Die Mär vom neutralen UBS-Berater

Neue Unterlagen zeigen, welche Fonds die Bank bei der Beratung bevorzugt.

Die Berater der Grossbank haben die Anweisung, hauseigene Fonds gegenüber Drittanbietern vorzuziehen. Foto: Andreas Meier (Freshfocus)

Die Berater der Grossbank haben die Anweisung, hauseigene Fonds gegenüber Drittanbietern vorzuziehen. Foto: Andreas Meier (Freshfocus)

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Das wünscht sich jeder Bankkunde, der mit seinem Berater spricht: Nur seine Interessen sollen bei der Wahl der Fonds in seinem ­Wertschriftendepot zählen. Die Produkte der Hausbank sollen ­keinen Vorzug erhalten. Solches hat die UBS ihren Kunden versprochen, als sie 2013 «die neue Zeitrechnung der Vermögensverwaltung» einläutete. Bei den Vorschlägen für Investments habe der Kunde stets die Gewissheit: «Die Empfehlungen, die er erhält, gelten ­ausschliesslich seinen Interessen.»

Im Gegenzug für diese kundenfreundliche Haltung führte die Bank neue Gebührenmodelle ein. Die Beratung wurde kostenpflichtig. ­Anfang Jahr hat die grösste Schweizer Bank ihre ­neuen Geschäfts- und Depotbedingungen verschickt. Darin zeigt sich, was schon längst vermutet wurde: Die UBS hat bei der Beratung sehr wohl ihre ­eigenen Interessen im Fokus. Neu steht im Kleingedruckten: «Sofern die Eigenschaften (z.B. Risikostruktur, Laufzeit) von UBS-Finanzinstrumenten und ­Finanzinstrumenten von Drittanbietern ­vergleichbar sind, werden die UBS-Finanzinstrumente bevorzugt ausgewählt oder empfohlen.» Kein Wort ­darüber, ob die Berater auch berücksichtigen, wie viel ein UBS-Fonds im ­Vergleich zu Drittanbietern kostet und wie gut er in den vergangenen ­Jahren gegenüber der Konkurrenz ­abgeschnitten hat. Diese Kriterien sind für die Kunden aber ­entscheidend.

Laut Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht, ist der von der UBS verwendete Begriff «vergleichbar» ­unklar. Im Prinzip sei alles mit allem ­irgendwie vergleichbar. Diese Regelung der UBS komme für viele Bankkunden überraschend. «Sie widerspricht der ­immer wieder geäusserten Behauptung der Banken, dass eigene Produkte nicht bevorzugt würden», sagt Kunz.

Die neue Offenheit der UBS kommt nicht freiwillig

Die UBS verweist darauf, dass bei der Auswahl des Angebots an Produkten, die für Privatanleger überhaupt infrage kommen, die Kriterien Kosten und ­Performance eine wichtige Rolle ­spielten. Welche Massstäbe die Berater dann bei den Empfehlungen aus den Tausenden zur Verfügung stehenden Produkten ­anwenden, bleibt unklar.

Die Grossbank hat ihr neues ­Bekenntnis in den Depotbedingungen nicht freiwillig abgegeben. Gemäss dem Anfang Jahr in Kraft getretenen ­Schweizer Finanzdienstleistungsgesetz müssen Banken ihre Kunden über die Auswahlkriterien der empfohlenen ­Produkte genauer informieren. Die ­Praxis der UBS ist nicht neu, sondern wird nun erst transparent.

In einem anderen Licht erscheinen auch Aussagen von Top-Managern der Bank. Das Magazin «Bilanz» fragte 2017 Ulrich Körner, damaliger Chef des UBS Asset Management, ob die UBS-Produkte bei der Anlageberatung ­bevorzugt würden. «Wir sind einer von mehreren Hundert Produktanbietern für unser ­Wealth Management und ­stehen da voll im Wettbewerb. Da gibt es ­keine ­Vorzugsbehandlung. Das läuft seit ­Jahren so», antwortete der mittlerweile zurückgetretene Körner.



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Erstellt: 25.01.2020, 17:44 Uhr

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