheidenden ­Managers ­Iqbal Khan sei «falsch» gewesen. «Dafür entschuldige ich mich bei der Familie Khan», sagte er vor den Medien.

Die Entschuldigung und die klare Verurteilung der Aktion sind erstaunlich. Denn Beschattungen sind weder illegal noch beispiellos. In der Geschäftswelt sind sie ­keine Ausnahme. Allerdings werden sie nur in den seltensten Fällen ­bekannt. Aber auch missratene ­Aktionen wie jene der Credit Suisse sind schon vorgekommen. Zum Beispiel, als Julius Bär den Ex-­Mitarbeiter und Whistle­blower Rudolf Elmer beschatten liess.

Beschattungsaktionen bleiben aber äusserst grenzwertige Mittel, die in einer Branche eingesetzt werden, in der es ruppiger zugeht, als dies die sauber geputzten ­Fassaden vorspiegeln. Selbst der Verwaltungsrat der Credit Suisse bestätigte in seinem Statement diese Woche, dass er das «Ergreifen geeigneter Massnahmen zum Schutz des Unternehmens» unterstütze, etwa wenn leitende ­Mitarbeiter die Bank verlassen. Nur will er offenbar keine Beschattungen, schon gar keine solchen, die in einem Fiasko enden. Andere Observierungsmethoden, die aus der Toolbox der Nachrichtendienste stammen und die Persönlichkeitsrechte tangieren, scheinen dagegen erlaubt zu sein.

«Der Bericht zur Untersuchung sollte Klarheit schaffen, erreichte aber das Gegenteil.»

Das Problem im Fall Iqbal Khan ist: Mit der Beschattung eines ­prominenten Bankers setzte sich die Bank einem grossen Reputationsrisiko aus. Man kann sich auf den Standpunkt stellen, dass dieses Risiko die Gefahr, Kunden und Mitarbeiter an die Konkurrenz zu verlieren, deutlich übersteigt. Urs Rohner scheint zu diesem Schluss gekommen zu sein.

Trotzdem ist die klare Verurteilung heikel. Die Bank hatte Grund zur Annahme, dass Khan während seiner Kündigungsfrist gegen die Interessen der Bank verstossen könnte. Dass er eben Mitarbeiter oder Kunden zur Konkurrentin ­abwerben könnte. Deshalb wurde eine Detektei beauftragt, und auch erst nachdem bekannt wurde, zu welcher Bank Khan wechselt. Pierre-Olivier Bouée, die rechte Hand von CS-Chef Tidjane ­Thiam, gab zu Protokoll, dass sich die ­Risiken «materialisiert» hätten. Doch Bouée ist inzwischen entlassen worden.

Die von Rohner initiierte Blitzuntersuchung der Ereignisse durch die Kanzlei Homburger ist ebenfalls nicht unproblematisch. Der Bericht sollte Klarheit schaffen, doch er erreichte das Gegenteil. Hängen bleibt, dass Bouée die ­Aktion ohne Wissen von Thiam angeordnet haben soll – was ­wenig glaubwürdig ist. Obwohl er sich formell hinter seinen CEO stellte, beschädigte Urs Rohner mit dem Homburger-Bericht und seiner deutlichen Verurteilung der Beschattungsaktion die Glaubwürdigkeit von Tidjane Thiam. Damit verschärfte er die Krise der Credit Suisse zusätzlich.



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Erstellt: 05.10.2019, 22:32 Uhr

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