Die Leiden der Implenia-Manager

Beim grössten Schweizer Baukonzern rumort es erneut. Der Chef Anton Affentranger polarisiert.

Anton Affentranger, 61: «Ich stehe derzeit voll in der Verantwortung als Chef der Implenia». Foto: Sebastian Magnani

Anton Affentranger, 61: «Ich stehe derzeit voll in der Verantwortung als Chef der Implenia». Foto: Sebastian Magnani

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Einen Monat vor der Publikation des Jahresabschlusses publiziert die Implenia-Spitze eine Medienmitteilung und lobt darin ihre «überzeugende operative Leistung in der zweiten Jahreshälfte». Chef Anton Affentranger hatte erfahren, dass die SonntagsZeitung an einem Artikel über Implenia ­recherchiert. Als sich das intern herumspricht, melden sich rund ein Dutzend aktive und ehemalige ­Kaderleute auf der Redaktion. Sie rufen teils nachts an, teils über verschlüsselte Whatsapp-Verbindungen. Das Leiden im Management des grössten Schweizer Baukonzerns scheint gross – und die Angst auch: «Hier grassiert Spitzeltum», sagt ein Manager.

Im Februar 2016 hatte Affentranger erklärt, den Chefposten nach rund zwei Jahren abzugeben. Davon ist keine Rede mehr. Seiner Erklärung war ein Machtkampf vorausgegangen, wie man ihn selten erlebt. Vor Weihnachten 2015 hatte der Verwaltungsrat nach Protesten aus dem Management bereits die Absetzung Affentrangers beschlossen. Angestellte einer Sicherheitsfirma standen bereit, um ihn aus seinem Büro am Hauptsitz in Dietlikon ZH zu führen.

«Hier grassiert Spitzeltum.»Ein Manager

Doch so leicht lässt sich der passio­nierte Marathonläufer nicht stoppen. Er mobilisierte den Investor Max Rössler. Dieser hält via Parmino Holding 16,1 Prozent der Implenia-Aktien und ist damit grösster Aktionär. Der Verwaltungsrat kippte, Präsident Hubert Achermann demissionierte. Er wurde ersetzt durch Hans-Ulrich Meister, einen ehemaligen Spitzen­mann der Credit Suisse und früheren Kollegen Affentrangers.

Mit Tränen in den Augen aus Sitzungen

Doch im Management rumort es weiter. Von den 14 Personen des obersten Kaders haben laut Quellen im Topmanagement allein im letzten halben Jahr drei gekündigt, darunter IT-Chef Guido Schmidt. Mehrere kontaktierte Führungsleute beklagen den Führungsstil des Chefs. «Ich wurde in meinem ganzen Leben noch nie so respektlos behandelt», erzählt ein Kadermann, der schon lange im Bau ­tätig ist, einer Branche, in der man sich nicht mit Samthandschuhen anfasst. «Es herrscht ein Klima der Angst, der Leidensdruck ist riesig», erzählt ein anderer. Ein weiterer leidet unter einem Burn-out. ­Wieder ein anderer berichtet, abgebrühte Kaderleute seien mit ­Tränen in den Augen aus einer Sitzung mit Affentranger gekommen. Niemand will namentlich zitiert werden. Alle fürchten sich vor Entlassungen oder Schwierigkeiten an der neuen Stelle. «Wer seinen Chef öffentlich kritisiert, hat schon verloren», sagt ein Abgänger.

«Wer seinen Chef öffentlich kritisiert, hat schon verloren.»Ein Abgänger

Aber auch Affentrangers Kritiker loben das Unternehmen und sind stolz auf das Erreichte. «Die Arbeit würde Spass machen, wäre da nicht der Chef», sagt einer. ­Affentranger polarisiert wie sonst kaum einer in der Schweizer Managergilde. Er könne auch seine menschliche Seite zeigen, attestieren ihm selbst Kritiker. So habe er nach dem Tod eines Kadermannes dessen Familie in einer schwierigen Zeit sehr unterstützt.

Der Aktienkurs von Implenia hat in den letzten 12 Monaten 7 Prozent eingebüsst. Grossaktionär Rössler ist mit Implenia dennoch zufrieden: «Ich bleibe am Unternehmen interessiert.» Die Baubranche sei für ihn trotz der fast chronisch tiefen Gewinnmargen nicht unattraktiv. «Gebaut wird immer», sagt Rössler. Dass die Implenia-Aktien 2017 schlechter gelaufen sind als der Börsenindex, beunruhige ihn nicht. «Ich bin ein langfristiger Investor.»

«Vielleicht eine schwierige Person»

Noch sind keine Detailzahlen zum zweiten Halbjahr 2017 publiziert. Im Gegensatz zum ersten Semester 2017. Dort sorgte der Baukonzern mit einer Gewinnwarnung für Argwohn. 12 Millionen Franken Verlust wurden ausgewiesen. Dahinter stehen Wertanpassungen auf Projekten in Norwegen von 15 Millionen Franken sowie Wertberichtigungen von 20 Millionen Franken vor allem aus Forderungen für das Stadion Letzi­grund in Zürich. Hier besteht seit Jahren ein Streit mit der Stadt ­Zürich. Affentranger will juristisch weiterkämpfen.

Vom Rückzug Affentrangers nach zwei Jahren redet niemand mehr. Bei Hauptaktionär Rössler und Verwaltungsratspräsident Meister geniesst er weiterhin Rückhalt. Der 78-jährige Investor trifft sich regelmässig mit ihm: «Anton Affentranger ist vielleicht eine schwierige Person und stösst an», sagt Rössler. Er bestätigt, dass mehrere Untergebene gegangen seien – aus unterschiedlichen Gründen. «Aber insgesamt finde ich ihn gut als CEO.» Hans-Ulrich Meister meldet auf Anfrage: «Zum Thema einer allfälligen Nachfolge von Implenia-CEO Anton Affentranger gibt es keine Neuigkeiten.»

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 03.02.2018, 19:03 Uhr

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