Die Burka ist eine Form von Züchtigung

Das Verhüllungsverbot ist aus Gründen der Solidarität eine Selbstverständlichkeit. Dass man dagegen sein kann, wundert Bettina Weber.

Wir sollten es nicht akzeptieren, dass eine Religion Frauen die Verschleierung vorschreibt, findet Bettina Weber. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Wir sollten es nicht akzeptieren, dass eine Religion Frauen die Verschleierung vorschreibt, findet Bettina Weber. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

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Der Ständerat lehnte diese Woche die Burkainitiative deutlich ab. Sie löse kein Problem, wurde argumentiert. Und Kleidervorschriften zu erlassen, sei nicht Sache eines liberalen Staates. Man müsse «das» aushalten, hiess es auch noch. Es war nicht klar, was mit «das» gemeint ist: dass Nikab und Burka eine Machtdemonstration derer sind, die Frauen als Menschen zweiter Klasse betrachten? Weshalb sollten wir das «aushalten»?

Die Vollverschleierung ist die unübersehbare Manifestation der Geschlechter-Apartheid. Man raubt den Frauen damit die Persönlichkeit und die Identität, man tilgt sie aus dem Strassenbild. In der Öffentlichkeit existiert das Weibliche nur noch in Form von schwarzen oder hellblauen Stoffbahnen. Sich verhüllen zu müssen, ist eine Form der Züchtigung.

Wer dieses Symbol der Unterdrückung hinnimmt, legitimiert die dahinterstehende Verachtung. Wer es erlaubt, macht sich zum Steigbügelhalter und zum Mittäter, ist solidarisch mit den Herrschenden statt mit den Beherrschten, setzt ein Zeichen, das da heisst: Die Abwertung von Frauen ist in Ordnung. Wer es toleriert, macht sich mitschuldig, dass gesichtslose Wesen zur Normalität werden, statt dass sie Entsetzen hervorrufen.

Es geht deshalb nicht darum, wie viele Burkas in der Schweiz getragen werden. Die Frage ist völlig nebensächlich, weil es bei Gesetzen nicht um die Häufigkeit der zu verbietenden Tat geht. Sondern um Haltung. Gesetze widerspiegeln das, was eine Gesellschaft missbilligt und deshalb sanktioniert. Sie haben mit Überzeugungen zu tun, manchmal auch mit Moral.

Aus Solidarität mit allen Frauen dieser Welt, die gezwungen werden, sich unkenntlich zu machen, ist es daher eine Selbstverständlichkeit, dass wir hier dagegen halten, Position beziehen und sagen: Wir akzeptieren das nicht.

Erstellt: 28.09.2019, 22:08 Uhr

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