Die Integration in die Schulen ist kein Wunschkonzert

Kinder, die bei der Einschulung die jeweilige Landessprache nicht beherrschen, können den schulischen Rückstand nur schwer aufholen. Das zeigt die Erfahrung.

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Die Bevölkerung der Schweiz ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Statt 7,2 Millionen wie zur Jahrtausendwende wohnen nun 8,4 Millionen Menschen in der Schweiz. Getragen ist dieses Wachstum von der Zuwanderung. Einerseits ­kamen über die Personenfreizügigkeit viele ­Menschen aus Ländern der Europäischen Union in die Schweiz, andererseits im Zuge der ­deutschen Willkommenspolitik 2015 auch viele Flüchtlinge. In vielen Fällen gab es einen ­Familiennachzug.

In der Stadt Basel ist der Anteil der aus­ländischen Bevölkerung mit über 35 Prozent am höchsten. In der Stadt Zürich, mit 432'074 Einwohnerinnen und Einwohnern die grösste Stadt, sind von den 30- bis 39-Jährigen knapp die Hälfte Ausländer. Entsprechend gross ist der Anteil der Kinder in den Schulen, was zu Sprachproblemen führt, denn der Grossteil kommt nicht aus Deutschland oder Österreich, sondern aus Portugal, dem ehemaligen Jugoslawien und aus aussereuropäischen Ländern. Was das bedeutet, beschreibt eindrücklich eine Lehrerin im Beitrag unserer Reporterinnen Nadja Pastega und Lisa Aeschlimann.

«Die Resultate der Basler Deutschkurse sind sehr ermutigend.»

Dass die Schweiz Einwanderungswellen ­bewältigen muss, ist nicht neu. Meist gelang dies nach anfänglichen Problemen recht gut. Die ­Erfahrung zeigt aber, dass Kinder, die bei der Einschulung die jeweilige Landessprache nicht oder nur ungenügend beherrschen, den schulischen Rückstand nur schwer aufholen können und abgehängt werden. Darum hat Christoph ­Eymann (FDP) als Bildungsdirektor in Basel-Stadt in der Schweiz als Erster Deutschkurse für Kinder im Vorschulalter eingeführt. Schon ein halbes Jahr vor dem Kindergarteneintritt sollten Kinder, die nicht gut Deutsch können, in eine Spielgruppe gehen und dort Deutsch lernen. Die Resultate sind sehr ermutigend, denn die kleinen Kinder lernen spielerisch und schnell, sich zu verständigen. Viel schneller als wir Erwachsenen. Trotzdem konnte sich der Kanton Zürich nicht dazu ­durchringen, einen ähnlichen Weg zu gehen.

Nun fordert Eymann schweizweit eine obli­gatorische Sprachförderung für Kinder, die vor der Einschulung die Landessprache nicht hin­reichend beherrschen.Letztlich bedeutet die ­bisherige Politik nämlich, dass man den Sprachkurs für die Zugewanderten den Lehrerinnen und Lehrern aufbürdet. Doch die können die Aufgabe nur auf Kosten der übrigen Kinder bewältigen, oder sie schicken die Kinder später ins Deutsch für Fremdsprachige, wo sie mühsam nachholen müssen, was sie als Kleinkinder in der Spiel­gruppe spielerisch hätten lernen können. Beides ist im Resultat unbefriedigend für alle und – falls es dafür überhaupt einer ökonomischen Begründung bedarf – auch viel teurer.



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Erstellt: 17.08.2019, 22:54 Uhr

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