Die Fifa wird an ihren Versprechen gemessen werden

Die Fifa, die Uefa und das Internationalen Olympische Komitee verpflichten sich, die Menschenrechte bei Grossanlässen durchzusetzen.

Fifa-Hauptsitz auf dem Zürichberg.

Fifa-Hauptsitz auf dem Zürichberg. Bild: Keystone

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Darf man die Fifa, die in den vergangenen Jahren vor allem mit Bestechungsskandalen und der umstrittenen Vergabe der Fussball­weltmeisterschaften an Russland und Katar ­auffiel, auch mal loben?

Man darf. Für einmal ist die Fifa im positiven Sinn Pionierin. Als erster Weltsportverband setzt sie die UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte um. Damit verpflichtet sie sich, bei allen Aktivitäten die Menschenrechte zu ­respektieren. Und diese von ihren Vertrags­partnern – den Austragungsländern von Fussball­weltmeisterschaften und den Bauherren der ­Stadien – einzufordern. Dass sie bereit ist, ihre Verantwortung wahrzunehmen und bei der Vergabe und Durchführung von Fussballweltmeisterschaften nicht ­wegzuschauen, wenn Menschenrechte mit Füssen getreten werden, ist begrüssenswert.

«Ohne Druck wäre die Offensive wohl kaum so weit gediehen.»

Die Fifa bemüht sich zwar nach Kräften, den Eindruck zu erwecken, sie habe ihre Menschenrechtsoffensive aus ­eigenem Antrieb ­gestartet. Doch ohne den Druck von Sponsoren, ­Medien, Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen wäre diese wohl kaum so weit gediehen. Wichtig ist nun vor allem, dass die Fifa ihre Versprechen in die Tat umsetzt. Und da ist aus mehreren Gründen Skepsis angebracht. Erstens lässt der neue Präsident Gianni Infantino nicht erkennen, dass er seinen Verband ­grund­legend reformieren will. Die Entlassung der beiden Chefethiker, welche die dreckigen ­Geschäfte rund um die WM-Vergabe an Katar und Russland untersuchten, zerstörte das ­Vertrauen in den Weltfussballverband weiter.

Zweifeln lässt auch die Stellungnahme der Fifa zu Vorwürfen der Menschenrechtsorgani­sationen Amnesty International und Human Rights Watch. Diese stellten in gut dokumentierten Berichten fest, dass auf den WM-Baustellen in Katar und Russland weiterhin erschreckende Missstände bestehen. Die Fifa hingegen spricht von «vorbildlichen» Verhältnissen für die Arbeiter in Katar. Sie räumt zwar ein, dass es in Russland einige Probleme gebe, von Ausbeutung könne aber keine Rede sein. Ein Bericht von Human Rights Watch zeigt ein anderes Bild: Arbeiter erhalten monatelang ihre ohnehin kargen Löhne nicht – wenn sie sich wehren, werden sie von Sicherheitskräften bedroht.

Trotz aller Skepsis: Dass sich die Fifa zusammen mit der Uefa und dem Internationalen Olympische Komitee selbst verpflichtet hat, ab sofort die Menschenrechte rund um ihre ­Grossanlässe durchzusetzen, verdient An­erkennung. Die drei mächtigsten Sportverbände der Welt werden daran gemessen werden.

Erstellt: 19.08.2017, 23:16 Uhr

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