Die dreiste Frau Leuthard

Die Sache mit dem Klimawandel ist einiges ­erfreulicher, als es die Apokalyptiker darstellen.

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Bergsturz in Bondo, Hurrikan in Texas, Monsun in Südasien: Erneut dominieren schreckliche Bilder von Naturkatastrophen die Nachrichten. Einmal mehr ist der Schuldige mit dem Klimawandel schnell ausgemacht. Tatsächlich ist die Sache einiges ­komplizierter. Und vor allem: weit erfreulicher als es die Apokalyptiker darstellen.

Wie die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft der ETH 2016 festhielt, hat sich in der Schweiz die Zahl der Naturereignisse, die zu Todesfällen führten, in den letzten 70 Jahren mehr als halbiert, liegt aktuell bei rund 5 pro Jahr. «Stark rückläufig» sind auch die durch Hochwasser, Erdrutsche, Steinschläge, Blitz, Sturm und Lawinen verursachten Opferzahlen. Zwar kamen seit 1946 bei insgesamt 635 Ereignissen 1023 Menschen ums Leben, doch dank besserer Vorhersagen, Schutzbauten und Gefahrenkarten hat sich diese Zahl laufend verringert. Zugenommen hat einzig die Menge der verunglückten Freizeitsportler, die abseits der Skipisten oder gesicherten Wanderwege unterwegs waren. Ursache für diese tragischen Unglücksfälle ist aber weniger der Klimawandel als menschlicher Leichtsinn.

Diese Daten haben Bundesrätin Doris Leuthard nicht daran gehindert, nach dem Bergsturz von Bondo «immer mehr» solcher Ereignisse zu beklagen und eindringlich vor dem Klimawandel zu warnen. Für Leuthard, die ihre Energiepolitik propagieren will, war Bondo die perfekte Bühne. Zum eigenen Vorteil noch am Unglücksort falsche Tatsachen zu verbreiten – während acht Tote unter dem Schutt liegen und ein ganzes Dorf um seine Existenz bangt –, zeugt allerdings von einer Dreistigkeit, die auch von künftigen Bundesräten schwer zu überbieten sein wird. Zumal der Geologe des Kantons Graubünden, Andreas Huwiler, einen Zusammenhang mit dem Klimawandel ebenfalls ausdrücklich bezweifelte. Die Prozesse, die zu einem Bergsturz führten, dauerten «Tausende von Jahren», sagte Huwiler. Und der Eindruck, solche Ereignisse würden sich häufen, hänge schlicht mit unserer Wahrnehmung zusammen.

Tatsächlich ist auch in den USA die Zahl der ­Hurrikane, die auf amerikanischen Boden treffen, in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen. Weltweit sind die durch Stürme, Erdrutsche oder andere Naturkatastrophen verursachten Opferzahlen per Anteil der Weltbevölkerung erheblich ­gesunken. Und auch die damit verbundenen Kosten sind – trotz anderslautender Behauptungen – nicht gestiegen. Zwar hat sich die Summe seit 1990 fast verdoppelt, aber genauso stark ist die Weltwirtschaft gewachsen, sodass der Anteil am weltweiten BIP mit 0,3 Prozent stabil geblieben ist, wie die «New York Times» diese Woche schrieb.

«Was in den letzten Jahren stärker zugenommen hat als die Temperatur der Erdatmosphäre, ist die Propaganda der Behörden.»

Verantwortlich für diese positiven Nachrichten ist ausgerechnet das Wirtschaftswachstum, das als Hauptursache für den Klimawandel gilt. Dank immer neuer finanzieller Mittel konnten Sicherheits­standards entwickelt, wissenschaftliche Forschung und Naturschutz unterstützt sowie Abwasserwerke oder Schutzbauten installiert werden. Umso paradoxer ist es, dass sich der reichste Teil der Welt am meisten vor der Natur fürchtet – wo er doch am besten vor ihr geschützt ist.

Es geht hier nicht darum, den Klimawandel anzuzweifeln oder dessen reale Folgen zu verharmlosen. Was in den letzten Jahren allerdings merklich stärker zugenommen hat als die Temperatur der Erdatmosphäre, ist die Propaganda der Behörden und der ihr angehängten Öko-Industrie. Die Verbreitung selektiver oder gar falscher Fakten füllt zwar ihre Kassen – sorgt aber für unnötige Angst und untergräbt die Glaubwürdigkeit der gesamten Klimaforschung. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 02.09.2017, 23:15 Uhr

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